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Wie sehen Sie die Welt nach Corona?

Die Pandemie wirkt sich auf die Gesellschaft aus. Fünf prominente Entscheider aus Görlitz haben ihre eigene Sicht auf das Thema.

© Montage: SZ

Ob Kultur, Wirtschaft, Politik oder Tourismus: Die SZ hat fünf Entscheider aus Görlitz gefragt, wie sie die Welt nach Corona sehen. Und das haben sie geantwortet:

Klaus Arauner, Generalintendant des Gerhart-Hauptmann-Theaters:

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...und lassen Sie sich elektrisieren.

Klaus Arauner
Klaus Arauner © Nikolai Schmidt

In Teilen der Gesellschaft wird ein Paradigmenwechsel stattfinden, denke ich. Mangelerfahrungen führen ja oft dazu, dass man vormals als selbstverständlich wahrgenommene Dinge wieder wertzuschätzen lernt. Dass ist ein guter Prozess. Und natürlich lehrt uns die aktuelle Krise Demut und Bescheidenheit. Wer dieser Tage aufmerksam in die Welt blickt, kommt doch gar nicht umhin, die immer stärker um sich greifenden Egoismen und Rücksichtslosigkeiten in Frage zu stellen. Ein gutes Leben ist abhängig von Sensibilität und Solidarität, das wird derzeit deutlich spürbar.

Ulrike Holtzsch, Geschäftsführerin des Städtischen Klinikums Görlitz:

Ulrike Holtzsch
Ulrike Holtzsch © Paul Glaser

Vieles vermisst man erst, wenn es nicht mehr da ist. Und so spüren wir besonders jetzt, wie sehr viele Selbstverständlichkeiten unser Leben vor Corona bereichert haben. Freunde zu treffen, kulturelle Angebote wahrzunehmen, Kinder, Eltern, Angehörige oder Freunde einfach in den Arm zu nehmen, wenn man sich trifft. Die Einschränkungen in den sozialen Beziehungen sind einerseits eine große Belastung. Andererseits liegt in diesem Verzicht auch die Möglichkeit, näher zu rücken, weil wir uns alle mehr miteinander auseinandersetzen müssen, sowohl im beruflichen als auch im privaten Bereich. 

Franziska Schubert, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag:

Franziska Schubert
Franziska Schubert © Ronald Bonß/dpa

Diese Zeit zeigt, was uns in Europa wichtig ist: der unbegründete Spaziergang, einander treffen, einkaufen, reisen, demonstrieren, wann und wo es uns beliebt. Das Recht und Glück, unser Leben selbstbestimmt und frei leben zu können. Und füreinander Verantwortung zu übernehmen. Ich hoffe, dass wir nach Corona die Arbeiten in den Gesundheitsberufen, Schulen und Kindergärten ihrem hohen gesellschaftlichen Wert entsprechend entlohnen. Wir Politiker werden daran erinnert, wie wichtig es ist, die Balance zwischen den individuellen Freiheits- und Bürgerrechten und der Sicherheit der Gemeinschaft zu halten.

Katrin Bartsch, Vorsitzende des Görlitzer Tourismusvereins:

Katrin Bartsch
Katrin Bartsch © Pawel Sosnowski

Wir sehen gerade, was Menschen bewegen können, wenn sie an einem Strang ziehen. Mit Blick nach Italien wissen wir, dass es viel schlimmer hätte kommen können. Das wirklich Anspruchsvolle liegt aber noch vor uns, denn wir sind es nicht gewohnt, Einschränkungen hinzunehmen. Jeder ist nun gefragt, seinen Lebensplan, seine Werte zu überprüfen und solidarischer zu handeln. Für den Tourismus, der gerade so viel einbüßt, wäre es hilfreich, wenn wir mehr in Deutschland Urlaub machen würden, statt oft ins Ausland zu fliegen. Darin liegt auch eine Chance für Görlitz und Umgebung als attraktive Region.

Helmut Goltz, Inhaber der Seilerei Goltz in Görlitz und Mitglied der Mittelstandsvereinigung von CDU/CSU:

Helmut Goltz
Helmut Goltz ©  Archiv/Pawel Sosnowski

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