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Corona: Nonnen beten im Auftrag

Manchen fällt der Verzicht derzeit schwer. Die Schwestern aus Marienthal sind Zurückgezogenheit gewohnt. Sie machen Hoffnung - und ein besonderes Angebot.

Schwester Elisabeth Vaterodt ist seit 2016 Äbtissin vom Kloster St. Marienthal.
Schwester Elisabeth Vaterodt ist seit 2016 Äbtissin vom Kloster St. Marienthal. ©  Archivfoto: Rafael Sampedro

Klöster sind seit jeher Orte der Stille und des Schweigens. So auch das Kloster St. Marienthal in Ostritz. Die dortige Klausur ist den Ordensschwestern vorbehalten, hier leben sie zurückgezogen und losgelöst von äußeren Einflüssen. Was für die Marienthaler Nonnen selbstverständlich ist, müssen viele in der Corona-Krise erst lernen: Sich auch mal zurückzuziehen und Stille auszuhalten. Für manche eine schwierige Situation. Wer könnte also besser den Menschen Mut geben, als die Zisterzienserinnen aus Marienthal.

Auf die innere Einstellung komme es an. Das Wichtigste sei, so Äbtissin Elisabeth Vaterodt, mit den Mitmenschen und mit Gott in Frieden zu sein. Dazu gehört auch die Einsicht in die Notwendigkeit der aktuellen Maßnahmen, auch wenn es vielleicht schwer falle, Verzicht zu üben.

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Für die Anliegen der Menschen beten

Verzichten müssen die Zisterzienserinnen an den Osterfeiertagen auch auf die öffentlichen Messen in der Klosterkirche. Wegen der Corona-Pandemie sind Gottesdienste vorerst bis zum 19. April verboten.

"Als Schwestern eines Klosters mit strenger Klausur ist es uns gestattet, weiterhin intern die Heilige Messe zu feiern und das Chorgebet zu halten", erklärt die Äbtissin. Die Gebetszeiten nutzen die Schwestern aktuell ganz bewusst dazu, um in dieser so schwierigen außergewöhnlichen Zeit für die Anliegen der Menschen zu beten. Die Gebetsanliegen können telefonisch, per Post oder per E-Mail dem Kloster mitgeteilt werden. Diese Möglichkeit gebe es nicht erst seit der Corona-Pandemie, weist die Äbtissin hin. Die Zahl der Gebetsanliegen, die an die Schwestern herangetragen werden, habe seit Beginn der Krise noch nicht zugenommen.

Man lernt Dinge wertschätzen

Das Saatreiten am Ostersonntag wird ebenfalls nicht stattfinden und damit auch nicht - wie in den Vorjahren - Hunderte Besucher nach Marienthal locken. Es tue ihr sehr leid, dass die Reiter mit ihren geschmückten Pferden nicht ihre Runde machen können, sagt die Äbtissin. "Manchmal lernt man Dinge wertschätzen, wenn sie nicht da sind", fügt sie hinzu. Die Mutter Oberin sieht in der Zeremonie eine wundervolle Tradition, aber Ostern sei davon nicht zwingend abhängig. Die Schwestern der Abtei werden nach ihren Worten Ostern dieses Jahr so intensiv feiern wie lange nicht, weil alles abfalle, was nicht so notwendig sei.

Gern würde sie auch das Osterfest mit anderen Gläubigen zusammen feiern. Aber die Marienthaler Schwestern respektieren die Anordnung. Auch wenn es aus Sicht der Äbtissin Möglichkeiten gegeben hätte, Gottesdienste abzuhalten und sich trotzdem an die Anstandsregeln zu halten, indem man beispielsweise nur eine bestimmte Anzahl von Gläubigen in die Kirchen hereinlässt. 

Gott nahe zu sein, sei nicht abhängig von Gottesdiensten, richtet sich die Mutter Oberin an alle Gläubigen. "Gott ist überall", betont sie.

Krise ist auch eine Chance

Die Corona-Krise sieht Äbtissin Elisabeth Vaterodt auch als eine Chance, dass die Gemeinschaft danach stärker wird. Dafür sei es aber entscheidend, sein Verhalten zu überdenken. Wenn man nur darauf warte, wann es endlich vorbei ist, und dann wieder alles so mache wie vor der Krise, sieht sie diese Chance vertan. Die Menschen sollten aus der Krise auch lernen, ermuntert die Mutter Oberin alle. Auch wenn die Sorge, dass die Menschen alles aufholen wollen, was sie während der Krise verpasst haben, vorhanden ist, so hat die Marienthaler Äbtissin doch auch große Hoffnungen, dass sich die Menschen danach mehr verstehen und es mehr Solidarität untereinander gibt.

"Mögen die Kranken gesund werden - die Gesunden im Geist der Liebe handeln - und die Gesellschaft vernünftig und solidarisch miteinander umgehen", so ihr Wunsch für die Zukunft. 

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Genauso hofft sie, dass die Menschen wieder mehr zu Gott finden. Das ist nach ihrer Meinung nicht selbstverständlich, denn in schlechten Zeiten werde Gott oft die Schuld für Probleme gegeben, während man in guten Zeiten Gott weniger dankbar sei.

Gebetsanliegen können per E-Mail gesendet werden an:

[email protected]

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