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Wie sich Dynamo jetzt zum Klassenerhalt tricksen will

Trainer Markus Kauczinski verrät, weshalb sich beim verspäteten Neustart für die Dresdner eine neue Regel als ganz nützlich erweist.

Der Trainer ist bei Dynamo mit am Ball – und die Situation auch für Markus Kauczinski völlig neu.
Der Trainer ist bei Dynamo mit am Ball – und die Situation auch für Markus Kauczinski völlig neu. © Foto: Jürgen Lösel

Dresden. Er gibt sich keine Mühe, seine Gedanken zu verschleiern. Doch als Dynamos Cheftrainer zum dritten Mal frank und frei davon spricht, tricksen zu wollen, hält es der Pressesprecher dringend für angebracht, darauf hinzuweisen: „Im legalen Bereich.“ Markus Kauczinski ist kurz erschrocken. „Ja, ja natürlich“, bestätigt er schnell, keine bösen Absichten zu verfolgen – und schiebt hinterher: „Also bitte!“

In diesen Zeiten, in denen Verschwörungstheorien durch angeblich soziale Netzwerke unverhältnismäßigen Nachhall erleben, kann man wohl nicht vorsichtig genug sein. Doch Kauczinski spricht darüber, wie er mit seiner Mannschaft in die Spur kommen will nach zwei Wochen in häuslicher Quarantäne und fast einem Vierteljahr seit dem bislang letzten Spiel, dem Derbysieg gegen Aue.

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Am Samstag konnten die Dresdner wieder als Mannschaft trainieren, haben aber  insgesamt nur sieben Tage Zeit, um sich auf ihren verspäteten Neustart in der 2. Fußball-Bundesliga am Pfingstsonntag gegen den VfB Stuttgart im gespenstisch leeren Rudolf-Harbig-Stadion einzustellen. Sportjurist Christoph Schickhardt nannte das im Interview mit sächsische.de eine Ungerechtigkeit, die nicht zu ändern sei.

Am Wochenende hat Markus Kauczinski mit der Mannschaft auf dem Trainingsplatz im Großen Garten die Vorbereitung auf das Heimspiel gegen den VfB Stuttgart am Pfingstsonntag begonnen. Jetzt ist Dynamo für eine Woche in einem Dresdner Hotel in einem sogenann
Am Wochenende hat Markus Kauczinski mit der Mannschaft auf dem Trainingsplatz im Großen Garten die Vorbereitung auf das Heimspiel gegen den VfB Stuttgart am Pfingstsonntag begonnen. Jetzt ist Dynamo für eine Woche in einem Dresdner Hotel in einem sogenann © Jürgen Lösel

Kauczinski gibt zu, dass er den Leistungsstand seiner Spieler nicht komplett einschätzen kann nach dem Training zu Hause, das eher als Vorbereitung auf die Tour de France durchgegangen wäre, wie er meint. In den ersten Einheiten nach der Arbeit in kleinen Gruppen habe er ein sehr gutes Gefühl gehabt. Das hatte sich jedoch mit den zwei positiven Tests auf Covid-19 im Team und der vom Gesundheitsamt verhängten Ausgangssperre erledigt. „Diese Situation ist für mich auch neu“, meint Kauczinski. „Ich kann nicht einschätzen, wie schnell wir reinkommen und wie gut die Spieler das verpacken. Nach den ersten Tagen gibt es eine Müdigkeit, spürt man Muskelkater durch die anderen Reize.“

Stuttgart-Spiel wird der größte Hammer

Deshalb muss er, und das gibt er unumwunden zu, tricksen. Die schwierigste Herausforderung – oder wie es der Trainer nennt: der größte Hammer – ist es, gleich im ersten Spiel konkurrenzfähig zu sein. „Vielleicht müssen wir Stuttgart als eine Art Übergang nehmen, als Teil der Vorbereitung auf das, was dann kommt.“

