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Zittau

Wo die Pizza in Corona-Zeiten nichts kostet

Islam Limani vom "La Casa Vecchia" aus Zittau hat über 100 Essen für Krankenhaus, Feuerwehr und Bedürftige zubereitet. Für ihn eine Geste, für andere ein Geschenk.

Islam Limani von der Gaststätte "La Casa Vecchia" in Zittau verschenkte Pizza an Rettungsdienste, Feuerwehr, Krankenhaus, Pfleger und Bedürftige.
Islam Limani von der Gaststätte "La Casa Vecchia" in Zittau verschenkte Pizza an Rettungsdienste, Feuerwehr, Krankenhaus, Pfleger und Bedürftige. © Matthias Weber/photoweber.de

Im Zehn-Minuten-Takt hat Islam Limani heute aus seiner Gaststätte "La Casa Vecchia" in der Johannisstraße in Zittau Pizza verschenkt. Eigentlich ist die Gaststätte, die viele als Klosterstübel kennen, geschlossen. Praktisch ist sie das auch. Aber trotzdem werden hier Pizzas gebacken, als wäre die Gaststätte voller Gäste. Inhaber Islam Limani möchte in der jetzt wegen Corona so schwierigen Zeit anderen Leuten helfen. Und das kommt super an. 

"Ich lebe mit meiner Gaststätte von den Zittauern. Das sind meine Kunden. Die Situation mit den Ausgangsbeschränkungen ist jetzt für alle nicht angenehm. Viele leiden darunter. Da habe ich mich gefragt, wie kann ich helfen", sagt er.  

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Islam Limani ist Mitglied im Ausländerbeirat der Stadt. Er bat die Vorsitzende Elke  Koppatsch um Hilfe. Und Ella, wie sie alle nennen, macht das natürlich auch. "Ich bin erst seit drei Jahren in Zittau. Ella hat viele soziale Kontakte und ist überall vernetzt",  erzählt er. Islam Limani kommt eigentlich aus Radusha in Nord-Mazedonien. 100 Pizzas will Islam Limani backen. Für Leute, die jetzt kürzer treten müssen und weniger Geld haben, aber auch für die, deren Arbeit jetzt noch wichtiger ist. 

Ein Aufruf mit großer Wirkung

Also postet Ella Koppatsch am Montag im Auftrag von "La Casa Vecchia" auf Facebook bei "Corona-Hilfe Zittau" diesen Aufruf: Hallo! Ich möchte für ein paar Familien, für die der Besuch einer Pizzeria eher die Ausnahme bleiben muss, eine kleine Freude in diesen besonderen Zeiten für das morgige Mittag bereiten. Schreibt mir eine persönliche Nachricht, dann gibt es vielleicht schon morgen gratis Pizza. La Casa Vecchia möchte das als kleine Geste gern besonders für Familien mit geringen Einkommen organisieren. Das Angebot ist begrenzt, was ihr ganz sicher versteht. 

Unabhängig davon ruft Islam Limani bei der Polizei, dem Krankenhaus, der Feuerwehr, der Tafel und verschiedenen Organisation und Einrichtungen an, die ihm gerade einfallen. Er will ihnen für ihre wichtige Arbeit mit Pizza eine Freude machen. 

"Ich habe bei der Rettungsstelle im Krankenhaus in Zittau angerufen und gefragt, wie viele Mitarbeiter gerade da sind. Acht haben sie gesagt", erzählt er. Also bringt er sicherheitshalber neun vorbei und nimmt auch noch eine Pizza für den Mitarbeiter an der Pforte mit.

Allein 30 Pizzas schon am Montag verschenkt

Sein Bruder und Angestellte helfen ihm bei der Aktion. Sie backen für die Feuerwehr, die Malteser und andere, die gerade ihren Dienst versehen. "Die Polizei wollte nicht, wahrscheinlich haben sie mir nicht geglaubt oder sie dürfen so etwas nicht annehmen. Und bei der Tafel habe ich trotz mehrerer Versuche niemanden erreicht", schildert er. 30 Pizzas lieferten sie schon am Montag aus.

"Ich bin Moslem. In meiner Religion heißt es, wenn du was schenkst, darf die rechte Hand nicht die linke sehen", sagt er. Das bedeutet, man soll sich beim Helfen nicht in den Vordergrund stellen. "Es geht nicht um dich, sondern, um denjenigen, dem du helfen willst", fügt der Inhaber vom "La Casa Vecchia" hinzu.  Um aber zu wissen, wer bedürftig ist, musste er an die Öffentlichkeit gehen. 

Bis 22.30 Uhr saß Ella Koppatsch am Montag am Rechner und notierte sich die Anfragen der Leute. Sie hat zurzeit frei und arbeitet sonst im Mehrgenerationenhaus in der Hillerischen Villa. 75 Pizzen für deutsche und ausländische Familien hat sie geordert. 

"Die Leute konnten es oft gar nicht glauben"

"Es war manchmal berührend und erschütternd zugleich, wenn ich mich mit den Leuten geschrieben oder mit einigen auch gesprochen habe", erzählt sie. "Manche haben dreimal nachgefragt, ob das wirklich umsonst ist", sagt Ella Koppatsch. Die Leute konnten es gar nicht glauben, dass das heutzutage jemand macht.

Um 14 Uhr hat dann heute Islam Limani seine letzte Pizza verschenkt. Es sind weit über 100 geworden. "Ich habe Deutschland viel zu verdanken, nicht nur Zittau, sondern auch in Trier, wo ich vorher etwa zehn Jahre gelebt habe", sagt er. Islam Limani ist froh und erleichtert, dass er in Deutschland so gut aufgenommen wurde.

"Ich habe gern geholfen. Die Menschen sind alle gleich, egal welche Religion oder Hautfarbe sie haben", sagt er. Und: "Manchmal ist ein guter Freund und Nachbar mehr wert, als der Bruder, weil der schnell helfen kann, während der andere vielleicht weit weg wohnt. 

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