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Zittau

Wie es jetzt in den Gaststätten weitergeht

Ab Donnerstag ist Essengehen nach 18 Uhr tabu - das Mittagsgeschäft aber erlaubt. Die Gastwirte in Löbau-Zittau richten sich darauf ein. Aber eine bange Frage bleibt.

Sylvia Haußig serviert frisch gezapftes Bier in der Jonsdorfer Gondelfahrt. Zum Mittagessen können die Gäste auch weiterhin kommen.
Sylvia Haußig serviert frisch gezapftes Bier in der Jonsdorfer Gondelfahrt. Zum Mittagessen können die Gäste auch weiterhin kommen. © Matthias Weber/photoweber.de

Als der Ministerpräsident am Dienstagmittag Sachsens Maßnahmeplan gegen die Ausbreitung des Coronavirus verkündet, sind in der Oderwitzer Spitzbergbaude alle Tische besetzt. Nicht anders als sonst bei so schönem Wetter. Gefühlt die Hälfte der Gäste ist im Rentenalter, gehört also zur Risikogruppe mit der höchsten Gefahr, an dem Virus zu sterben.

"Wir wollten noch mal schön Essen gehen, bevor die hier womöglich alles dicht machen", erklärt schmunzelnd ein älterer Herr, der mit Frau und Freunden gekommen ist, und bestellt sich Rindfleisch mit Meerrettichsoße. Angst, sich anzustecken hat er keine, sagt der Rentner, sonst wäre er ja nicht hier.

Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint

Für Hautbedürfnisse gilt dasselbe wie für Beziehungen oder Arbeitssituationen: Die richtige Balance sorgt für langfristiges Wohlbefinden. Charlotte Meentzen hat schon damals verstanden, dass schöne Haut am erfolgreichsten zusammen mit dem Geist gepflegt wird.

Michaela Kuntzsch, die ihm das Rindfleisch serviert, nimmt die Sache nicht ganz so leicht. "Es ist eine merkwürdige Situation", sagt sie, und dass da schon auch die Angst sei, sich anzustecken. "Ich wasche mir ständig die Hände." Die Knöchel sind schon feuerrot vom vielen Desinfizieren. Aber soll sie denn mit Gummihandschuhen servieren, fragt sie, oder einen Mundschutz tragen?

Baudenwirt Andreas Becker findet diese Frage durchaus berechtigt. Aber niemand sagt ihm, wie er sein Personal vor einer möglichen Ansteckung schützen könnte. Und es sagt ihm auch niemand, wie er und die anderen Restaurant- und Gaststättenbetreiber sich jetzt konkret verhalten sollen. "Nicht mal beim Gesundheitsamt konnten die mir irgendwas sagen", ärgert er sich.

Alle Feiern werden abgesagt

Fakt ist, ab Donnerstag schließt die Spitzbergbaude um 18 Uhr. Zumindest das hat die Landesregierung in einer Allgemeinverfügung festgelegt. Das Mittagsgeschäft aber soll erst einmal weiterlaufen. Wie sich das erklären lässt - mittags geöffnet, abends geschlossen? Andreas Becker zuckt die Schultern.

Seine Frau Katrin glaubt, dass das vielleicht mit dem Alkoholgenuss zusammenhängen könnte: "Abends feiern und trinken die Gäste ja mehr als mittags, da sinkt die Hemmschwelle, und die Leute passen vielleicht nicht mehr so auf." Die nächsten Feiern auf dem Spitzberg sind alle schon abgesagt. Seit der Pressekonferenz des Ministerpräsidenten am Dienstagmittag klingelt Beckers Telefon am laufenden Band.

Auch in der Jonsdorfer Gondelfahrt wird in nächster Zeit nicht mehr gefeiert. "Das sagen wir alles ab", sagt Robert Schwerdtner. "Das Problem haben ja nun alle." Noch hat der Gastwirt ganz gut zu tun. Unter seinen Gästen sind am Mittwochmittag auch zwei ältere Ehepaare aus Wittenberg, die gerade Kurzurlaub im Zittauer Gebirge machen. Angst vor dem Virus haben sie keine. 

Robert Schwerdtner fragt sich, wie viele sich überhaupt an die Empfehlungen und Verhaltensregeln halten. Aber er hat auch schon festgestellt, dass seit dem Wochenende weniger Gäste kommen als das hier normalerweise der Fall ist. "Aber wie das Ostern werden soll, darüber will ich lieber noch gar nicht nachdenken", sagt er. Normalerweise rechnet er an den Feiertagen immer mit anderthalbtausend Gästen.

Wie er hatten auch die Beckers auf dem Spitzberg fest mit Ostern kalkuliert. Es sind die Tage mit dem höchsten Umsatz im Jahr. Nach Ostern sind die nächsten Raten fällig: 7.000 Euro für den neuen Kaffeeautomaten und der fortlaufende Kredit für den Kauf der Baude. Auch laufende Kosten bleiben. 

Einbußen von 80 Prozent - Kosten bleiben

Katrin und Andreas Becker rechnen mit Umsatzeinbußen von 80 Prozent. Wie sie das stemmen sollen, wissen sie nicht. Sie haben vorsichtshalber formlos Kurzarbeit beantragt. Auf dem Arbeitsamt sind sie telefonisch gar nicht durchgekommen. Sie haben fünf fest angestellte Mitarbeiter, die sie auch gerne behalten wollen.

Im Zittauer Gebirge haben Café Balzer und Engel gleich ganz geschlossen. "Aus Gründen der Fürsorgepflicht für unsere Mitarbeiter und auch für Sie", so steht es auf dem Zettel an der Eingangstür vom Kurcafé Balzer in Jonsdorf.

Martin Weise hat sein Brauhaus im Eibauer Faktorenhof auch aus wirtschaftlichen Gründen bis auf weiteres geschlossen. "Alles andere macht für uns keinen Sinn", sagt der Gastwirt aus dem Oberland. Denn das Brauhaus lebt vor allem auch von Feiern und Busreisegruppen. Doch die sind alle abgesagt. Wenn er ganz schließt, hofft er wenigstens Kurzarbeitergeld beantragen zu können und so die finanziellen Verluste etwas abzufedern. „Die Angestellten muss ich ja trotzdem bezahlen", sagt er. "Und auch Betriebskosten fallen an.“

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Seine zweite Gaststätte im Oberland, das Restaurant „Im Stadl“ in Neugersdorf, will Weise aber weiter betreiben - mit eingeschränkten Öffnungszeiten von 11 bis 18 Uhr. "Es wird sehr schwierig werden", ahnt er. Auch für seine Mutter Karla, die in Ebersbach den Partyservice "Feine Sache" betreibt. Sie darf zwar weiter arbeiten. Doch die Veranstaltungen, Feste und Feiern, für die sie gebucht war, fallen nun alle aus. Und Karla Weise stellt sich wie alle anderen im Gastgewerbe die einzige bange Frage: Wie kann ihr Betrieb das überleben?

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