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Görlitz

Corona-Patienten im Landkreis geht's gut

Der Görlitzer Landrat spricht sich klar gegen eine Ausgangssperre aus, appelliert aber an die Vernunft der Bevölkerung.

Hat eigentlich gerade Urlaub und wäre jetzt in der Schweiz zum Skifahren: Der Görlitzer Landrat Bernd Lange.
Hat eigentlich gerade Urlaub und wäre jetzt in der Schweiz zum Skifahren: Der Görlitzer Landrat Bernd Lange. © Nikolai Schmidt

Erstmals seit Corona den Landkreis Görlitz vor eineinhalb Wochen erreichte, haben sich Landrat Bernd Lange und sein Team den Fragen der Presse gestellt und über die Corona-Arbeit im Landkreis berichtet. Lange stellte zuallererst seine Mitarbeiter in den Fokus, denen er für ihre ruhige, aber konsequente Art dankte. Es hänge von jedem ab, wie sich Corona verbreite. „Es ist eine Krankheit mit hoher Dynamik, die nicht schwer oder tödlich verlaufen muss. Aber wenn sie mit einem Mal auf unsere Krankenhäuser einstürzen würde, wären wir nicht darauf eingestellt.“ Damit das nicht passiert, arbeite der Landkreis unter Hochdruck. „Wir werden diese Krise bewältigen“, so Bernd Lange.

Wann das Gesundheitsamt und wann der Hausarzt testet

Im Landratsamt ist da in erster Linie natürlich das Gesundheitsamt gefragt. Es stand in den vergangenen Tagen auch in der Kritik – insbesondere wegen zu wenig Kommunikation nach außen und wegen des Testverfahrens. Auf die Skilager-Schüler des Görlitzer Joliot-Curie-Gymnasiums anspielend, sagte der Landrat, man werde nicht jeden der vielen Reisebusse, die aus Skigebieten zurückkommen, durchtesten. „Man kann nicht verlangen, dass wir alle bereitstehen, wenn sie zurückkommen“, so der Landrat. Der Weg sei ein anderer und klar geregelt: Wer aus einem Krisengebiet zurückkehrt und sich nicht sicher ist, ob er sich angesteckt hat, solle sich freiwillig in Quarantäne begeben und abwarten, ob sich Symptome entwickeln. Wenn ja, muss der Hausarzt angerufen werden. 

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Amtsärztin Annegret Schynol informiert im Landratsamt über die Corona-Lage im Landkreis Görlitz.
Amtsärztin Annegret Schynol informiert im Landratsamt über die Corona-Lage im Landkreis Görlitz. © Nikolai Schmidt

Hunderte Corona-Tests in den Laboren

Dieser nimmt einen Abstrich und schickt ihn nach Görlitz ins Labor. Erst wenn von dort die Nachricht kommt, dass der Patient positiv ist, wird das Gesundheitsamt mit einem seiner zwei Teams, die es dafür gibt, tätig, identifiziert Kontaktpersonen, sucht sie auf und führt zu Hause Tests durch. „Wir rufen die Betroffenen dann täglich an und fragen, wie es ihnen geht“, so Amtsärztin Annegret Schynol. Sind sie nach zwei Wochen Quarantäne symptomfrei, dürfen sie wieder raus. Eine Nachtestung sei laut Robert-Koch-Institut nicht mehr nötig.

In den vergangenen zwei Wochen habe das Gesundheitsamt an die 100 Tests durchgeführt – diese gehen an die Landesuntersuchungsanstalt nach Dresden. Labore wie das auf der Cottbuser Straße in Görlitz, die die Abstriche der Ärzte untersuchen, hatten schon Hunderte. Aber nur wenn das Ergebnis positiv ist, wird derjenige angerufen. Wer Symptome hat, soll aber nicht zum Arzt, ins Krankenhaus oder ins Gesundheitsamt, sondern unbedingt von zu Hause aus seinen Hausarzt anrufen.

Alle Infizierten sind zu Hause in Quarantäne

Die Orte, in denen die Infizierten wohnen, macht der Landkreis transparent. Die meisten kommen demnach aus dem Stadtgebiet Görlitz, einige aus dem Görlitzer Umland, drei aus dem Südkreis – zwei aus Oppach, einer aus Zittau – ein weiterer aus Weißwasser. Fall Nummer 15, der aktuellste, ist ein Besucher aus Sachsen-Anhalt, der aber hier im Landkreis zum Arzt ging, positiv getestet wurde und daher mit in die Statistik kommt. Die Patienten seien alle unterschiedlichen Alters, etliche sind in den 1990er Jahren geboren, mehrere sind Skiurlaub-Rückkehrer. „Die Betroffenen haben weitestgehend keine Symptome“, so Schynol.

