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Corona: Läden in Centern fühlen sich benachteiligt

Das creative Hobby in der Dresdner Altmarktgalerie und im Elbepark darf nicht öffnen, obwohl die Verkaufsflächen kleiner als 800 Quadratmeter sind.

Manuela Schwenke in ihrem Laden "Das creative Hobby" in der Altmarktgalerie. Der Laden hat wegen der Corona-Krise geschlossen.
Manuela Schwenke in ihrem Laden "Das creative Hobby" in der Altmarktgalerie. Der Laden hat wegen der Corona-Krise geschlossen. © Sven Ellger

Dresden. Das Licht in der Altmarktgalerie ist abgedunkelt, die Gänge sind leer, die meisten Läden geschlossen. Nur die Rolltreppen, die ins Untergeschoss führen, quietschen leise vor sich hin. Regelrecht gespenstisch wirkt das Shoppingcenter, in dem sonst an einem Freitag viel los ist. An diesem späten Vormittag kommen nur einige Rentner zum Lebensmitteleinkauf, manche ziehen ihren Einkaufstrolley hinter sich her.

Doch im Obergeschoss sind die Gänge beleuchtet im Geschäft "Das creative Hobby".  Manuela Schwenke und ihre Tochter Tizia nehmen dort Pakete entgegen und packen Bestellungen zusammen, die über die Internetseite eingegangen sind. "Wir halten hier für einige Stunden am Tag die Stellung, denn das ist unsere Zentrale für die Lieferungen", sagt Manuela Schwenke. Viel lieber würde sie am Montag wieder öffnen. Doch daraus wird nichts. 

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Denn obwohl "Das creative Hobby" in der Altmarktgalerie nur 750 Quadratmeter Fläche hat, darf  es nicht öffnen. Läden in großen Shoppingmalls sind von der Regelung ausgenommen. Gleiches trifft auf die Filiale im Elbepark zu. "Das ist für uns eine Katastrophe, denn die beiden großen Geschäfte gehören zu unseren umsatzstärksten", sagt Schwenke. Dafür kann ab Montag  im kleinen Laden in der Neustadt wieder eingekauft werden.    

Nachvollziehbar ist das vor allem aus hygienischen Gründen für die Unternehmerin nicht. "Dort sind die Gänge viel schmaler und die Kunden könnten sich näher kommen als in den geräumigen Läden in den Centern", sagt Schwenke. Natürlich hat sie Vorsichtsmaßnahmen getroffen, Klebeband zum Markieren der Abstandsflächen gekauft, Spuckschutz und Desinfektionsmittel. Masken nähen sich die Mitarbeiter selbst. "Wir sind vorbereitet. Das wären wir auch in den großen Läden", sagt die 55-Jährige.  

Neun Filialen in verschiedenen Städten

Mit jedem Tag, an dem ihre Geschäfte geschlossen bleiben müssen, verliert sie Geld. Insgesamt neun Läden betreibt sie gemeinsam mit ihrer Tochter, beschäftigt 38 Angestellte. Neben den drei Dresdnern gibt es Filialen in Berlin, Magdeburg, Erfurt, Pirna und  Bautzen. "Als Unternehmer darf man nicht auf der Stelle treten und muss sich immer neu orientieren", sagt Schwenke. Für dieses Engagement ist das Unternehmen  bereits mit dem sächsischen Mittelstandspreis ausgezeichnet worden. 

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170.000 Euro Fixkosten hat Manuela Schwenke  jeden Monat, die für Mieten, Versicherungen und Löhne zu zahlen sind. "Für meine Mitarbeiter habe ich Kurzarbeit angemeldet. Aber ich muss für die Löhne in Vorleistung gehen, denn das Geld vom Arbeitsamt kommt erst später", sagt sie. Enttäuscht ist sie von vielen ihrer Vermieter, die kein Entgegenkommen gezeigt haben. Denn allein die Meiten kosten sie über 90.000 Euro. "Nur der Elbepark erlässt mir die Hälfte der Kaltmiete. Das hilft mir wirklich weiter."

Centermanager Gordon Knabe bestätigt das Angebot für Mieter, die auf gute Partnerschaft setzen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Dagegen gebe es große nationale und internationale Mieter, die nicht verstanden hätten, dass jetzt alle in einem Boot sitzen, so Knabe.

Von der Altmarktgalerie hat Manuela Schwenke lediglich eine Willensbekundung zur Unterstützung erhalten, sagt sie. "Aber ohne jeglichen Inhalt." 

Centermanager Jens Preißler schreibt auf SZ-Anfrage, dass das Land Sachsen keine neue Allgemeinverfügung beschlossen und veröffentlicht hat. "Das ist natürlich absolut misslich. Wir, die Mieter und alle Betroffenen sind verunsichert, was man nun am Montag darf und was nicht. Andere Bundesländer sind da schneller", so Preißler.   

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Auch den Schwenkes fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Denn jedes Bundesland hat andere Vorschriften. So dürfen in Thüringen die Läden erst eine Woche später als in Sachsen öffnen. "Und es ist ziemlich ungerecht, weshalb Baumärkte öffnen dürfen, wir aber nicht", sagt sie.

Zweimal hat sie bereits an Minsterpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) geschrieben. Vom ersten sei gar keine Antwort gekommen. Das Wirtschaftsministerium habe ihr nur Hilfsangebote geschickt, die auf ihre Firma nicht zutreffen. "Das fühlt man sich in einer existenzgefährdenden Situation nicht ernst genommen." 

Hilfe von Politik erwartet

Sie hätte sich von den sächsischen Politikern gewünscht, dass gesetzlich vorgeschrieben wird, dass sich Mieter und Vermieter die Miete teilen, um die Krise gemeinsam durchzustehen. "Das ist eine außergewöhnliche Situation, die solche Maßnahmen erfordert. Von selbst tun es die meisten Vermieter nicht", sagt sie.   

Doch eine solche Initiative wird es nicht geben, schreibt Christian Adler von der Pressestelle des Wirtschaftsministeriums. "Grundsätzlich ist dies eine Vertragsangelegenheit zwischen Vermieter und Mieter." Er verweist auf eine Kreditmöglichkeit, die es ab heute für Unternehmen geben soll, die bis zu 100 Mitarbeiter beschäftigen. Erst am Mittwoch wurde diese vom Kabinett beschlossen. 

"Das sind 100.000 Euro, die ich zinslos bekommen kann", sagt Schwenke. Doch bis 13 Uhr sei die Seite bei der Sächsischen Aufbaubank nicht aufrufbar gewesen, sagt die Unternehmerin. Und sie weiß, dass sie das Geld zurückzahlen muss, obwohl der bisher entgangene Umsatz nicht wieder aufholbar ist. "Deshalb zählt für uns jeder Tag, an dem wir wieder verkaufen können."  

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