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Corona: Purzeln die Preise oder nicht?

Die von der Politik eingeführte Mehrwertsteuersenkung ist umstritten. Manchen Händler in Löbau-Zittau regt die Regelung richtig auf.

Symbolbild
Symbolbild © Robert Michael/dpa

Elfriede Müller* bezeichnet sich selbst als "Sparfuchs". Die Rentnerin achtet auf jeden Cent, wie sie sagt. "Wer den Groschen nicht ehrt, ist die Mark nicht wert", zitiert die Seniorin ein altbekanntes Sprichwort, das in ihren Augen auch in Euro-Zeiten Gültigkeit besitzt. Deshalb habe sie sich über die von der Politik beschlossene und auf sechs Monate begrenzte Mehrwertsteuersenkung gefreut. Von der sollen Konsumenten wie Händler gleichermaßen profitieren. "Drei Prozent Ersparnis. Immerhin", sagt Frau Müller. Doch beim Blick auf den Kassenzettel vom Supermarkteinkauf wird schnell klar: Die Lebensmittel, die sie eingekauft hat, bringen statt drei nur zwei Prozentpunkte weniger. 

Grund dafür: Für Lebensmittel der Grundversorgung gilt der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent, der auf fünf Prozent gesunken ist. Frau Müller spart 0,30 Cent – bei einem Warenwert von rund 15 Euro. Für alle anderen Waren und auch Dienstleistungen beispielsweise sinkt die 19-Prozent-Steuer auf 16 Prozent. Während große Ketten wie Reno in Löbau die eingesparten drei Prozent mit dem Slogan "Unser Konjunktur-Sofortprogramm" bewerben, bei Rossmann an den Regalen auf roten Zetteln darauf hingewiesen wird, dass die Einsparung an der Kasse abgezogen wird, geben andere Händler und Institutionen die Steuersenkung nicht weiter.

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Zur Weitergabe nicht verpflichtet

Die Bundesregierung zeigte sich eigentlich zuversichtlich, dass die Ersparnis beim Verbraucher ankommt. Zwingend vorgeschrieben ist das aber nicht. In einer von der Bundesregierung veröffentlichten Information heißt es dazu: "Die Händler und Dienstleister sollen die niedrigere Mehrwertsteuer grundsätzlich an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergeben, sodass Waren und Dienstleistungen billiger werden. Die Unternehmen sind hierzu jedoch regelmäßig nicht verpflichtet."

Diese Freiwilligkeit nutzt die Löbauer Schminke-Villa. In einem Rundbrief wird mitgeteilt: "Wir haben lange darüber gesprochen und uns am Ende dazu entschieden, die gewohnten Brutto-Preise für unsere Gäste beizubehalten." Begründet wird das damit, dass beim Eintritt von 7 Euro mit Audioguide die Senkung 13 Cent ausmache. „Das passende Kleingeld vorzuhalten, um am Tresen auf 6,87 Euro rauszugeben, macht allerdings keine Freude - weder der Kasse noch dem Kunden", heißt es da.

Ein Blick in Löbaus Einkaufsmeile - die Bahnhofstraße.
Ein Blick in Löbaus Einkaufsmeile - die Bahnhofstraße. © Archivfoto: Matthias Weber

Auch bei der Bäckerei Heidorn in Löbau wird das so gesehen. Verkäuferin Solvyk Clauß erklärt, bei den kleinen Beträgen für Brötchen und Co. mache das keinen Sinn. Ingo Seiler, Betreiber von der Wendler Drogerie Photo-Porst auf der Bahnhofstraße, will am liebsten erst gar nichts zu dem Thema sagen. Zu sehr regt ihn die von der Politik gut gemeinte - jedoch in seinen Augen wenig durchdachte - Steuersenkung auf. Allein die Umstellung der Kassen kostet ihn zusätzliches Geld. "Alles, was Technik ist wie die Kameras, habe ich neu ausgepreist", zeigt er zur Vitrine. Ein enormer zusätzlicher Aufwand mit kleiner Ersparnis für den Kunden. So kostetet beispielsweise eins der Modelle vor der Umstellung 699 Euro. Jetzt sind das 681,40 Euro. Die alten Preise hat Ingo Seiler zum Vergleich mit dran gelassen. "Bei unseren kleinen Produkten im Laden lohnt sich eine Neuauspreisung nicht", sagt der Geschäftsmann.

Geste an die Kunden

Silke Bulin von "die bulins" Augenoptik in Löbau sieht es als "Geste an die Kunden", die Steuersenkung an den Verbraucher weiterzugeben. Die Brillen werden also ein wenig preiswerter. Das sieht Birgit Euler, Inhaberin vom Zittauer „Bella-Moda-Italia“ anders. "Die Mehrwertsteuer habe ich ja bereits bezahlt", begründet sie. Die Senkung wird sie deshalb nicht an die Kunden weiterreichen. Preise purzeln in ihrem Modegeschäft trotzdem. "Denn bald beginnt der Sommerschlussverkauf", sagt sie.

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* Name geändert

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