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Wie die Fans jetzt ihren Vereinen helfen

Die Klubs starten Aktionen, um Verluste wegen der Corona-Krise abzufedern. Wie das bei den Füchsen in Weißwasser und den Volleyball-Frauen in Dresden klappt.

Lena Stigrot (vorn 2. v. l.) hat mit dem DSC den Volleyball-Pokal gewonnen. Ihr Trikot bringt bei der Versteigerung 500 Euro.
Lena Stigrot (vorn 2. v. l.) hat mit dem DSC den Volleyball-Pokal gewonnen. Ihr Trikot bringt bei der Versteigerung 500 Euro. © Lutz Hentschel

Not macht erfinderisch. Das zeigt sich während der Corona-Krise auch im Sport. Auch die sächsischen Profi-Klubs verzeichnen erhebliche finanzielle Einbußen, weil die Saison teilweise bereits abgebrochen wurde oder Geisterspiele drohen. In beiden Fällen fehlen fest eingeplante Zuschauer-Einnahmen. Doch die Vereine können sich auf ihre Fans verlassen.

So verkauft der 1. FC Lok Leipzig Karten für ein Heimspiel gegen einen unsichtbaren Gegner – und würde das am 8. Mai tatsächlich im eher alten als ehrwürdigen Bruno-Plache-Stadion ausgetragen, kämen knapp 130.000 Fans. So viele Karten zum Preis von je einen Euro sind bereits verkauft. Der ewige Stadtrivale BSC Chemie hat Unterstützerpakete mit Fanartikeln angeboten und 185.000 Euro eingenommen.

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Mit einer so hohen Summe rechnen die Lausitzer Füchse nicht, aber die Aktion des Eishockey-Zweitligisten kommt gut an bei den Anhängern. „Zweimal vollmachen, bitte!“, heißt es in Weißwasser. „Als das abrupte Saisonende kam, lief bereits der Vorverkauf für die ersten beiden Spiele in der Play-down-Runde“, erklärt Dirk Rohrbach. Der Füchse-Geschäftsführer musste gleich zu Beginn der Krise selbst in Quarantäne, weil er vermutlich Kontakt zu einer an Corona infizierten Person hatte. Bei ihm selbst verlief der Test zum Glück negativ, aber der Fall war ein Argument, auf Meister- und Abstiegsrunde zu verzichten.

Auf knapp 100.000 Euro beziffert Rohrbach das dadurch entstandene Minus, allein gut 30.000 durch fehlenden Ticket-Verkauf. Zumindest diese für den Klub „beachtliche Summe“, wie Rohrbach betont, könnte nun hängen bleiben, weil Fans ihre bereits erworbenen Karten behalten oder sich sogar welche kaufen, obwohl die Spiele gegen Landshut ausfallen. Der Tatsache, dass Weißwasser dadurch den Klassenerhalt in der zweiten Liga sicher hat, kann der Geschäftsführer auch nichts Positives abgewinnen. „Wir wollten es sportlich schaffen – gemeinsam mit unseren Fans“.

Etat für die Mannschaft um 20 Prozent gekürzt

Geschäftsführer Dirk Rohrbach sucht bei den Lausitzer Füchsen in Weißwasser wegen der finanziellen Einbußen in der Corona-Krise nach Sparpotenzial. Den Etat für den Spieler-Kader des Eishockey-Zweitligisten hat er für die nächste Saison bereits um 20 Proz
Geschäftsführer Dirk Rohrbach sucht bei den Lausitzer Füchsen in Weißwasser wegen der finanziellen Einbußen in der Corona-Krise nach Sparpotenzial. Den Etat für den Spieler-Kader des Eishockey-Zweitligisten hat er für die nächste Saison bereits um 20 Proz © Thomas Heide

Die Folgen der Krise sind für die Lausitzer derzeit kaum überschaubar, weil sie möglicherweise die kleinen und mittelständischen Unternehmen besonders hart trifft. „Wir müssen abwarten, inwieweit uns unsere Sponsoren weiter unterstützen können“, sagt Rohrbach. Deshalb hat er vorsorglich den Etat für die neue Saison für den Profi-Kader um knapp 20 Prozent reduziert. Nach weiterem Sparpotenzial wird gesucht. Eine Insolvenzgefahr sieht der Manager zwar derzeit nicht, aber man müsse aufpassen und pro aktiv handeln, um wieder eine Stabilität zu bekommen.

Das ist auch für die Volleyball-Frauen des Dresdner SC entscheidend. Sie konnten in der abgebrochenen Spielzeit bereits einen großen Erfolg feiern mit dem sensationellen Pokalsieg im Finale über Stuttgart Mitte Februar. Die Trikots aus diesem dramatischen Spiel wurden nun bei eBay versteigert, und das von Lena Stigrot, die den Matchball verwandelt hatte, war besonders gefragt. Christian Barth hat es sich für 500 Euro per Sofortkauf gesichert. Der 68-Jährige aus Liegau-Augustusbad geht mit Frau und Tochter als Dauerkartenbesitzer zu fast allen Heimspielen des DSC, das Finale haben sie jedoch verpasst. „Da waren wir auf einer Kreuzfahrt. Aber wir haben am Live-Ticker mitgefiebert“, erzählt Barth, der seit 1. April Rentner ist.

Lena Stigrot hat sich mit einem Anruf persönlich bei Barth für die Spende bedankt. „Das hat mich unheimlich gefreut“, sagt er und wünscht sich, sie beim ersten Heimspiel nach der Krise persönlich kennenzulernen. „Ich war total überrascht, dass die Trikotaktion so gut ankam“, meint Stigrot, die jetzt ihren Vertrag beim DSC bis 2021 verlängert hat. „Ich hoffe, dass wir es diesen Menschen mit viel Spielfreude im DSC-Trikot danken können“, sagt sie.

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Insgesamt 8.530,27 Euro nahm der Verein für die Pokal-Shirts und vier weitere Europacup-Trikots ein, in dem der DSC das Halbfinale erreicht hat. Doch seit dem 18. März ruht der Wettbewerb offiziell. Das Trikot von Kapitänin Mareen von Römer vom Europacup-Spiel wurde für 770 Euro ersteigert, das von Stigrot für 600 Euro.
Christian Barth beteiligt sich auch an einer zweiten Aktion der Volleyballerinnen, hat sich bereits zehn Unterstützertickets gekauft – für ein virtuelles Heimspiel mit bis zu 3.000 Besuchern. Mehr als 10.000 Euro sind bereits zusammengekommen. Die Summe soll in den Nachwuchs fließen und für fortlaufende Kosten verwendet werden. „Ich denke, jeder sollte heutzutage nach seinen Möglichkeiten helfen“, meint Barth – und steht damit stellvertretend für viele Fans, die ihre Vereine unterstützen.

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