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Kultur in Corontäne – was mit Fördermitteln passiert

Droht jetzt die große Rückzahlung? Darüber reden Einrichtungen, Veranstalter, Kulturraum und Kulturministerium.

Von Irmela Hennig
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Kultur in Coronazeiten: Abgesagt wurden die Hoyerswerdaer Musikfesttage (oben links), umgezogen auf die Insel ist das Bautzener Puppentheater (oben rechts). Ungewiss ist, ob der Umgebindehaustag stattfindet (unten links)
Kultur in Coronazeiten: Abgesagt wurden die Hoyerswerdaer Musikfesttage (oben links), umgezogen auf die Insel ist das Bautzener Puppentheater (oben rechts). Ungewiss ist, ob der Umgebindehaustag stattfindet (unten links) © Menzel, Theater Bautzen (Screenshot SZ), SZ/Soeder

Das Neiße Filmfestival, die Musikfesttage Hoyerswerda – es sind zwei der prominenten Beispiele. Verkleinert und verschoben das Erste, für dieses Jahr abgesagt das Zweite. Der Grund ist die vom Freistaat Sachsen verfügte Schließung von Kultureinrichtungen und das Veranstaltungsverbot, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen.

Das Neiße Filmfest im Dreiländereck sollte am 12. Mai beginnen. Das wäre – Stand jetzt – nach dem angeordneten Stillstand. Allerdings findet die Veranstaltung mit Filmwettbewerben, Kinovorführungen, Konzerten und Partys in der Oberlausitz, aber auch in Polen und Tschechien statt.

Das wäre mit den momentan geschlossenen Grenzen nicht möglich. Vorbereitungen könnten nicht laufen. Tschechien will sein Land vorerst zudem ein halbes Jahr mehr oder weniger abschotten. Da bringe auch eine Verschiebung um wenige Wochen nichts, weiß Aleksandra Staszel von der Festivalleitung.

Umplanen sei darum das Motto. „Wir wollen auf jeden Fall, dass die Wettbewerbe stattfinden“, sagt Staszel. Es geht unter anderem um den für Spielfilme, dessen Gewinner sich über 10.000 Euro Preisgeld freuen kann. Gestiftet wird das vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus.

Festivalchefin hat viel telefoniert

Und da wird es schwierig, nicht nur für das Neiße Filmfestival, sondern für viele Kulturprojekte oder geförderte Veranstaltungen und Einrichtungen. Wer Geld erhält, muss Programme und Vorhaben abwickeln, muss bestimmte Besucherzahlen und Reichweiten erzielen. Das aber ist in der aktuellen Situation nicht möglich.

Aleksandra Staszel hat darum in den vergangenen Wochen viel telefoniert. Sie hat den Kontakt zu den Geldgebern gesucht und zumindest für die Mittel vom Freistaat gute Aussicht darauf, dass die Förderung nicht zurückgezahlt werden muss. „Mehr Geld bei Mehrbedarf bekommen wir aber nicht, das wurde deutlich“, so die Festivalchefin. Höhere Kosten könnten durch das zeitliche Verlegen, Umplanen und neue Werbung entstehen.

Das Neiße Filmfestival 2020 wird umgeplant.
Das Neiße Filmfestival 2020 wird umgeplant. ©  SZ-Archiv

Auch mit anderen Geldgebern hat das Team gesprochen. Dort „haben wir die Zuversicht, dass wir die Mittel behalten können“. Wann und wie das Festival nachgeholt werden kann, müsse sich zeigen und hänge vor allem auch von allen Entwicklungen in Zusammenhang mit Corona ab.

Zu den finanziellen Partnern des Filmfestes gehört der Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien. Der unterstützt Einrichtungen wie Theater, Bibliotheken und Museen sowie Projekte und Veranstaltungen. Aber auch hier gelten Kriterien, die erfüllt sein müssen. Wenn etwas ausfällt, kleiner wird, wirkt sich das normalerweise geldlich aus. 75.000 Euro sollte das Neiße Filmfest aus diesem Topf bekommen.

Letztlich geht es um Geld des Steuerzahlers

Das hatte der Kulturkonvent als Entscheidungsgremium im vergangenen Dezember beschlossen. Nun ist die Frage, was damit wird. Kein Einzelfall. Das bestätigt Kulturraumsekretär Joachim Mühle auf SZ-Nachfrage. Es gebe mittlerweile viele Fälle, bei denen Veranstaltungen verschoben oder abgesagt werden mussten.

