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"Effekt für Unternehmen bei Null"

Was bringt die Mehrwertsteuersenkung? Die SZ sprach mit Robert Lehleiter, Vorstand der Steuerberatungsgesellschaft Lehleiter + Partner in Görlitz.

Robert Lehleiter ist Vorstand der Lehleiter +Partner Steuerberatungsgesellschaft.
Robert Lehleiter ist Vorstand der Lehleiter +Partner Steuerberatungsgesellschaft. © Lehleiter

Herr Lehleiter,  wie schätzen Sie aus Sicht des Steuerexperten die Senkung ein – sinnvoll oder ungerechtfertigter Mehraufwand?

Ob sinnvoll oder nicht, wird sich sicherlich erst Ende des Jahres zeigen. Auf jeden Fall bringt die Umstellung einen vom Gesetzgeber völlig unterschätzten Mehraufwand für die Unternehmen. Ein Beispiel: Ein Mandant von uns hat seine Jahresrechnungen für die Homepage-Betreuung im Januar an seine Kunden geschrieben, natürlich mit 19 Prozent Umsatzsteuer. Jetzt darf er alle Rechnungen stornieren und neu ausstellen mit 16 Prozent, denn das Leistungsende ist am 31.Dezember, also in der 16-Prozent-Zeit. Er muss die Stornorechnung und die neue Rechnung seinen Kunden zusenden. Ein völlig unverhältnismäßiger Aufwand, zumal 98 Prozent seiner Kunden Unternehmer sind, die nun wiederum die alten Rechnungen ausbuchen und die neuen Rechnungen einbuchen müssen. Der Netto-Effekt dieses Bürokratiemonsters ist auf Ebene von vorsteuerabzugsberechtigten Unternehmen bei exakt Null Euro. Leider hat es das Finanzministerium versäumt, im Business-to-Business-Geschäft entsprechende Vereinfachungen zu erlauben, damit die Unternehmen von solch unsinniger Mehrarbeit entlastet werden. Das hätte sicherlich die Akzeptanz dieser extrem kurzfristigen Maßnahme bei Unternehmen erhöht, zumal die Mehrwertsteuersenkung nur auf sechs Monate begrenzt ist und dann wieder ein entsprechender Umstellungsaufwand ansteht.

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In diesem Zusammenhang: Welche Rückmeldungen haben Sie von Ihren Kunden, vor allem aus dem Waren- und Dienstleistungsbereich: Empfinden Sie die Senkung eher als Belastung oder als Chance zur Umsatzsteigerung?

Zumeist als Belastung. Im Gastronomiebereich, in dem die Tarifsenkung für Speisen von bisher 19 auf nunmehr fünf Prozent schon sehr signifikant ist, hört man eher positive Stimmen.

Müssen Unternehmen die gesenkte Mehrwertsteuer an die Kunden weitergeben, sind sie dazu verpflichtet?

In der Regel nein. Nur bei langfristigen Verträgen, die vor dem 1. März 2020 abgeschlossen wurden, kann sich ein Anspruch des Kunden ergeben, sofern Ausgleichsansprüche im Falle einer Anhebung oder Absenkung des Umsatzsteuersatzes vertraglich nicht ausgeschlossen worden sind.

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Viele Kunden kaufen online. Welcher Zeitpunkt ist da für den Mehrwertsteuersatz ausschlaggebend: der Kauf vor der Senkung oder die Lieferung nach der Senkung?

Entscheidend ist immer das Lieferdatum, nicht das Kaufvertrags- oder Bestelldatum.

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