Der Landkreis hat noch Corona-Tests da

Noch habe das Gesundheitsamt Corona-Tests da, aber man müsse damit sparsam umgehen, so Sozialdezernentin Martina Weber. „In anderen Landkreisen kommen die Leute und möchten mal so einen Corona-Abstrich, dann wird es dort natürlich irgendwann knapp. Deshalb halten wir uns strikt an die Vorgaben des Robert-Koch-Institutes: Getestet wird, wer aus einen Risikogebiet kommt und Symptome hat oder Kontaktperson eines mit Corona infizierten Menschen ist. Die Kosten fürs Testen tragen die Krankenkassen. Auch Menschen, die ihren Test selbst bezahlen wollen, bekommen ihn nicht ohne die Voraussetzungen. „Wir wollen so verhindern, dass es unser Gesundheitssystem nicht mehr schafft – so wie beispielsweise in Nordrhein-Westfalen.“

Fahrplan für die Krankenhäuser

Deshalb gibt es auch einen „Fahrplan“ mit den Krankenhäusern. Auch wenn die Lage im Kreis alles andere als dramatisch ist: Vorbereitet sei man, bekräftigen Landrat und Sozialdezernentin. Es sei genau festgelegt, in welcher Reihenfolge Corona-Patienten in die Krankenhäuser eingeliefert werden, wenn es denn nötig werden sollte. Damit soll ein Durcheinander verhindert werden, immerhin sei beim Transport von Infizierten Schutzkleidung nötig, die Krankenwagen müssten hinterher desinfiziert werden. Die Reihenfolge soll allerdings nicht öffentlich kommuniziert werden, fest steht, je nachdem, wie die Entwicklung ist, die Krankenhäuser nach und nach dazugenommen werden würden.

Vorbereitungen dazu laufen überall. So verschieben alle die geplanten Operationen, um Kapazitäten frei zu setzen. So ist das Städtische Klinikum dabei, eine komplette Infektionsstation einzurichten. Im Malteser-Krankenhaus St. Carolus wurde eine separate Isolierstation geschaffen, wo im Krisenfall noch zusätzlich vier Beatmungsplätze bereitgestellt werden können. Die Intensivstation sei nicht Teil der Isolationsstation.

Bürgertelefon beantwortet Flut an Anfragen

Neben den medizinischen Vorbereitungen ist aktuell das Bürgertelefon wichtiger Baustein in der Corona-Initiative des Landratsamtes. Landrat Lange räumt ein, dass es ein holpriger Start gewesen sei, es inzwischen aber besser laufe. Jetzt ist die Hotline an sieben Tagen die Woche von 8 bis 18 Uhr erreichbar. Es gibt zehn Plätze, die Leute arbeiten in Schichten. „Das Spektrum der Fragen ist breit“, so der Landrat. Neben den medizinischen Fragen tauchen viele auf, die mit Existenzängsten zu tun haben, Kurzarbeitergeld und Dingen, die Menschen rund um das Thema Corona und Stilllegung des öffentlichen Lebens berühren. Mit den Regelungen zur Schließung vieler Einrichtungen und Geschäfte sei nun eine neue Stufe im Kampf gegen Corona erreicht, die es gelte, einzuhalten. Hier seien die Kommunen gefragt, die neuen Regelungen auch durchzusetzen.

Eine Ausgangssperre für die Menschen hier würde das Landratsamt hingegen nicht befürworten. Außerdem sei für Italien nicht nachgewiesen worden, dass die Ausgangssperre die Ausbreitung von Corona verlangsamt hätte. Martina Weber dazu; „Es gibt doch ganz klare Hygieneregeln. Ich sehe keine medizinische Indikation für eine Ausgangssperre.“ Draußen an der frischen Luft und mit größerem Abstand sei die Ansteckungsgefahr geringer. Allerdings verurteile man ganz klar jede Form der jetzt in Mode kommenden sogenannten Corona-Partys. Hier müssten die Ordnungsämter strikt kontrollieren und einschreiten.

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Bürgertelefon des Kreis-Gesundheitsamtes: Montag bis Sonntag, 8–18 Uhr, 

 03581 6635656

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