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Löbau

Geschäfte wieder offen - Boom bleibt aus

Die erste Woche seit den Corona-Lockerungen liefen für Händler aus Löbau-Zittau durchwachsen. Einerseits sind sie erleichtert, andererseits enttäuscht.

Reinhard Schimon mit Ehefrau Elke und Tochter Tina Wagner vom Einrichtungshaus auf der Äußeren Oybiner Straße in Zittau sind wieder für die Kunden da.
Reinhard Schimon mit Ehefrau Elke und Tochter Tina Wagner vom Einrichtungshaus auf der Äußeren Oybiner Straße in Zittau sind wieder für die Kunden da. © Matthias Weber/photoweber.de

Endlich durften die Einzelhändler wieder ihre Geschäfte öffnen. Die Erwartungen waren groß, dass Kundschaft nun – mit Abstandshaltung und Mundschutz – in die Läden strömt. Doch der große Ansturm blieb aus, die Resonanz war durchwachsen. Ein Händler erzählt hinter vorgehaltener Hand, dass Mitarbeiter aufgrund ausbleibender Kundschaft noch immer in Kurzarbeit bleiben müssen. Und während einige Gelder aus dem Soforthilfe-Coronaprogramm des Bundes bereits auf ihrem Konto haben, warten andere noch sehnsüchtig darauf. Manche vermuten, dass das Geld aktuell nicht so locker sitzt, wie vor Corona-Zeiten oder dass Kunden einfach wegen der neuen Lage und der dahingehenden Lockerung vorsichtiger sind.

Reinhard Schimon lässt sich jedenfalls angesichts der aktuellen Situation keinesfalls Mut und Optimismus nehmen. Auch durch diese Krise will der 62-Jährige mit seinem Team durch. Es soll weiter gehen. Reinhard Schimon ist Geschäftsführer vom Einrichtungshaus Schimon auf der Äußeren Oybiner Straße 11 in Zittau. Sein Geschäft musste – wie so viele andere auch – zeitweise schließen. Null Umsatz in dieser Zeit, Mitarbeiter in Kurzarbeit. "Das ist jetzt die 5. Katastrophe innerhalb von elf Jahren, aber wir werden niemals den Kopf in den Sand stecken", sagt er. Die Hochwasser hat das Geschäft gemeistert, die Baustellen ebenso. Und nun die Corona-Krise, die einen Teil des Handels mächtig beutelt. Seit 20. April ist die zwangsauferlegte Schließung Geschichte. Das Zittauer Einrichtungshaus startet neu durch. "Wir sind selbstverständlich weiter für unsere Kunden da", sagt der Inhaber.

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Kunden kommen mit Blumen

Seit Montag wieder offen hat auch Bärbel Michels "Wäsche und Strickmoden" auf der Inneren Weberstraße 27 in Zittau. Die neue Kollektion ist da. "Viele schöne Kleider, Shirts und Sommerhosen", sagt die Unternehmerin. Während der Schließung wurde klar Schiff gemacht: Renovierungsarbeiten, große Reinigung, alles frühlingshaft aufhübschen war angesagt. Kein Däumchen drehen in der Zwangspause also. "Ich freue mich sehr auf Kunden", sagt die Unternehmerin. In der ersten Woche der Wiedereröffnung seien die Leute im Bezug auf einen Geschäftsbesuch noch "etwas vorsichtig"gewesen. Kunden kamen einige, doch es könnten gern mehr sein. Bedrückend zudem: Keine Jugendweihen, keine Konfirmationsfeiern sind derzeit in Sicht. Anlässe, bei denen eigentlich neue Sachen gekauft würden. "Trotz der Lage sollte man sich was Gutes tun, das hilft fürs Gemüt", findet die Geschäftsfrau. Mit einem schicken Sommerkleid zum Beispiel.

Die Erleichterung in der Stimme ist Bärbel Thomas, Mitarbeiterin der "Buchkrone am Markt" in Zittau, anzuhören. Zwar konnte der "Welttag des Buches" am 23. April diesmal nicht stattfinden. "Das wird im September nachgeholt", sagt sie. Aber sie sei "sehr froh, dass die Buchkrone wieder offen haben darf." Die Schließzeit zwischendurch überbrückte die "Buchkrone" mit einem Lieferdienst. Onlinebestellungen waren möglich und die Abholung erfolgte kontaktlos und mit Rechnung beim Optiker gegenüber. Das sei auch gut angenommen worden. Die erste Woche nach der Öffnung ebenfalls. "Kunden kamen sogar mit Blumen, eine wunderbare und liebe Geste", findet Bärbel Thomas. Zwar sei das Ostergeschäft auch mit dem zusätzlichen Lieferservice bei weitem nicht so gelaufen, wie in normalen Zeiten. Doch die Verbindung zu den Kunden brach dadurch nicht ab. Und jetzt in der ersten Woche kamen viele, um sich mit Büchern einzudecken. Schließlich ist Sommerzeit Lesezeit.

Viel los während der Markttage

Neue Ware ist auch bei Ines Hanke eingetroffen: Schuhe für die warme Jahreszeit. Auf den nächsten Schwung Schuhmode wartet die Chefin von "Ines Schuhmoden" in Löbau schon. Ebenso auf Kunden. Die erste Woche lief zweigeteilt ab, wie Ines Hanke erzählt. Im Großen und Ganzen sei sie zufrieden, auch die drei Mitarbeiterinnen sind wieder aus der Kurzarbeit zurück. Aber während der Markttage Dienstag und Donnerstag sei viel los  in der Stadt und dadurch auch im Geschäft, am Nachmittag herrschte tote Hose. Bis Ende April sind deshalb die Einkaufszeiten erst einmal auf 17 Uhr verkürzt. "Im Mai wird geschaut, ob wieder zeitlich aufgestockt werden kann", sagt sie.

Nur wenige Hundert Meter vom Schuhladen entfernt befindet sich die Zoohandlung von Gundula Tempel. Vor genau einem Jahr war sie auf die Innere Zittauer Straße gezogen. Ihr Löbauer Geschäft durfte die ganze Zeit offen bleiben. "Durch die Ausgangssperre und das Kontaktverbot waren aber nur wenige Leute in der Löbauer Innenstadt mal bummeln", erzählt sie. Ihre Situation gestalte sich bescheiden. Finanzielle Unterstützung von Land oder Bund bekommt sie nicht. "Ich falle durch alle Raster", sagt Gundula Tempel. Eigentlich hatte sie gehofft, dass ab dem 20. April die Innenstadt wieder mehr belebt sein würde. Dem sei nicht so. Viele Menschen würden außerdem online bestellen, was dem kleinen Einzelhandel nicht gut tue. "Ich hoffe, dass die Leute wieder mehr regional kaufen und damit die Händler vor Ort unterstützen", sagt die Unternehmerin.

Sachsen wird aber ab kommender Woche die strenge 800-Quadratmeter-Regel für Geschäfte lockern. Ab 4. Mai dürfen Möbelhäuser im Freistaat wieder öffnen, sagte Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) bei einer Onlinepressekonferenz am Dienstag. Außerdem dürfen Läden, deren Verkaufsfläche die 800 Quadratmeter übersteigen, die Fläche mit Absperrband verkleinern und dann auch wieder öffnen. Auch dürfen Frisöre ab Montag wieder öffnen, ebenso Kosmetik- und Tattoostudios und die Fußpflege. Über die Wiedereröffnung von Einkaufszentren und Malls ist noch keine Entscheidung gefallen.

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