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Wieso der Hauptsponsor in der Krise zu Dynamo steht

Geschäftsführer René Münnich erklärt ausführlich im Interview, warum er trotz Saisonpause die volle Summe zahlt - und selbst noch nie im Stadion war.

René Münnich hat im Jahr 2000 den Internetdienstleister All-Inkl.com in Friedersdorf bei Löbau gegründet.
René Münnich hat im Jahr 2000 den Internetdienstleister All-Inkl.com in Friedersdorf bei Löbau gegründet. © Robert Michael

Dresden. Fehlende Zuschauer-Einnahmen, deutlich weniger Fernsehgeld: Die Spielpause wegen der Corona-Pandemie hat für die Klubs im Profi-Fußball teils dramatische finanzielle Einbußen zur Folge, für einige Vereine könnten sie sogar existenzbedrohend werden. Das schließt Michael Born für Dynamo zwar aus, dennoch war der Geschäftsführer froh, dass vorige Woche gleich drei Partner zugesichert haben, das vereinbarte Sponsoring für diese Saison in voller Höhe zu zahlen.

Den Anfang hatte Hauptsponsor All-inkl.com aus Friedersdorf bei Löbau gemacht, der die SGD seit 2018 jährlich mit einer siebenstelligen Summe unterstützt. Der Internetdienstleister betreibt mehrere Rechenzentren in Dresden, die Platz für mehr als 15.000 Server bieten, und verwaltet über 1,9 Millionen Kundenwebseiten. Geschäftsführer René Münnich, 42 Jahre, ist kein Fußball-Fan, sondern betreibt ein Motorsport-Team. Was sich die Corona-Krise für ihn bedeutet, erklärt er im Interview mit der SZ.

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Herr Münnich, Sie garantieren Dynamo die volle Summe für diese Saison, obwohl unklar ist, ob die überhaupt zu Ende gespielt werden kann. Was hat Sie zu dem Zeichen bewogen?

Ich verstehe das weniger als ein Zeichen, vielmehr ist es für mich eine Selbstverständlichkeit. Der Vertrag ist für diese Saison geschlossen, fast zwei Drittel der Spiele sind absolviert, ob sie zu Ende geführt wird, muss die nächste Zeit zeigen. Aber für mich stand es nie zur Debatte, zu sagen: Ich siehe den Stecker oder verlange Geld zurück. Wenn man sich zu etwas entschließt, sollte man es durchziehen. Wir sind in der glücklichen Lage, in unserer Branche durch die Corona-Krise weniger in Mitleidenschaft gezogen zu werden.

Sie beschäftigen rund 100 Mitarbeiter. Wie geht es Ihrem Unternehmen?

All-Inkl.com, der Sponsor von Dynamo Dresden, ist ein Online-Unternehmen. Dieser Bereich kann sogar profitieren. Wirtschaftlich ist es also okay, aber natürlich spüren auch unsere Mitarbeiter die Einschränkungen im Leben. Wir mussten Homeoffice organisieren, was wegen des Datenschutzes nicht so einfach ist, haben ein neues Büro eingerichtet, um die Gefahr einzudämmen, dass auf einmal alle Mitarbeiter aus einem Standort in Quarantäne müssen, wenn einer positiv getestet wird. Wir haben jetzt also vier unabhängige Büros in Dresden und der Oberlausitz.

Wie kann Ihre Firma profitieren?

Wir sind der Handwerker des Internets, also nicht diejenigen, die coole Ideen haben und damit Millionen verdienen. Wir sind eher dafür da, den Leuten mit den coolen Ideen die technische Plattform zu stellen. Derzeit entstehen viele neue Internet-Auftritte von Nachbarschaftshilfen über Restaurants, die außer Haus liefern, bis zu Online-Shops von Firmen. Dafür sind wir die Ansprechpartner.

Stoßen Sie dabei an Kapazitätsgrenzen?

Wir haben zur Sicherheit für ein Jahr im Voraus Hardware eingekauft, weil man mit Liefer-Engpässen zum Beispiel aus China rechnen muss. Das sehe ich alles im grünen Bereich.

Was hat Ihnen das Sponsoring bei Dynamo in zwei Jahren bisher gebracht?

Das ist schwierig einzuschätzen. Es gibt keine Form der Werbung, in der man einen Euro ausgibt und zwei zurückkriegt. So etwas sollte man nie kurzfristig betrachten. Ich denke, die Bekanntheit ist sicher gestiegen, ob sich das in Umsatz niedergeschlagen hat, kann ich nicht sagen. Es ist ein Image-Marketing, das über Sachsen hinausgeht. Unsere Geschäftspartner haben registriert, dass wir Sponsor bei Dynamo sind.

