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Firma baut Extra-Griffe für Einkaufswagen

Die Oderwitzer Firma Arnell macht aus der Corona-Flaute eine Tugend und produziert persönliche Einkaufswagen-Hygienegriffe. Nur wenig fehlt noch zur Serienproduktion.

Den Einkaufswagen hygienisch im Griff:
Thomas Scholz, Geschäftsführer von Arnell, mit den neu produzierten persönlichen Einkaufswagengriffen.
Den Einkaufswagen hygienisch im Griff: Thomas Scholz, Geschäftsführer von Arnell, mit den neu produzierten persönlichen Einkaufswagengriffen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Wenn Thomas Scholz zum Einkauf in den Supermarkt geht, zieht er derzeit erstaunte und neidvolle Blicke auf sich. Denn der Chef der Oderwitzer Firma Arnell kann alle Desinfektions-Stationen für Einkaufswagengriffe links liegen lassen und ist trotzdem optimal hygienisch unterwegs. Mit den bunten und brandneu entwickelten persönlichen Hygienegriffen ist das Unternehmen derzeit vielfach im Gespräch: "Ich gehe davon aus, dass das auch nach der akuten Corona-Krise für viele weiterhin ein Thema bleiben wird", erklärt Scholz sein Engagement.

Sie sind leicht anzubringen, leicht zu lösen, dennoch stabil und geschirrspülergeeignet: Die Erfindung der Oderwitzer Firma als Reaktion auf die Corona-Krise. Geschäftsführer Thomas Scholz zeigt Prototypen.
Sie sind leicht anzubringen, leicht zu lösen, dennoch stabil und geschirrspülergeeignet: Die Erfindung der Oderwitzer Firma als Reaktion auf die Corona-Krise. Geschäftsführer Thomas Scholz zeigt Prototypen. ©  Rafael Sampedro (Archiv)

Dass ausgerechnet ein Unternehmen, dass sich primär mit Metallverarbeitung beschäftigt und für Gitterroste aller Art bekannt ist, nun auf Kunststoff umsteigt, ist eine kleine Premiere - aber kein Wunder: "Wir experimentieren seit 2017 mit 3-D-Druck als neuem Standbein, haben Kontakte zum Erfinder- und Entwickler-Netzwerk neonet", erklärt der Geschäftsführer, der mit seinem Unternehmen wegen der besseren Entwicklungschancen nach Zittau umziehen wird. Darauf habe man sich jetzt - da das eigentliche Kerngeschäft und die Kunden und Partner vor allem in Spanien und Frankreich durch das Coronavirus extrem gebremst sind - eben besonnen. Zuerst versuchten sich die Oderwitzer wie das Fraunhofer-Institut in Zittau auch an der Produktion von Schutzmasken, aber das sei schwierig mit all den Standards, die es einzuhalten gelte. "Da habe ich zu meinen Kollegen gesagt, sie sollen sich was anderes einfallen lassen - und das haben sie", schildert Scholz mit Stolz.

Vom ersten Gedanken eines solchen Griffpaares bis zum Prototyp dauert es nur drei Tage. Inzwischen arbeitet die Firma reichlich zwei Wochen an dem Projekt. Erste Tests sind schon absolviert: "Ja, sowohl meine Mitarbeiter als auch unsere Frauen mussten die Griffe beim Einkaufen testen", erzählt er. Immerhin müsse ja sichergestellt sein, dass die Griffe gut aufzusetzen und abzunehmen sind, dass man den Wagen - auch bei voller Beladung - gut manövrieren kann und dass dies auch von Personen machbar ist, die etwas zarter gebaut sind. Bislang ist Thomas Scholz mit dem Griff, den er sich inzwischen auch als "troll grip" als europäische Marke hat eintragen lassen - sehr zufrieden.

Griffe sind spülmaschinenfest

Aber sind die Griffe wirklich so hygienisch und haltbar? "Ja, sie sind so konzipiert, dass sie im Geschirrspüler bei 65 Grad mitgewaschen werden können und auch nicht frostempfindlich sind, wenn sie im Kofferraum des Autos aufbewahrt werden", schildert er.  Erste Resonanz ist auch schon da: "Uns haben schon bei den Testeinkäufen viele angesprochen, wo man die bekommt und auch Firmen haben Interesse", sagt er. Mit so großer Nachfrage habe man gar nicht gerechnet, gibt er zu - und deshalb tüfteln er und seine Mitarbeiter jetzt an einer Serienlösung. Denn die inzwischen auf zehn 3-D-Drucker angewachsene Produktion wird die Nachfrage dauerhaft nicht befriedigen können.

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Ab Mai wolle man deshalb maschinell in die Produktion von mehreren Tausend Stück einsteigen. Erhältlich sind die derzeit nur in Grün hergestellten Hygienegriffe bei Arnell in Oderwitz direkt - per Telefon oder über die extra eingerichtete Internetseite für knapp zehn Euro. "Am Ostermontag haben wir unsere gesamte Vorproduktion, die wir schon hatten, binnen zwei Stunden verkauft", skizziert der Arnell-Chef die Nachfrage. Deshalb laufen jetzt erst einmal die Drucker heiß - und bald sicher viele Verbaucher griff- und virensicher durch die Supermarktgänge.

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