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Corona: Wie es Tschechiens Kurbädern geht

In Libverda und Kundratice hoffen Hotelbetreiber auf die Grenzöffnungen – nicht nur, weil ihnen das Geld ausgeht. Auch die deutschen Gäste fehlen.

Fast leer ist es im bei Deutschen beliebten Kurbad in Libverda in Tschechien. Weil die Grenze wegen Corona geschlossen wurde, fehlt der Einrichtung jede Menge Kundschaft. Mit tschechischen Gästen lässt sich das nicht ausgleichen.
Fast leer ist es im bei Deutschen beliebten Kurbad in Libverda in Tschechien. Weil die Grenze wegen Corona geschlossen wurde, fehlt der Einrichtung jede Menge Kundschaft. Mit tschechischen Gästen lässt sich das nicht ausgleichen. © Sammlung Lázne Libverda

Grenzen dicht. Das heißt auch für die Kurbäder in Tschechien, dass ein großer Teil der Gäste fehlt. Betroffen sind auch die nordböhmische Kurorte Libverda und Kundratice (Bad Liebwerda und Bad Kunnerdorf). Sie wünschen sich, möglichst bald wieder die deutsche Sprache in ihren Häusern hören zu können. Nicht nur wegen des Geldes. Den Unternehmern und ihren Mitarbeitern fehle, so sagen sie, vor allem fehlt die Stimmung, die die deutschen Gäste mitbringen.

"Es ist für unsere Mitarbeiter irgendwie menschlich schwer. Sie vermissen die deutsche Kundschaft einfach", sagte Eva Plášilová, die Geschäftsdirektorin des Spa Resort Libverda mit eingeschlossener Kuranlage. Der Kurort im malerischen Talbecken des Isergebirges unter dem Bergmassiv Smrk (Tafelfichte) hat kürzlich wieder den Betrieb aufgenommen – nach einer wochenlangen Unterbrechung durch die Corona-Krise. Möglich waren bis zum Wochenende aber Heilprozeduren und -aufenthalte. "Wellness- und Erholungskuren sind nun seit dem 25. Mai erlaubt", ergänzt Baddirektor Jakub Zeman.

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Jährlich bemüht sich das Bad darum, rund 10.000 Gäste, salopp gesagt, besser in Form zu bringen. Etwa ein Zehntel davon seien Deutsche. "Ihre Zahl ist seit langer Zeit sehr stabil. Unser Personal ist auf diese Kundschaft eingestellt und sieht sie gern bei uns", weiß Eva Plášilová. Die Deutschen bleiben normalerweise für fünf bis 21 Tage. Für sie gebe es 18 verschiedene Angebote, gedacht zum Beispiel für Senioren, Romantiker oder Skiläufer. Ein Tag in tschechischen Bad mit Verpflegung und Anwendungen koste etwas weniger als 50 Euro. Neue Gäste aus Sachsen werden mit Hilfe eines Reisebüros aus Teplice (Teplitz) durch Werbekampagnen gesucht. Doch wann sie wieder kommen können, weiß keiner.

Wegen der Corona-Epidemie hatte Tschechien die Grenzen zu allen Nachbarländern geschlossen. Die Regierung will zunächst die Übergänge nach zu Österreich und der Slowakei wieder öffnen, Wohl am 8. oder 15. Juni, so hatte es Premier Andrej Babiš in einem Interview mit der Boulevardzeitung "Blesk"angekündigt. Für die Wiederöffnung der deutsch-tschechischen Grenze zeigte er sich nicht so optimistisch, weil in Deutschland die epidemiologische Situation schlechter sei. Roman Prymula, Epidemiologe und Staatssekretär im tschechischen Gesundheitsministerium, sagte kürzlich dem Tschechischen Fernsehen, dass Deutschland und Polen weiterhin also Risikoländer betrachtet werden. Keine gute Nachricht für Libverda. 

Das Kurbad mit 100 Beschäftigten, das sich auf Herz- und Gefäßkrankheiten, Erkrankungen des Bewegungsapparates und seelische Störungen spezialisiert hat, ist zurzeit nur aus 20 Prozent ausgelastet. Ob einheimische Gäste, die nicht ins Ausland fahren können oder Angst davor haben, helfen können, ist fraglich. Bis Ende Mai lockt sie den Kurort mit niedrigen Preisen. "Viele Mitarbeiter sind mit den Kindern zu Hause geblieben und aus dem gleichen Grund werden uns auch viele Aufenthalte abgesagt. Für andere Mitarbeiter fehlt wieder die Arbeit", beschreibt Eva Plášilová die Lage.