Haben Sie selbst jetzt eine emotionalere Bindung zum Verein oder ist es eine reine Geschäftsbeziehung?

Ich bin ja null Fußballfan. Dennoch bin ich hier geboren, habe von klein auf mitbekommen, wie viele hier auf Dynamo halten. Ich bin stolz drauf, denn es gibt neben der geschäftlichen Beziehung auch persönliche Erlebnisse, durch die ich sage: Das ist super, freut mich, Sponsor zu sein.

In Dresden betreibt das Unternehmen von René Münnich mehrere Rechenzentren. Mit Fußball hat der 42-Jährige eigentlich nichts am Hut.
In Dresden betreibt das Unternehmen von René Münnich mehrere Rechenzentren. Mit Fußball hat der 42-Jährige eigentlich nichts am Hut. © Robert Michael

Können Sie Beispiel nennen?

Das sind wirklich die kleinen Begegnungen. Wenn jemand im Bekanntenkreis das Trikot mit unserem Schriftzug trägt.

Wie oft waren Sie selbst bisher zu Spielen im Stadion?

Null, ich war noch nie da.

Haben Sie es sich vorgenommen?

Ich bin durch den Motorsport normalerweise so viel weltweit unterwegs. Wenn ich mal zu Hause bin, genieße ich es, meine Ruhe zu haben. Vielleicht nach der Phase, denn ich glaube, durch die Corona-Krise wird mir die Ruhe zu viel. Aber dazu müssten wieder Zuschauer erlaubt sein, und das wird diese Saison nicht mehr stattfinden. Vielleicht unter Auflagen eine begrenzte Anzahl, aber ein volles Stadion kann man nicht zulassen, das wäre fahrlässig.

Die Emotionen wollen Sie dann schon erleben?

Das ist das, was die Leute sagen. Die Atmosphäre soll wohl so beeindruckend sein. Das reine Fußballspiel wäre für mich sicher uninteressant, weil ich nicht mal die Regeln verstehe. Warten wir es ab.

Sie sind auch im Motorsport aktiv, haben ein eigenes Team. Wie wirkt sich die Sportpause in dieser Branche aus?

Wir sind in verschiedenen Meisterschaften unterwegs. Ich gehe davon aus, dass wir noch Rennen haben werden in diesem Jahr, realistisch wäre Juli oder August.

Wie halten Sie das Team am Laufen?

Wir haben so viel Arbeit, für die Mitarbeiter ist diese zusätzliche Pause sogar positiv.

Wie viele Leute beschäftigen Sie?

Über alle Rennserien mit Freelancern 43.

Und Sie haben genug Arbeit für alle?

Die Freelancer sind nur für die Renn-Wochenenden gebucht, darunter sind Spanier, Engländer. Ungarn. Sie dürften jetzt gar nicht für uns arbeiten. Für die 25 Festangestellten ist genügend Arbeit da.

Was gibt es ohne Rennen zu tun?

Wir bauen die Autos teilweise von der Rohkarosse auf, es werden zum Beispiel Sicherheitskäfige eingeschweißt, sie müssen lackiert werden, am Equipment ist viel zu tun, eine Software zu programmieren, um den Ablauf zu verbessern.

Das kostet, es kommt aber kein Geld rein. Wie lange halten Sie das durch?

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Die Dresdner übernehmen in der Corona-Krise eine Vorbildrolle. Der Geschäftsführer muss trotzdem neu rechnen, inklusive harter Einschnitte.

Das ist aufgestaut. Die Welt geht ja nicht unter. Es passiert leider, dass Leute daran sterben, aber es ist nicht das Killer-Virus, das uns alle umbringt. Ich gehe fest davon aus, dass wir in spätestens zwei Jahren wieder den Normalzustand haben. Was man jetzt vorbereitet, kann man dann nutzen. Man muss halt hoffen und darauf achten, gesund zu bleiben. Das ist das A und O. Aber die, die jetzt mit der Familie zu Hause sein müssen, sollten diese Auszeit positiv sehen. Den Kopf in den Sand stecken sollte man nie, es geht immer weiter.

Apropos: Ihr Sponsoring-Vertrag bei Dynamo geht bis 2021. Können Sie sich vorstellen, ihn zu verlängern?

Wir müssen uns die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dann konkret anschauen. Ich gehe aber davon aus, dass es mehr als möglich ist.

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