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Löbau

Oberlausitzer in Auslands-Quarantäne

Bei uns läuft der Krisenmodus erst an, Italien ist mittendrin und China auf dem Weg zurück in die Normalität. Ein Oppacher und eine Bernstädterin erzählen.

Homeoffice in Italien - Liane Soppas Sohn Giovanni sitzt mit am Schreibtisch und hat seinerseits Heimarbeit.
Homeoffice in Italien - Liane Soppas Sohn Giovanni sitzt mit am Schreibtisch und hat seinerseits Heimarbeit. © Liane Soppa

Liane Soppa ist mittendrin in Italiens Corona-Krise. Die Bernstädterin lebt seit inzwischen 20 Jahren in Rom, hat hier Mann und Kind, und liebt die chaotische Hauptstadt. Derzeit aber ist sie froh, zufällig gerade nicht mittendrin zu sein. Als die Schulschließungen in Italien am 5. März publik wurden, ist sie mit Mann und Kind ins römische Umland gefahren, um zum einen den Schwiegervater zu versorgen, zum anderen ein bisschen der römischen Enge zu entfliehen. Eine Woche wollten sie erst einmal bleiben und dann Nachschub an Kleidung, Essen und Arbeit holen. Doch es kam anders.

Die Italiener haben inzwischen per Dekreten die Zügel straff angezogen. "Das Haus verlassen und einkaufen oder andere Besorgungen erledigen, darf man nur noch mit entsprechendem Passierschein", sagt Liane Soppa. Im Vergleich zu Rom ist das ländliche, abgeschiedene Umland aber dennoch ein Paradies: "Bekannte haben mir erzählt, dass Einkaufen in Rom jetzt ein tagfüllendes Unterfangen ist", sagt sie. Da die Menschen streng auf großen Abstand achten müssen und immer nur eine bestimmte Anzahl Personen in die Läden gelassen wird, dauert es sehr lange, bis man alles erledigt hat. Pro Familie darf zudem nur eine Person einkaufen, es müssen Handschuhe und Maske getragen werden. "Die Stimmung ist angespannt, die Leute beobachten einander sehr misstrauisch", erklärt Liane Soppa. Zum Glück ist es so schlimm auf dem Lande noch nicht, da laufe es noch entspannter. 

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Polizei kontrolliert auch Parks

Auch die Kontrollen sind in Rom deutlich härter: Carabinieri sind überall unterwegs und kontrollieren. In Parks oder in den Straßen darf man nicht verweilen, man muss zügig durchgehen. Wer diese Gebote missachtet, muss hohe Strafen fürchten: "Zusammen mit den Zahlen zu Neuinfektionen und Todesopfern werden jeden Tag auch immer die Zahlen der neu ausgestellten Strafzettel genannt - oft mehrere Tausend", sagt Frau Soppa. Und die Strafen sind mit mehreren Hundert Euro durchaus deftig. Aber auch auf dem Lande sind Carabinieri unterwegs, die Italiener haben auch Respekt. "Dieser Tage sahen wir vor dem Haus auf einmal Flatterband und dachten schon, die Polizei sperrt etwas ab - dabei waren es nur Baumfällarbeiten", berichtet die Römerin mit Oberlausitzer Wurzeln.

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Sie persönlich hat es geschafft, sich Arbeit mit ins "Corona-Exil" zu nehmen: Liane Soppa arbeitet im Deutschen Historischen Institut (DHI) als Bibliothekarin. Dorthin kommen Forscher, Studenten und Schüler, die sich mit der deutsch-italienischen Geschichte befassen. In den vergangenen Tagen gab es da nur noch einen Notbetrieb, doch auch der ist inzwischen eingestellt. Sie arbeitet von zu Hause. Wie das bei ihrem Mann werden wird, weiß sie noch nicht. Er ist beim Vatikan im Rentenbüro angestellt und hat erst einmal seinen alten Urlaub genommen. Was danach kommt, ob er ins Büro muss, ist noch unklar. Am besten versorgt mit Aufgaben ist ihr Sohn Giovanni, der in die dritte Klasse geht. Übers Internet erhalten die Kinder Aufgaben. "Aber ihn jeden Tag hier zu motivieren und ihm den Stoff zu erklären, wenn er etwas nicht gleich versteht, ist für mich sehr gewöhnungsbedürftig", sagt die Mutter.

ATN kann in China wieder produzieren

Auch bei den Mitarbeitern des Oppacher Maschinenbauers ATN in China gab es in den vergangenen anderthalb Monaten so einiges, was gewöhnungsbedürftig war. Nun aber geht es Stück für Stück in den Alltag zurück: Seit einer Woche sind der ATN-Geschäftsführer in Shanghai, Uwe Haase und seine Kollegen wieder im Büro: "Allerdings auf Sparflamme und nun so wie die Kolleginnen und Kollegen benötigt werden, um das Team so klein wie möglich zu halten", sagt er. Seit Mitte letzter Woche sei auch die Fertigung wieder besetzt, genügend Mitarbeiter da und aus der Quarantäne entlassen. Auch das öffentliche Leben startet langsam, bestätigt Haase: "Restaurants öffnen wieder und auch die Frisöre darf man wieder aufsuchen. Mann muss halt fast überall wo man hingeht Temperatur messen, seinen Namen und die Telefonnummer notieren", schildert er die Lage. 

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Fiebermessen ist in Italien nicht ganz so allgegenwärtig. Aber die Symptome der Corona-Isolation sind überall gleich: "Klar, mir fehlt mein Alltag, sich mal auf einen Kaffee zu treffen und den Inhalt meines Kleiderschrankes zur Auswahl zu haben - statt den des Koffers", sagt Liane Soppa. Aber zum Glück kenne sie im Freundes- und Verwandtenkreis bislang niemanden, der sich mit dem Virus infiziert hat und hofft, dass das auch so bleibt.

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