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Corona-Krise bringt Zirkus in Not

Circus Mondial kann derzeit nicht auf Tour gehen. Das Familienunternehmen sitzt bei Kamenz fest - und hat nun vor allem eine große Sorge.

Kassandra (l.), Carola und Marvin Spindler machen sich Sorgen um ihren Circus Mondial, vor allem um die Tiere wie Ziegenbock Otto. Wegen der Corona-Krise sind keine Vorstellungen möglich, in der Zirkus-Kasse herrscht Ebbe.
Kassandra (l.), Carola und Marvin Spindler machen sich Sorgen um ihren Circus Mondial, vor allem um die Tiere wie Ziegenbock Otto. Wegen der Corona-Krise sind keine Vorstellungen möglich, in der Zirkus-Kasse herrscht Ebbe. © Matthias Schumann

Nebelschütz. Zirkus-Ziegenbock Otto geht es prächtig.  Erwartungsvoll  trappelt er auf  einem kleinen Podest. Aber kein Publikum applaudiert. Die großen Wagen mit der Aufschrift Circus Mondial sind kaum zu übersehen. Sie parken derzeit auf dem Areal eines Landwirtschaftsbetriebes im Nebelschützer Ortsteil Piskowitz, vor den Toren von Kamenz. Dort sollten sie aber längst nicht mehr stehen, sondern im Konvoi unterwegs sein: von einem Gastspiel zum anderen. 

Doch der Zirkus sitzt seit Mitte März  in seinem Winterquartier fest. Ein paar quirlige Hündchen machen sich bemerkbar. Gäste werden hier sofort angekündigt – von den Stars der Hunde-Show. Die dressiert Carola Spindler. Sie ist die Juniorchefin im Circus Mondial und inzwischen ziemlich verzweifelt: „Wir hatten schon gepackt, um nach Wittichenau loszuziehen, dann sollte es weiter nach Königsbrück gehen.“

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Doch es kam die Hiobsbotschaft: Wegen der Corona-Pandemie muss der Zirkus in die Zwangspause. Schlimmer hätte es nicht kommen können. Nicht nur für sie. Über 100 Zirkus-Unternehmen seien deutschlandweit gestrandet, berichtet Spindler. Circus Mondial inklusive.

18 Tiere brauchen Futter

Im Wohnwagen schildert Carola Spindler die Lage, in der kleinen Sitzecke neben dem Fernseher.  Auf einem Regal  steht ein Schwarz-weiß-Foto: Es zeigt einen jungen Dompteur und einen mächtigen Bären, aufgenommen Ende der 1950er-Jahre: „Das war mein Onkel“, sagt die Juniorchefin. 

Ihr Bruder sei gerade Futter besorgen. Das bereite jetzt die größten Sorgen. Denn der Zirkus habe keine finanziellen Reserven, um die Kosten stemmen zu können, hofft nun auf Spenden: „Wir leben von der Hand in den Mund.“ Ohne Vorstellungen und damit ohne Einnahmen stehe der Zirkus auf dem Schlauch.

18 Tiere sind zu versorgen. Zwar kein Bär mehr, aber Haustiere: die Artisten von der Hunde-Show, die Pferde,  Ziegen, Tauben und ein Kamel. Ein Heuballen allein koste  30 Euro. Insgesamt drehe es sich um 350 Euro im Monat. Der Zirkus nehme  auch gern Futterspenden, Heu oder Futtermöhren und Kraftfutter für die Tiere.

Dazu kommen noch die sechs Zirkusleute, die zugleich Artisten, Dompteure und Tierpfleger sind. Der Zirkus sei ein reiner Familienbetrieb. Mit der 84-jährigen Mutter Lucie an der Spitze. Die Mannschaft müsse auch von etwas leben. Da bleibe in dieser Situation nur, Hartz IV zu beantragen. Aber die Tiere hängen in der Luft. Die könne man ja nicht vorübergehend stilllegen. Deshalb bitte der Zirkus um Unterstützung.

Das Telefon meldet sich. Dran ist  Marvins Lehrerin. Der Junge ist das Nesthäkchen der Familie, geht derzeit in die 6. Klasse einer Kamenzer Schule. Lernen müssen natürlich auch Zirkuskinder. Online funktioniere es im Zirkuswagen aber leider nicht. Die Lehrerin bringe die Aufgaben also regelmäßig vorbei. So läuft der  Unterricht  in Corona-Zeiten.

Hündchen Fetti gehört zu den Stars der Hunde-Show im Circus Mondial.
Hündchen Fetti gehört zu den Stars der Hunde-Show im Circus Mondial. © Matthias Schumann

Im Zirkus groß geworden

So eine Krise wie mit dieser Virus-Epidemie habe sie in all den Jahren noch nicht erlebt, sagt Carola Spindler. Es sei die härteste in der 55-jährigen Geschichte des Zirkus.  Die Großeltern stammten aus Salzwedel und gründeten einst den Zirkus. Trotz der Notlage denkt Carola Spindler nicht ans Aufgeben: „Ich bin im Zirkus geboren, habe hier von Kindesbeinen an gelernt. Ich bin mit meinen Tieren groß geworden, wir leben und arbeiten hier zusammen. Das gebe ich nicht auf“, sagt die 48-Jährige und ist sich darin mit Tochter Kassandra einig.

So wird am Nachmittag auch wieder geprobt. Ein kleines Zelt steht dafür am Rande des Areals: „Das ist natürlich nicht unsere Manege“, sagt Carola Spindler und zeigt Fotos von der  Arena mit zwei Masten: „Für bis zu 900 Gäste.“ Wehmut schwingt in der Stimme mit. So ein großes Publikum hat der Zirkus schon lange nicht mehr gesehen. Es seien ohnehin schon schwierige Zeiten für Zirkusse. Vor dem Probenzelt haben Carola und  Kassandra Spindler die Ziegen versammelt. Ziegenbock Otto ist schon ganz aufgeregt. Übung muss sein, damit alle Kunststückchen klappen, wenn es wieder losgeht. Denn die Zeit nach Corona kommt bestimmt. 

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Wer helfen möchte: "Circus Mondial", Telefon 0174 7140141, derzeit am Am Eichelberg 12 in  Piskowitz  - Spendenkonto DE21 1001 0010 0789 601126 Postbank.

Zirkuspause ist auch für Kamel Sambo angesagt, links Marvin und rechts Kassandra Spindler.
Zirkuspause ist auch für Kamel Sambo angesagt, links Marvin und rechts Kassandra Spindler. © Matthias Schumann

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