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Löbau

Wegen Corona: Ausgebremst nach Neustart

Zwei Wochen nach der Eröffnung seiner Pizzeria in Neusalza-Spremberg musste ein Gastwirt schon wieder zumachen. Wird sein Lokal die Krise überstehen?

Aniello Coscio (links) und Mitarbeiter Vito können in der neuen Pizzeria in Neusalza-Spremberg Pizza und Co. vorerst nur Abholservice anbieten.
Aniello Coscio (links) und Mitarbeiter Vito können in der neuen Pizzeria in Neusalza-Spremberg Pizza und Co. vorerst nur Abholservice anbieten. © Rafael Sampedro

So hatte sich Aniello Coscio seinen Neustart nicht vorgestellt. Erst am 1. März hat der Italiener sein eigenes Restaurant in Neusalza-Spremberg eröffnet. Und jetzt herrscht im Gastraum gähnende Leere. Pizza backen und kochen kann er derzeit nur für die Familie. Aufgrund der Allgemeinverfügung musste auch er sein Restaurant schließen.  

Aniello übernahm gemeinsam mit seinem Freund und Geschäftspartner Vito den ehemaligen Ratskeller, der etliche Jahre leer stand. Der Schriftzug "Ratskeller" steht auch noch am historischen Gebäude am Obermarkt. Daneben hat der 50-Jährige den Namen seines Restaurants angebracht: Pizzeria Sorrento. Damit knüpft er an seine Herkunft an. Sorrento ist eine bekannte Touristenstadt in Italien, in der Region Kampanien. Die größte Stadt dort ist die Metropole Neapel - italienisch Napoli - aus der Aniello gebürtig stammt. 

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Seit seinem 20. Lebensjahr ist er aber als Koch in Europa unterwegs, erzählt er. Er hat unter anderem auf Schiffen gekocht. Dort war er auch Chef der Küchencrew. Nach vielen Jahren auf Achse will Aniello Coscio nun etwas zur Ruhe kommen und suchte deshalb ein festes, eigenes Lokal. "Zur Ruhe kommen, dafür ist Neusalza-Spremberg bestens geeignet", sinniert er und blickt hinaus auf den menschenleeren Obermarkt. Der ist nun natürlich wegen der Corona-Krise und der Ausgangsbeschränkungen weniger belebt als sonst. Aniello meint das mit der Ruhe aber durchaus positiv. Ihm und seinem Geschäftspartner, der ebenfalls mit seiner Familie in Neusalza-Spremberg lebt, gefällt es in der Oberlandstadt sehr gut. "Die Leute sind prima hier, wir sind super freundlich aufgenommen worden. Das hatten wir so gar nicht erwartet." Mit den Nachbarn verstehe man sich gut. Und auch der Bürgermeister habe den Gastronomen seine Unterstützung zugesagt, wenn es nötig ist.  

Im ehemaligen Ratskeller ist jetzt die Pizzeria Sorrento.
Im ehemaligen Ratskeller ist jetzt die Pizzeria Sorrento. © Rafael Sampedro

Zutaten aus Italien

Deshalb sind die beiden Männer froh, dass sie sich für das Lokal im Oberland entschieden haben. Sie kennen sich schon etliche Jahre, sind gut befreundet, hielten immer den Kontakt. Jetzt sind sie gemeinsam in die Selbstständigkeit gestartet. Vito lebte zuvor in Frankfurt/Main, Aniello hat zuletzt in Berlin gearbeitet. Übers Internet suchten die beiden Männer nach einem passenden Lokal für ihre eigene Pizzeria. Fündig wurden sie in Neusalza-Spremberg. Der Ratskeller stand zur Vermietung. Nach der ersten Besichtigung stand für die beiden Gastronomen schnell fest: Das machen wir!

Innerhalb weniger Wochen haben sie alles renoviert, den Gastraum komplett umgestaltet. Jetzt ist das Ambiente mediterran und gemütlich und erinnert an Aniellos  Heimat Italien. Von dort bezieht er auch alle Zutaten, die er für seine italienischen Pizzen braucht. "Auch das Mehl. Das ist eine besondere Mischung, die braucht man, damit der Teig gut wird", sagt der Gastronom. 

Eisverkauf soll starten

120 Gäste haben im Lokal insgesamt Platz, einen separaten Nebenraum mit eingerechnet. Die Plätze sind auch nach der Eröffnung immer gut gefüllt gewesen, berichten die beiden Männer. Das Lokal sei gut angenommen worden nach dem Start Anfang März. "Es lief prima, bis zum letzten Tag." Davon zeugen auch Rezensionen im Internet, die das neue Lokal und die Gastwirte sehr positiv bewerten. 

Inzwischen haben Aniello und Vito wie viele Restaurants auf Abholservice umgestellt. Alle Gerichte von Pizza und Pasta, über Salate und Fleischgerichte können nach Vorbestellung von den Kunden nach Hause geholt werden. Unter der Nummer: 035872 352700 oder 01514 3316340 können die Speisen bestellt werden. "Das läuft noch gar nicht gut", sagt Aniello Coscio. Aber er wolle nicht klagen. Dann kocht er eben vorübergehend nur für die Familie, die auch im Haus wohnt. 

Die Männer wollten mit ihrer Pizzeria sogar noch mehr Plätze anbieten - im Freien. Sie dürfen auf dem Obermarkt den Bereich um den Brunnen herum als Freisitz nutzen, berichten sie. Dort wollten sie einen kleinen Eisgarten einrichten. Das geht nun vorerst auch nicht. Und das ist gerade bei dem schönen Frühlingswetter derzeit sehr ärgerlich, sagen die Gastwirte. Bald wollen sie wenigstens mit Eisverkauf starten. Die Ausstattung dafür ist bestellt. "Ich denke, Ende des Monats kann es losgehen", sagt Aniello Coscio. 

Warten auf die Familie

Die Corona-Krise bringt für ihn auch privat ein Problem: Seine Frau und die kleine Tochter sind noch immer in Italien. Eigentlich wollten sie schon im März nachkommen und auch längst in Neusalza-Spremberg sein. Doch Corona kam dazwischen, die Grenzen wurden dicht gemacht. Frau und Kind durften nicht mehr ausreisen. Eine schwierige Situation für die kleine Familie. Nun hofft Aniello, der wie die meisten Italiener ein Familienmensch ist, darauf dass seine Familie Anfang Mai zu ihm kommen kann. Dann wäre wenigstens die Familie wieder komplett.

Bis er seine gerade neu gegründete Gaststätte wieder normal öffnen kann, wird er sich wohl noch etwas länger gedulden müssen. Aufgeben kommt aber nicht infrage, sagt er. "Wir bleiben, egal wie lange es dauert", sagt er bestimmt. 

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