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Nostromo kämpft ums Überleben

Wegen Corona ist der Görlitzer Club seit März geschlossen, doch immense Kosten laufen weiter. Jetzt startet eine Spendensammlung.

Das Nostromo wurde an einem Juni-Abend in rotes Licht getaucht. Dahinter verbarg sich ein Zeichen der Kulturschaffenden, die in der Corona-Krise nicht vergessen werden wollen. Unter dem Motto „Night of Light“ lief die Aktion deutschlandweit.
Das Nostromo wurde an einem Juni-Abend in rotes Licht getaucht. Dahinter verbarg sich ein Zeichen der Kulturschaffenden, die in der Corona-Krise nicht vergessen werden wollen. Unter dem Motto „Night of Light“ lief die Aktion deutschlandweit. © Foto: Foto Crew Görlitz

Glatte 2.430 Euro in einer reichlichen Woche! Mit so viel Unterstützung in so kurzer Zeit hatte Dirk Kählig nicht gerechnet. Der 37-Jährige ist seit 2012 Vorstandsvorsitzender des Vereins Schall und Rauch, der das Nostromo an der Cottbuser Straße seit 1999 ehrenamtlich betreibt. Und er ist derzeit – gelinde gesagt – nicht besonders glücklich mit der Situation des Clubs.

Seit Mitte März geschlossen

„Mitte März mussten wir wegen Corona schließen – und wir haben bis heute keine Ahnung, wann wir wieder öffnen dürfen“, sagt er. Mehrere normalerweise umsatzstarke Veranstaltungen mussten ausfallen: „Zwischenräume“ im März, eine Bad-Taste-Party zu Ostern und im nächsten Monat dann die Altstadtfest-Party. „Wir brauchen solche Veranstaltungen aber, um unsere Betriebskosten bezahlen zu können“, sagt Dirk Kählig. Obwohl der Verein alle Kosten soweit wie möglich gedrückt hat, fallen immer noch rund 1.000 Euro pro Monat an.

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Den Hauptanteil machen die Stromkosten aus. Das Problem: Das Nostromo ist der einzige Strom-Abnehmer auf dem gesamten Schlachthofgelände – und nutzt deshalb die letzte der drei einst auf dem Gelände erbauten Trafo-Stationen ganz für sich allein. Der Trafo verbraucht auch jetzt jede Menge Strom – obwohl das Nostromo geschlossen ist und nur minimale Strommengen nutzt. Mit den Stadtwerken hat der Verein schon geredet. Eine Kulanzregelung sei leider nicht machbar, berichtet Dirk Kählig. Der Strom falle nun mal an.

Auch der Eingang zum Nostromo wurde in jener Nacht rot angestrahlt.
Auch der Eingang zum Nostromo wurde in jener Nacht rot angestrahlt. © Foto: Foto Crew Görlitz

Das Nostromo könnte die Trafo-Station auch aufgeben und auf einen ganz normalen Hausanschluss umstellen. Doch dafür müsste die Bundesstraße gesperrt und aufgerissen werden. Kostenpunkt für den Hausanschluss: Etwa 25.000 Euro. „So viel Geld haben wir aber nicht“, sagt Dirk Kählig. Also fallen weiter um die 500 Euro pro Monat allein dafür an. Hinzu kommen die Kosten für Wasser, Pacht, Versicherungen und und und. Alles in allem sind das weitere 500 Euro. Da das Nostromo derzeit auch kaum Wasser verbraucht, wird da bei der nächsten Jahresabrechnung ein bisschen Geld zurückkommen. Alle anderen Kosten aber lassen sich nicht erstatten.

Normalerweise versucht der Club immer, bis zur Sommerpause so viel Geld einzunehmen, dass im Sommer eine Baumaßnahme stattfinden kann. „In den Vorjahren haben wir viel für den Brandschutz getan, dieses Jahr waren die Frauen-Toiletten geplant“, sagt Dirk Kählig. Doch nun ist erst einmal alles abgesagt: „Wir müssen das Geld für die Betriebskosten zurückhalten.“

Keine Chance auf Fördermittel

Doch es reicht nicht. Und an Fördermittel kommt das Nostromo nicht ran, ein Antrag bei der SAB wurde abgelehnt. Um dennoch zu überleben, hat das Nostromo deshalb am 27. Juni eine Spendenaktion bei der Internetplattform Startnext gestartet. Ziel ist es, bis 15. September 12.000 Euro zu sammeln. „Mit dem Geld können wir die Kosten decken, bis wir hoffentlich wieder Veranstaltungen durchführen können. Jeder zusätzliche Euro fließt in den Erhalt und Umbau des Clubs oder dient dem Buchen zukünftiger Künstler“, heißt es dazu auf der Startnext-Seite.

Der Start ist vielversprechend, 2.430 Euro sind von 38 Unterstützern eingegangen. Das heißt, im Durchschnitt hat jeder 64 Euro überwiesen. „Wir freuen uns aber auch über kleinere Beträge“, sagt der Vereinsvorsitzende. Auf der Startnext-Seite kann sich jeder Spender ein Dankeschön aussuchen, vom freien Eintritt für eine Veranstaltung bis hin zu der Option, das Nostromo für eine eigene Veranstaltung zu mieten.

Die Ungewissheit belastet

„Das Schlimmste ist eigentlich, dass wir überhaupt nicht wissen, wann wir wieder loslegen können“, sagt Dirk Kählig. Entsprechend ist völlig unklar, wie viel Geld tatsächlich fürs Überleben benötigt wird. Zusätzlich zur Spendensammlung hat der Verein jetzt ein Hygienekonzept für Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen im Außengelände eingereicht. Wenn es genehmigt wird, soll es auf der Sandfläche eine Sommerlounge mit oder ohne DJs geben: „Über den Getränkeverkauf könnten wir über den Sommer wenigstens ein bisschen Geld erwirtschaften.“ Viel lieber würde der Club freilich „richtige“ Veranstaltungen planen. Die „Zwischenräume“-Party steht für den 19. September im Kalender, Ende Oktober soll es Halloween und Kinder-Halloween geben. Ob das aber möglich sein wird, steht derzeit noch in den Sternen.

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