„Da es sich hier um unvorhersehbare Ereignisse handelt, die von den Einrichtungen und Projektträgern nicht verschuldet wurden, sehen wir die Notwendigkeit, uns mit dem Thema dringend zu beschäftigen“, sagt Mühle. Härten abzumildern oder auf Rückforderungen bei ausgefallen Projekten, die schon Kosten verursacht haben, zu verzichten, seien Fragen, die man verantwortungsvoll behandeln müsse.

Letztlich geht es hier nämlich um Geld des Steuerzahlers – der Kulturraum finanziert sich aus Mitteln der Kommunen und des Freistaates, letztlich aus Steuern. Geplant ist eigentlich, dass sich die Mitglieder des Kulturkonvents am 22. April zu einer Sitzung treffen. Dann könnte das Gremium über die Fragen beraten. Ob die Sitzung stattfinden kann, sei noch offen, wie Joachim Mühle erklärt. Klar sei, sobald der Konvent wieder berät, wir das Ganze auf der Tagesordnung stehen.

Nicht alles wird nachgeholt

Auch das Sächsischen Kulturministerium befasst sich damit. Die Staatskanzlei habe bereits „Anwendungshinweise zum Fördervollzug im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie“ an die Ministerien weitergeben, heißt es auf SZ-Nachfrage. Die Kulturräume können sich daran orientieren.

Wenn eine geplante Veranstaltung nicht stattfinden könne, aber bereits Kosten entstanden sind, bleibe die Förderung bestehen. Ziel sei es, dass Zuwendungsempfängern, Mitwirkenden und Teilnehmern keine schwerwiegenden Nachteile entstehen. Wer Geld erhält oder erhalten hat, sei informiert worden. Für Einzelfälle wolle man angemessene Lösungen finden. Mit den Kulturräumen sei man im Gespräch.

Die Veranstalter und Kulturschaffenden müssen indes, wie Aleksandra Staszel vom Neiße Filmfest, Entscheidungen treffen. Die Hoyerswerdaer Musikfesttage wurden für dieses Jahr abgesagt. Sie sollten am 19. April beginnen. Das Programm will man im kommenden Jahr aufführen. Solche Verschiebungen gab es schon in der Vergangenheit. Da konnte Fördergeld mitunter übertragen werden. Löbaus Kantor Christian Kühne macht allerdings klar: „Es kann nicht alles nachgeholt werden.“

Bach-Konzerte in Löbau und Zittau fallen aus

Das würde teilweise zur Überlastung von Akteuren führen, die mitunter schon Pläne für künftige Veranstaltungen gemacht haben. Die Aufführung von Johann Sebastian Bachs Matthäus-Passion Anfang April in Löbau und Zittau falle schlicht aus. Der Kulturraum hat über die Zuwendungen für Kirchenmusik auch dieses Projekt gefördert. Deswegen will der Kantor nun Bilanz ziehen darüber, welche Kosten bereits entstanden sind. Diese müsse man hoffentlich nicht zurückzahlen. Christian Kühne rät zu Gelassenheit, weil jetzt manches „unwiederbringlich entfällt“.

Noch offen ist, ob der auch geförderte Tag des offenen Umgebindehauses wie geplant stattfindet. „Das entscheidet sich am 20. April“, sagt Arnd Matthes von der Stiftung Umgebindehaus. Notfalls verlagere man die Aktion ins Internet und stelle dort die Gebäude vor.

Virtuelle Rundgänge durch Museen

Schwieriger als bei Projekten ist es für Einrichtungen, die institutionell, also für den laufenden Betrieb Förderung erhalten. Sie müssen dafür bestimmte Kriterien erfüllen, was jetzt nicht zu leisten ist. Untätig sind viele nicht. Die Städtische Museen Zittau und das Barockhaus Neißstraße in Görlitz haben in kurzer Zeit virtuelle Rundgänge geschaffen.

Die Kulturfabrik Hoyerswerda produziert „Auszeit-Schnipsel“. Das sind kurze Filme, zum Beispiel darüber, wie man einen Brief von Hand schreibt. Und für das Deutsch-Sorbische Volkstheater Bautzen erstellt Puppenspielleiter Stephan Siegfried mit Puppen Minifilme unter dem Titel „Godow in Corontäne – Gedöns vonner Insel“. Darin geht es um Ausgangssperre, Klopapiermangel und den ganz normalen Corona-Wahnsinn - hier ein Beispiel:

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