Es folgen sieben Spiele in 19 Tagen, bevor es vor dem Saisonfinale am 28. Juni mal eine Verschnaufpause von einer Woche gibt. „Das wird ein Ritt, richtig heftig“, sagt Kauczinski. Für ihn als Trainer wird es bei diesem Programm zur kniffligsten Aufgabe, die Belastung richtig zu dosieren und zu steuern. Verletzungen erscheinen nahezu folgerichtig. „Damit, mir Sorgen zu machen, habe ich es nicht mehr so“, meint der 50-Jährige. „Ich glaube, es kann fast nicht mehr schlimmer kommen: vier Infizierte, Quarantäne, enger Zeitplan. Mittlerweile stumpft man ein wenig ab, auch wenn mir das persönlich nicht gefällt.“

Also versucht er doch, das Beste draus zu machen, indem er – genau – versucht, zu tricksen. Unverfänglicher formuliert: „Wir werden viel Geschick zeigen müssen und brauchen einen guten Plan, um da durchzukommen.“ Das betrifft auch die Aufstellung, denn einen Stammplatz hat bei dem Spiele-Rhythmus bestenfalls der Torwart.

„Wir werden vielleicht auch mal eine komplett andere Elf spielen lassen, mal einen ganzen Mannschaftsblock austauschen“, kündigt Kauczinski an. Die Fußball-Weisheit, ein erfolgreiches Team nicht zu verändern, schreibt er schon mal in den Wind. Vielmehr stellt er sich Fragen, die sich bei einem normalen Saisonverlauf so nie stellen dürften. „Ich muss schauen: Wer hält wie lange durch, wer ist in der Lage, 90 Minuten durchzuspielen? Ich muss personell mehr taktieren.“

"Wir müssen schnell rein kommen", fordert der Chefcoach. Aber Markus Kauczinski kalkuliert auch ein, dass sein Team gegen Stuttgart wegen der Quarantäne-Pause noch nicht wirklich fit sein kann. Er wird sich deshalb etwas einfallen lassen.
"Wir müssen schnell rein kommen", fordert der Chefcoach. Aber Markus Kauczinski kalkuliert auch ein, dass sein Team gegen Stuttgart wegen der Quarantäne-Pause noch nicht wirklich fit sein kann. Er wird sich deshalb etwas einfallen lassen. © Foto: Jürgen Lösel

Eine Chance dazu bietet die vorübergehende Regeländerung, nun fünf- statt dreimal auswechseln zu dürfen. „Das ergibt für uns im Moment absolut Sinn, wenn wir flexibler reagieren und neue Kräfte bringen können“, erklärt Kauczinski.

Zu den Auswärtsspielen lieber fliegen

Abgesehen von der physischen Komponente ergeben sich neue Möglichkeiten, Einfluss auf das Spielgeschehen zu nehmen. „Das meine ich mit tricksen. Man kann zum Beispiel einen Mannschaftsblock wechseln, dadurch schnell mal eine Ausrichtung ändern, einen Plan über den Haufen werfen. Dafür muss man vorher aber einen Plan haben.“

Immerhin sind – bis auf den zuletzt positiv getesteten Profi, der in Quarantäne bleiben musste – derzeit alle einsatzbereit. Was sonst als Floskel schnell dahergesagt ist, um die Bankdrücker und Tribünenhocker zu beruhigen, gilt bei Dynamo jetzt uneingeschränkt: „Fakt ist, wir brauchen jeden Einzelnen“, betont Kauczinski.

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Einen Trick hat er zudem in petto. „Wir versuchen, zu den Auswärtsspielen zu fliegen“´, verrät der Coach. „Wenn man aller zwei, drei Tage spielt und dazwischen jedes Mal acht Stunden im Bus sitzt, wird es für die Jungs vom Kopf her unheimlich schwer.“ Schließlich sollen sie „ihr Herz in die Hand nehmen und einfach machen“, hofft der Trainer – und er verspricht ohne Trickserei: „Wir werden die Kraft entwickeln und noch mehr Energie aufbringen, um für Dynamo zu kämpfen.“

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