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Meißner Filmpalast legt wieder los

Zwei Monate lang war der Filmpalast zwangsweise dicht. Der Neustart gibt Grund zur Hoffnung.

Alexander Malt betreut die Filmpaläste in Riesa und Meißen. Die Kinos sind unter strengen Auflagen jetzt wieder geöffnet - zur Freude der zahlreichen Kinofans.
Alexander Malt betreut die Filmpaläste in Riesa und Meißen. Die Kinos sind unter strengen Auflagen jetzt wieder geöffnet - zur Freude der zahlreichen Kinofans. ©  Sebastian Schultz

Meißen. Kino ohne Popcorn? „Das gehört doch dazu“, sagt Alexander Malt. Der Meißner Kinochef lächelt. Das kann man aber hinter der Maske nur erahnen: Denn der Mund-Nase-Schutz gehört jetzt ebenso wie die Einweghandschuhe zur Ausstattung des Personals hinter dem Kinotresen.

Aber über diese Auflage will Alexander Malt nicht meckern. Das Wichtigste ist für ihn doch: Nach zwei Monaten Zwangspause können die Meißner und Besucher aus der Region jetzt wieder Filme im Kino schauen.

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Vor wenigen Tagen hat der Filmpalast auf dem Theaterplatz wieder aufgemacht, genauso das Kino in Riesa, das Malt ebenfalls betreut. „Wir haben davor extra keine große Werbung gemacht, um keinen Ansturm zu provozieren“, sagt der Kinoleiter. Schließlich wollte man im Kino erst sehen, wie das mit den ganzen neuen Regeln klappt.

Und da gibt es einige, das ist schon am Eingang nicht zu übersehen. Am Eingang müssen Besucher jetzt an einem Aufsteller mit Desinfektionsmittel-Spender vorbei. Ein Mitarbeiter kontrolliert, ob die Besucher Mund und Nase bedeckt haben. Ein Flatterband im Foyer gibt die Laufrichtung vor, Markierungen auf dem Boden zeigen den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand.

Was die Besucher nicht sofort bemerken, sind die anderen Extra-Regeln. „Alle halben Stunden startet jetzt nur genau ein Film“, sagt Alexander Malt. Etwa am Mittwoch  um 19 Uhr "Knives Out – Mord ist Familiensache", um 19.30 Uhr "Die Känguru-Chroniken", um 20 Uhr "Nightlife". „Damit wollen wir verhindern, dass im Foyer zu viele Leute auf einmal warten.“

Viele Regeln, ein Rabatt

Die Wartezeit könnte man sich ohnehin hauptsächlich mit der Lektüre der Corona-Hygienevorschriften verkürzen: Große Plakate mit den neuen Abstandsregeln nehmen die Plätze ein, an denen sonst Aushänge für anstehende Filmstarts werben.

Damit sieht es momentan ohnehin eher dünn aus. Die Filmverleiher haben angekündigte Bundesstarts nach hinten geschoben - etwa James Bond von April auf November oder zunächst einfach ausgesetzt. „Wir schauen Tag für Tag nach neuen Terminen für die Blockbuster“, sagt Alexander Malt. So lange behilft man sich mit Filmen, die schon vor Corona angelaufen waren, aber in Riesa noch nicht alle gezeigt werden konnten. Und deshalb zahlen Erwachsene aktuell nur sechs Euro pro Karte, Kinder bis elf Jahre fünf Euro – ohne Zuschläge.

In den Sälen bleiben dabei viele Plätze frei: „Wir verkaufen immer nur zwei Sitze nebeneinander, dann bleiben drei Sitze frei - und jede zweite Reihe sowieso“, sagt der Kinoleiter. So könne man zwar nur 20 bis 25 Prozent der jeweiligen Saal-Kapazitäten nutzen, der Abstand bleibe aber gewahrt. Und nach jeder Vorstellung wird in jedem Saal eine Pause eingelegt, damit die Klimaanlage die Luft komplett umwälzen kann - mit 100 Prozent Frischluft von außen, auch so eine Auflage der Behörden.

Und wer nach dem Film geht, wird nun in den meisten Sälen über die Notausgänge nach außen geleitet, um den ankommenden Besuchern der nächsten Vorstellung nicht zu begegnen.

Für Studenten schwierig

Und wie klappt es, die ganzen Regeln einzuhalten? „Es ist gut angelaufen“, sagt Alexander Malt. Der Auftakt nach der Zwangspause mache Mut. „Wir haben doch einige Stammgäste und Kinofans, die nur auf die Öffnung gewartet haben.“ Ein Paar habe sich sogar nach der Vorstellung bedankt, dass mit dem Kino eine zusätzliche Freizeiteinrichtung in Meißen wieder aufgemacht habe. „Das war echt rührend.“

Es dürfte auch nötig sein, dass jetzt wieder Umsatz gemacht wird: Die Kinos in Riesa und Meißen beschäftigen jeweils drei bis vier Angestellte, die zuletzt alle in Kurzarbeit waren. Auch Malt selbst hatte gezwungenermaßen mehr Muße für den Garten. Aber während hier wenigstens Kurzarbeitergeld fließt, blieben die mehr als zwei Dutzend Pauschalkräfte auf 450-Euro-Basis an den zwei Standorten gezwungenermaßen ohne eigenes Einkommen. „Das ist vor allem für die Studenten und Berufsschüler schwer, die mit dem Geld echt rechnen müssen“, sagt der 39-Jährige.

Immerhin: Sachsen gehöre zu den ersten Bundesländern überhaupt, die Kinos wieder öffnen lassen. Und Riesa und Meißen seien bei der Eröffnung vorn dabei. Auch in Großenhain ist das Kino nun wieder offen, Gröditz will am 28. Mai folgen. Stück für Stück zieht wieder Normalität ein - auch mit Popcorn im Kino.

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