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Görlitz

Viel los in geschlossenen Museen

Auch wenn alle Ausstellungen im Moment verborgen sind. Hinter den Türen in Görlitz wird weiter gearbeitet und geforscht.

Die Preview der Ausstellung "Abenteuer Neiße" konnte im Dom Kultury noch eröffnen. Der Teil im Kaisertrutz wird verschoben. Von der Eröffnung der Ausstellung bei Senckenberg gehen deren Kuratoren Andrzej Paczos, Jana Bingemer und Helga Xylander bislang au
Die Preview der Ausstellung "Abenteuer Neiße" konnte im Dom Kultury noch eröffnen. Der Teil im Kaisertrutz wird verschoben. Von der Eröffnung der Ausstellung bei Senckenberg gehen deren Kuratoren Andrzej Paczos, Jana Bingemer und Helga Xylander bislang au © André Schulze

Die Museen in Görlitz und Niesky hatten viel vor in diesen Tagen. Das Senckenberg Museum und die Görlitzer Sammlungen haben jeweils Ausstellungen zum Thema "Abenteuer Neiße" vorbereitet, die im Frühjahr eröffnen sollten. Das Schlesische Museum hatte für Anfang April die Eröffnung von "Heckert Glas" geplant sowie im ganzen Jahr ein großes gemeinsames Vorhaben mit dem Nationalpark Riesengebirge in Jelenia Góra mit zahlreichen Begegnungen und Schüleraktionen über die deutsch-polnische Grenze hinweg. Das Konrad-Wachsmann-Haus in Niesky will im April eine neue Sonderausstellung zu den Nieskyer Industriellen Christoph und Unmack eröffnen. 

Museen bis mindestens 20. April zu

Doch genau wie die Schulen sind die Museen seit Mitte März wegen der Ausbreitung des Covid-19-Virus geschlossen, voraussichtlich bis zum 20. April. Manche Pläne können relativ unproblematisch verschoben werden. Andere Vorhaben sind gefährdet, weil die Vorbereitungen gar nicht möglich sind. "Wir hatten für April eine deutsch-polnische Tagung gemeinsam mit dem Nationalpark Riesengebirge geplant", erzählt Markus Bauer, Direktor des Schlesischen Museums zu Görlitz. 

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Dort sollte es unter anderem um Ideen für die Umsetzung der multimedialen Präsentation „Schlesien nach 1945“ gehen, mit der die Dauerausstellung erweitert werden soll. "Die Tagung mussten wir jetzt auf unbestimmte Zeit verschieben", sagt Bauer. "Wenn sie vor dem Sommer nicht stattfinden kann, werden wir Termine nicht einhalten können, an denen für uns wichtige  Fördergelder hängen." In das gesamte Projekt mit dem polnischen Partner fließen 2,3 Millionen Euro europäischer Interreg-Mittel, davon 600.000 Euro für das Schlesische Museum.

Ausstellungseröffnungen verschoben

Die Vernissage der Ausstellung "Heckert Glas" im Schönhof war für nächste Woche geplant. Sie ist nun genauso verschoben wie die Eröffnung von "Abenteuer Neiße – Geschichten am Fluss" im Kaisertrutz, die ab 3. April vom Leben der Menschen mit und an der Neiße seit 5.000 Jahren erzählen sollte. Sie werden zwar termingerecht aufgebaut, aber erst eröffnet, sobald es wieder möglich ist. 

Im Schlesischen Museum bereitet der Kunsthistoriker Martin Kügler die Ausstellung "Heckert Glas" zu historistischem Glas aus Schlesien vor. Sie wird aufgebaut wie geplant, aber erst eröffnet, sobald es wieder möglich ist.
Im Schlesischen Museum bereitet der Kunsthistoriker Martin Kügler die Ausstellung "Heckert Glas" zu historistischem Glas aus Schlesien vor. Sie wird aufgebaut wie geplant, aber erst eröffnet, sobald es wieder möglich ist. © Nikolai Schmidt

Das Senckenberg Museum hatte einen ersten Teil der Ausstellung "Abenteuer Neiße – Leben am Fluss" bereits im Februar im Dom Kultury in Zgorzelec gezeigt, die Hauptausstellung soll am Marienplatz am 8. Mai öffnen. "Wir sind vorsichtig optimistisch, dass es dabei bleiben kann", sagt Museumssprecher Christian Düker. Jasper von Richthofen, Leiter der Städtischen Sammlungen, hofft auf die zweite Junihälfte für den Teil im Kaisertrutz. "Einen Einbaum, der in der Neiße-Ausstellung im Kaisertrutz gezeigt werden soll, konnten wir noch aus Zgorzelec holen, kurz bevor die Grenze schloss", sagt der Museumsleiter. Die für Oktober geplante Ausstellung zu Silber und Sklavenhandel vor 1000 Jahren in Mitteleuropa ist auf Januar verschoben. Ob die Ausstellung im Nieskyer Wachsmannhaus im April eröffnet werden kann, bleibe abzuwarten, sagt dessen Museumsmitarbeiterin Claudia Wieltsch.

