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Von einer Krise in die nächste

Die Corona-Folgen drücken den Preis für viele Agrarprodukte, sagt Landwirt Gerhard Förster. Dazu kommt noch ein weiteres Problem.

Gerhard Förster prüft den Raps auf einem Feld bei Kreinitz. Die Coronakrise drückt die Preise zusätzlich - ein Problem für die Landwirte.
Gerhard Förster prüft den Raps auf einem Feld bei Kreinitz. Die Coronakrise drückt die Preise zusätzlich - ein Problem für die Landwirte. © KDB

Kreinitz. Während die Gesellschaft stillsteht, herrschte auf den Feldern rund um Riesa in den vergangenen Wochen der ganz normale Betrieb. Auch die Landwirtschaft gilt als systemrelevant. Doch spurlos geht Covid-19 auch an den Bauern nicht vorbei, erklärt der Vorsitzende der Agrargenossenschaft Unteres Sächsisches Elbtal in Kreinitz, Gerhard Förster. 

Herr Förster, während in vielen Betrieben Homeoffice und Kurzarbeit gilt, dürften die Landwirte in der Region ganz normal zu tun haben, oder? Wie geht es ihnen? 

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Die Frühjahrsarbeiten auf den Feldern sind im Wesentlichen abgeschlossen. All die Begleiterscheinungen um die Corona-Krise machen auch um die Landwirtschaftsbetriebe keinen Bogen. Preisdruck und Trockenheit verschärfen die Situation in der Landwirtschaft zunehmend. 

Mit Preisdruck meinen Sie wahrscheinlich die Kraftstoffpreise. Die sind in den vergangenen Wochen deutlich gefallen

Aber nicht nur die! Der Milchpreis ist in Bayern bereits auf 22 Cent pro Liter abgerutscht, mehr als zehn Cent niedriger als noch Anfang des Jahres. Es ist eine Katastrophe. Wir geraten von einer Krise in die nächste. 

Warum ist das so?

Die deutsche und die sächsische Landwirtschaft versorgen gemeinsam mit der Lebensmittelindustrie nicht nur die einheimischen Verbraucher, sondern produzieren auch für den Exportmarkt. Diese Wege sind jetzt allerdings verschlossen. Die gesamte Ware drängt auf den Binnenmarkt. Der Lebensmitteleinzelhandel spielt dabei keine gute Rolle. Er sieht über weiteren Preisdruck an die Erzeuger nur seine eigenen Interessen und die seiner Kundschaft. Das ist sehr kurzfristig gedacht und führt die Betriebe in Existenznot.

Dafür steigt doch aber die Nachfrage in anderen Bereichen, aufgrund der Hamsterkäufe. Weizen müsste wegen der Mehl-Einkäufe jetzt doch stärker nachgefragt sein und höhere Preise erzielen? 

Ich denke, das wird eine vorübergehende Erscheinung bleiben. Wir haben es da nur mit einer Verschiebung zu tun, alles in allem wird nicht mehr Mehl verkauft werden. Gleichzeitig treffen uns auch die Grenzschließungen. 

Wie das? 

Der Export läuft nicht, und damit läuft auch die verarbeitende Industrie nicht. Deshalb geraten die Preise zunehmend unter Druck. Von der aktuellen Witterung mal ganz abgesehen. 

Sie meinen die Trockenheit. 

Gerade Nordsachsen erlebt jetzt das dritte trockene Jahr in Folge. Die Frühjahrssaat geht nicht auf, sie keimt nicht, weil es zu trocken ist. Auch die Wintersaaten können ohne Wasser nicht weiter wachsen und vertrocknen.

Wo ist es denn besonders schwierig?

Vor allem auf den Sandstandorten östlich der Elbe, dort ist es am akutesten. Die Trockenheit greift mit jedem Tag ohne Wasser inzwischen auch auf die Standorte mit besseren Böden zunehmend über.

Dabei hat es ja im Februar und März doch immer wieder geregnet. 

Die Böden sind aber nach wie vor leer. Wir haben aus den vergangenen beiden Jahren noch ein Defizit einer Dreiviertel Jahresmenge, das lässt sich nicht so schnell wieder auffüllen. 

Welche Folgen erwarten Sie aus diesen beiden Krisen? 

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