Alle Investitionen gestoppt

Alle geplanten Investitionen wurden gestoppt. Die einzige, aber wohl wichtigste Sache, die noch laufe, sei die Registrierung einer neueren Heilquelle. "Sie wurde letztes Jahr entdeckt und getestet. Nun bereiten wir uns darauf vor, sie aus zu nutzen", verrät Eva Plášilová und tut dabei geheimnisvoll. "Die Neuheit sollte erst 2021 vorgestellt werden", ergänzt sie.

Corona trifft die tschechische Tourismuswirtschaft so wie überall – hart. Die Zahl der Übernachtungen in Hotels, Herbergen und Campingplätzen sei im ersten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum dramatisch gesunken, berichtet Radio Prag. Mit rund 8,9 Millionen Übernachtungen meldeten die Beherbergungsbetriebe einen Einbruch um 16,7 Prozent. Die Daten stammen vom tschechischen Statistikamt. Die Zahl der Gäste aus dem Ausland sei im ersten Quartal 2020 um 26,1 Prozent zurückgegangen, bei den Gästen aus dem Inland habe man ein Minus von 18,1 Prozent verzeichnet. Die meisten Touristen kommen traditionell aus Deutschland. "Im ersten Quartal haben 335.000 Deutsche hier übernachtet, das waren 17, 4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum", gibt das Statistikamt an.

Das spürt auch der historische Kurort Libverda. Im Jahre 1381 wurde er zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Nach der Entdeckung der Heilquellen, Ende des 16. Jahrhunderts, begann die Entwicklung als Kurort. Den Liebwerdaer Sauerbrunnen ließ sich der sächsische Herrscher Kurfürst August I. regelmäßig schicken und auch Feldherr Albrecht von Wallenstein ließ ihn sich auf seine Kriegszüge nachsenden. 1936 erteilte der Landesausschuss Liebwerda das Statut als Kurheilbad. Bis zur Wende war der Ort ein staatlicher sozialistischer Komplex. Danach wurde privatisiert.

Auch in Kundratice spürt man die Corona-Beschränkungen. Hier gibt es das beinahe kleinste Kurbad in Böhmen und dies machte es zu einer Besonderheit. Zurzeit funktioniert der Betrieb aber nur mit halber Kraft. Auch deshalb, weil in jedem Zimmer immer nur ein Gast sein darf. Wellness und reine Erholungsreisen gebe es nicht. Nur von Ärzten empfohlene Heilaufenthalte seien möglich. "Die Deutschen kommen eigentlich gern und sorgen für Leben in den eher schwachen Monaten vor und nach der Hauptsaison aus", sagt Baddirektor Otto Doležal. Die Erholungskur ist in dieser Zeit günstiger und der Preis, der wie in Libverda bei 50 Euro pro Tag liegt, sei die Motivation, um zu kommen. Jährlich finden sich hier rund 3.000 Klienten ein, die an Rheuma, Funktionsstörungen, Rückgratschäden oder Arthrose leiden. Ein paar Hundert Stamm-Patienten seien Deutsche. Sie kommen vor allem aus der Umgebung von Zittau, Bautzen und Dresden.

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Kundratice liegt hinter dem Jeschkenkamm, ungefähr 20 Kilometer südlich von Liberec (Reichenberg) entfernt. Das Bad mit rund 100-jähriger Tradition bietet Schwefel-, Jod-, Perl- und Fichtennadelbäder an. Weitere Anwendungen sind Massagen, Wassergymnastik, Elektrobehandlung und Akupunktur. Das schwefelhaltige Moor wird direkt hinter einem der Kurhäuser gewonnen. Ursprünglich wurde hier Torf von Einheimischen zur Herstellung von Heizziegeln genutzt. Erst Josef Schwarz aus Osečná gründete dort im Jahre 1900 die erste Heilanstalt, und zwar ein Häuschen mit zwei Badewannen für Moorbäder.

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