Arbeit ist genug

Die Mitarbeiter der Museen haben dennoch keine Langeweile. "Wir haben alle Hände voll zu tun damit, Dinge abzusagen, umzuplanen, Aufgaben neu zu strukturieren", sagt Markus Bauer vom Schlesischen Museum. Die enge Zusammenarbeit mit polnischen Partnern sei bisher meist mit persönlichen Treffen verbunden gewesen. Nun gebe es Videokonferenzen, mehr E-Mails und mehr Telefonate, auch hausintern. Die Mitarbeiter des Schlesischen Museums sind weiterhin vor Ort, aber Bürogemeinschaften wurden aufgelöst. Aufgaben wie die Pflege und Inventarisierung der Museumsbestände laufen weiter wie bisher. 

Zeit für Forschen, Inventarisieren, Archivieren

Auch die Forschung und Publizierung wissenschaftlicher Beiträge sind unabhängig von Ausstellungsvorbereitungen. Jasper von Richthofen sagt, jetzt sei Zeit für Dinge, für die vorher nur wenig Raum war. Texte für kommende Ausstellungen und andere Beiträge würden nun geschrieben. Christian Düker sagt für die Senckenberg-Mitarbeiter, wer an Publikationen schreibe oder Forschungsanträge stellen müsse, könne jetzt in Ruhe daran arbeiten. 

"Forschen, Inventarisieren und Archivieren sind jetzt unsere Aufgabenfelder", sagt auch Eva-Maria Bergmann, die Leiterin der Nieskyer Museen Raschkehaus und Konrad-Wachsmann-Haus." Hinzu kommen Dinge, die bisher liegengeblieben sind." Etwa das Sichten und Katalogisieren von Nachlässen. Familienangehörige bringen von ihren verstorbenen Eltern und Großeltern öfter alte Fotos, Dokumente und Gegenstände aus früheren Zeiten in das Nieskyer Stadtmuseum, damit sie der Nachwelt erhalten bleiben. 

Ohne Besucher bleiben die Museumsräume im Raschkehaus in Niesky. Auch die Touristinformation ist geschlossen. Dennoch verbringt Museumsleiterin Eva-Maria Bergmann die Zeit nicht mit Warten. Vielmehr kann sie jetzt Liegengebliebenes aufarbeiten.
Ohne Besucher bleiben die Museumsräume im Raschkehaus in Niesky. Auch die Touristinformation ist geschlossen. Dennoch verbringt Museumsleiterin Eva-Maria Bergmann die Zeit nicht mit Warten. Vielmehr kann sie jetzt Liegengebliebenes aufarbeiten. © André Schulze

Zudem plant das Museum eine neue Dauerausstellung zur Stadt Niesky im Erdgeschosses des Raschkehauses. Zeitgemäßer, moderner und unter Nutzung der neuen Medien sollen die Besucher einen Einblick in die Nieskyer Geschichte bekommen. Dafür sind Fördermittel zu beantragen oder abzurechnen, ebenso im Wachsmannhaus. "Arbeit ist genug", sagt die Museumsleiterin. Deshalb sind die Nieskyer Museumsangestellten nicht von Kurzarbeit betroffen. Nur die beiden Ehrenamtlichen pausieren, die im Wachsmannhaus die Öffnungszeiten absichern. Das Museum in Rothenburg ist zurzeit mangels Personal gar nicht geöffnet.

Homeoffice für Forscher

Viele der Wissenschaftler bei Senckenberg, deren Forschung 90 Prozent der Arbeit des Görlitzer Naturkundemuseums ausmacht, seien zurzeit im Homeoffice, sagt Christian Düker. Manche hätten Mikroskope und ähnliches Equipment mit heimgenommen. Für Mitarbeiter, die weiter ins Museum kommen, seien genau wie im Schönhof Bürogemeinschaften aufgelöst. Während die Mitarbeiter der Kulturservice GmbH, die sonst in Kaisertrutz und Barockhaus Einlass und Aufsicht übernehmen, in Kurzarbeit sind, wurden für die drei Mitarbeiterinnen, die dafür bei Senckenberg zuständig sind, andere Aufgaben gefunden. "Sie kleben Pflanzen auf Herbarbögen, mit denen unsere Botaniker arbeiten", sagt Düker. "Das Material dafür bekommen sie nach Hause geliefert." 

Verlorene Eintrittsgelder

Natürlich entgehen den Museen in den Zeiten der Schließung Eintrittsgelder, mit denen sie gerechnet hatten. Im Falle des Nieskyer Museums fallen auch Stadtführungen und die beliebte Führung durch die Holzhaussiedlung weg. Eva-Maria Bergmann hofft, das die bereits angemeldeten Führungen nur verschoben werden.

Die Einbußen eines Museums,  sagt Jasper von Richthofen, seien aber nicht zu vergleichen mit den Nachteilen, die zurzeit vielen mittelständischen und kleinen Unternehmen entstehen, die nicht produzieren, nicht öffnen, nichts verkaufen können. Die Museen hoffen, dass noch vor dem Sommer Ausstellungsbesuche wieder möglich werden, möglicherweise mit begrenzten Einlasszahlen und ohne Veranstaltungen. 

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