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Zittau

Wenn der Mundschutz Mangelware wird

... dann wissen sich die Oberlausitzer zu helfen: Manche Wohnzimmer werden jetzt kurzerhand zur Nähstube. Zwei eindrucksvolle Beispiele.

Richtig schick: Lydia Matthäi aus Oderwitz näht zu Hause Mundschutz-Masken.
Richtig schick: Lydia Matthäi aus Oderwitz näht zu Hause Mundschutz-Masken. © Matthias Weber/photoweber.de

Über 160 Mundschutzmasken hat sie schon fertig. Und Lydia Matthäi näht und näht und näht. Seit Tagen sitzt die Hobbyschneiderin aus Oderwitz schon an der Maschine. "Ich hab vorige Woche den Aufruf in der Zeitung gelesen und einfach angefangen", erzählt die 61-Jährige, die seit kurzem Rentnerin ist. "Ich hab Zeit, ich bin ja jetzt zu Hause. Warum soll ich da nicht helfen?" Sie sagt das, als wäre es vollkommen selbstverständlich. 

Inzwischen ist ihre Hilfe fast zu einem Vollzeitjob geworden. Lydia Matthäi näht den ganzen Tag. Sie hat Masken aus buntem Baumwollstoff für die Mitarbeiter der Bäckerei im Ort genäht und für die Praxis ihres Hausarztes. Sie macht das kostenlos. "Der Doktor hat schon nachbestellt", sagt sie. "Er gibt sie auch an Patienten weiter, die dringend welche benötigen." 

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Einen Posten von 30 Stück hat ihr Mann nach Polen geschickt. Michael Matthäi ist Geschäftsführer einer Dochtfabrik mit einer Zweigstelle im schlesischen Zabrze (Hindenburg). "Dort ist das Tragen der Schutzmasken Pflicht", erklärt er, "aber es gibt kaum welche oder nur zu horrenden Preisen." Jetzt sind die Mitarbeiter der Dochtfabrik erst einmal versorgt.

Lydia Matthäi an ihrer Nähmaschine. Die Oderwitzerin näht zu Hause Mundschutz-Masken.
Lydia Matthäi an ihrer Nähmaschine. Die Oderwitzerin näht zu Hause Mundschutz-Masken. © Matthias Weber/photoweber.de

Und Lydia Matthäi näht weiter. Das Schnittmuster hat sie der Anleitung aus der Sächsischen Zeitung entnommen. Die Baumwollstoffe stammen aus dem großen Stofflager der Hobbyschneiderin. Das wird nun zusehends kleiner. "Das macht nichts", schmunzelt Lydia Matthäi, die eigentlich studierte Betriebswirtin ist. "Was verarbeitet ist, ist verarbeitet. Fertig." Es sind auch bunte Stoffe dabei. "Die Masken sollen ja auch ein bisschen freundlich aussehen", sagt sie. Dem Werksleiter der polnischen Dochtfabrik hat sie eine im Marinestil genäht - für den Kapitän auf dem Schiff.

Die Baumwollbänder hat sie von einer Firma aus Greiz bekommen - ebenfalls kostenlos. Und beim Zuschneiden und Fertigstellen der Masken hilft ihr ihre Schwägerin Christina Geißler. "Es ist ein schönes Gefühl, etwas Sinnvolles tun zu können, wenn man schon zu Hause sitzen muss", sagt Lydia Matthäi.

Wahl-Großschönauerin näht seit Jahren hobbymäßig

Auch Caroline Zisler näht seit Tagen eine Mundschutzmaske nach der anderen. In der Zittauer Corona-Hilfsgruppe hatte sie ihre Unterstützung angeboten und musste gar nicht lange auf Reaktionen warten. Bereits zwei Minuten nachdem die 31-Jährige gepostet hatte, Mundschutzmasken nähen zu können, erreichten sie die ersten Anfragen. "Ich hatte einen großen Vorrat an Baumwollstoff und konnte deshalb sofort anfangen", erzählt sie. Zeit hat sie auch - mit ihrer Familie war sie vor gut einem Monat von Pirna nach Großschönau umgezogen, ist derzeit zuhause.

Schon seit Jahren näht Caroline Zisler in ihrer Freizeit für die Familie und Bekannte. Diese Erfahrung hilft ihr beim Nähen der Mundschutzmasken. Im Internet fand sie Anleitungen, wie man derartige Masken selber herstellen kann. Der Baumwollstoff sollte, erklärt sie, bei mindestens 60 Grad waschbar sein und dreilagig verwendet werden.

Auch Caroline Zisler näht zu Hause Mundschutzmasken.
Auch Caroline Zisler näht zu Hause Mundschutzmasken. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Zwischen 20 und 40 Mundschutzmasken kann Caroline Zisler am Tag nähen. Dass diese Anzahl gebraucht wird, zeigt die anhaltend hohe Nachfrage. Zwischen fünf und sieben Leute melden sich täglich bei ihr und bestellen Masken. Sogar eine Mitarbeiterin eines mobilen Pflegedienstes hatte zu ihr Kontakt aufgenommen und gleich mehrere Masken für sich und ihre Kollegen bestellt.

Recht schnell hatte sie deshalb ihren Stoffvorrat aufgebraucht. Dank zahlreicher Spenden kann sie trotzdem weiter nähen. Erst Ende voriger Woche konnte sie wieder zwei große Beutel voll mit Stoffresten abholen. Neben dem Stoff werden aber auch Gummi- und Schrägbänder benötigt. Caroline Zisler ist über jede Spende dankbar, schließlich will sie auch in den nächsten Tagen weiter fleißig nähen und ihren Beitrag in der Corona-Krise leisten.

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Wer dringend Mundschutzmasken braucht, kann sichunter 035842-291329 an Lydia Matthäi in Oderwitz wenden.

Caroline Zisler ist über 0174/9868886 oder über Facebook erreichbar.

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