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Wie es in den Schulen weitergeht

Die Abschlussklassen im Kreis Meißen kehren in die Unterrichtsräume zurück. Trotzdem ist nach den Ferien alles anders als vor der Corona-Krise.

Sieben SchülerInnen der Abiklasse der Freien Werkschule. Die Abiklasse wurde gedrittelt und in verschiedenen Klassenräumen untergebracht. Die Schüler haben alle einen Mund/Nasenschutz erhalten.
Sieben SchülerInnen der Abiklasse der Freien Werkschule. Die Abiklasse wurde gedrittelt und in verschiedenen Klassenräumen untergebracht. Die Schüler haben alle einen Mund/Nasenschutz erhalten. © Claudia Hübschmann

Landkreis. Mit ungewohnten Aufgaben sind die Lehrer nach den Osterferien in die neue Woche gestartet. "Wir haben jetzt alle Hände voll zu tun, bis zum Neubeginn am Mittwoch die strengen Auflagen des Freistaats durchzusetzen", sagt der Leiter der Oberschule Radeburg Michael Ufert. 

Vor welchen praktischen Herausforderungen stehen die Schulen konkret?

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Praktischerweise liegen alle drei zehnten Klassen in Radeburg bei jeweils rund 22 Schülern. So lassen sie sich vergleichsweise einfach in sechs Gruppen mit etwa elf Schülern aufteilen. Diese sollen auf eine Weise im Schulhaus untergebracht werden, dass sie sich möglichst nicht zu nahe kommen und konzentriert auf die schriftlichen Prüfungen vorbereiten können. Eine Hofpause mit allen Schülern wird es in den nächsten Wochen nicht mehr geben. Die Toiletten erhalten Desinfektionsmittel. 

Bei den Eltern erkundigt sich die Schule, ob Gesundheitsgefahren wegen Vorerkrankungen bestehen. An hunderterlei Sachen gilt es zu denken, welche bislang nicht zum Lehrerberuf gehörten. Das größte Problem dürfte nach Ansicht Uferts allerdings erst am Mittwoch auf die Pädagogen zukommen. "Der Redebedarf wird bei den Jugendlichen sehr groß sein, trotz Whatsapp-Gruppen und Klassenchat. Das alles kann die persönliche Nähe nicht ersetzen", sagt der Schulleiter.

Worauf müssen die Lehrer in den nächsten Wochen besonders achten?

An der Kurfürst-Moritz-Schule in Boxdorf, die von fast 500 Schülern besucht wird, sieht Schulleiter Heiko Vogel eine weitere Herausforderung darin, dass kein Schüler verloren geht, dass niemand den Anschluss verliert. "Jahrelang haben die Schüler in der Schule gelernt, da sind vier Wochen Homeoffice nun wirklich keine Tragödie", schätzt er ein. Die Boxdorfer Oberschüler seien gut vorbereitet. 

Um die anstehenden Abschlussprüfungen vorzubereiten, wurden prüfungsähnliche Klassenarbeiten geschrieben. In der Zeit des Fernunterrichtes ging es intensiv weiter, die Schüler standen in regem Kontakt mit ihren Lehrern. Dennoch könne es sein, dass einzelne Schüler die für das selbstständige Arbeiten nötige Selbstdisziplin nicht aufgebracht hätten oder die Lernbedingungen nicht optimal waren, so Vogel. Jetzt gelte es, schnell und sehr individuell Hilfe zu geben.

Wie verlief die vierwöchige Periode des häuslichen Lernens?

Der Leiter des Gymnasiums in Nossen Bert Xylander spricht für seine Schule davon, dass sich alle Kollgen "im Großen und Ganzen" versiert im Umgang mit digitalen Medien gezeigt hätten. Wesentlich dazu beigetragen habe, dass in Nossen schon mehrere Jahre mit der Online-Schulplattform des Freistaats Lernsax gearbeitet wird." Die digitalen Erfahrungen, die wir in den Wochen der Schulschließung nunmehr gewonnen haben, sind immens", so Xylander. 

Gleichlautend berichten es die Leiter aller Schulen, welche die Fragen der SZ beantworteten. Trotzdem gibt sich der Chef des Nossener Gymnasiums keiner Illusion hin. Das Online-Lernen verlaufe insgesamt sehr unterschiedlich, berichtet er. Wie im analogen seien auch im digitalen Bereich Lernerfolge von vielen Faktoren abhängig, beginnend beim individuellen Lernvermögen über die technischen Möglichkeiten bis hin zur funktionierenden Lehrer-Schüler-Kommunikation.

Was ist beim Online-Unterricht vielleicht auf der Strecke geblieben?

"Schön ist, wenn Lehrer und Schüler immer wieder ausdrücken, dass sie wieder in die Schule wollen, dass sie wieder gemeinsam in einem Raum arbeiten, Ideen entwickeln und kreativ werden wollen", so der Boxdorfer Schulchef Heiko Vogel. Besonders die künstlerischen Aktivitäten wie in den Bands und im Tanzprojekt fehlten der Schulgemeinschaft. Etwas zugespitzt drückt es Michael Ufert aus Radeburg aus. "Wir haben uns jetzt mit dem Digitalen ganz gut eingerüttelt, das analoge Lernen wird es jedoch nie ersetzen können."

Welche Rückmeldungen gab es von Schülern und Eltern?

Weit über 1.000 Kontakte zwischen Lehrern und Schülern beziehungsweise Eltern hat es in den vier Unterrichtswochen seit des Beginns der Ausgangssperre an der Kurfürst-Moritz-Schule pro Tag  gegeben, so deren Schulleiter. Zumeist das konkrete Lernen betreffend. Es habe sehr viel anerkennende Worte von Eltern gegeben. An der Pestalozzi-Schule in Meißen haben Schüler und Lehrer mit ihrem Feedback geholfen, den Umfang der übersandten Aufgaben auf ein für alle Seiten verträgliches Maß festzulegen berichtet Leiter André Pohlenz." 

Wir sehen, anders als sonst, unsere Schüler nicht arbeiten und können somit den benötigten Zeitbedarf nur bedingt abschätzen." Auch sei das häusliche Umfeld der Schüler, mit Geschwisterkindern, Haustieren, Medien und anderen Ablenkungen, ein Einflussfaktor auf die benötigte Zeit und den Lernerfolg. Hier hätten alle Beteiligten ihre Erfahrungen machen müssen, so Pohlenz.

Wie geht es für die anderen Klassen weiter, die nicht vor Prüfungen stehen?

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Die Entscheidung, die Schule für die Abschlussklassen zu öffnen, hat im Umkehrschluss zur Folge, dass viele andere Jahrgänge weiterhin mit Online-Lernen Zuhause unterrichtet werden müssen. Dies stellt nach Einschätzung des Nossener Schulchefs Xylander für einzelne Schüler und deren Familien weiterhin eine große Herausforderung, wenn nicht sogar eine Belastung dar. Seine Kollegen und er möchten deshalb noch zielgerichteter auf die technischen Gegebenheiten in den Familien Rücksicht nehmen, noch genauer auf individuelle Lernprozesse der Schüler eingehen und Eltern in den kommenden Wochen möglichst entlasten.

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.

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