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Erwartet den Kreis Görlitz die zweite Welle?

Bisher sind die Corona-Zahlen in der Region auf niedrigem Niveau. Die Auswirkungen der Pandemie sind dennoch zu spüren.

Christiane Makosch in ihrem Reisebüro, hier ein Archivbild. Sie weiß noch nicht, wie es weitergeht.
Christiane Makosch in ihrem Reisebüro, hier ein Archivbild. Sie weiß noch nicht, wie es weitergeht. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Aktuell gibt es im Landkreis Görlitz 272 bestätigte Corona-Fälle. Eine Person davon ist mit Covid-19 infiziert. Von den bisher festgestellten Corona-Infektionen gelten bereits 247 Personen als wieder geheilt, so das Landratsamt.  Insgesamt gab es im Landkreis Görlitz bisher 24 Todesfälle in Zusammenhang mit einer Coronavirus-Erkrankung. Das ist der Stand vom Montag.

Inzwischen ist die so genannte "Zweite Welle" wohl im Anrollen. Hat sie Auswirkungen auf den Kreis? Einschätzung des Landratsamtes: Nach den Lockerungen hält sich der Großteil der Bevölkerung auch in der Ferien- und Urlaubszeit an die Regeln.

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Bevölkerung hält sich an Regeln

Ein großer Ausbruch von Corona-Infektionen im Landkreis Görlitz sei damit verhindert worden und es mussten "keine Maßnahmen ergriffen werden, die zahlreiche Einschränkungen zur Folge hätten.“"

Das Deutsche Rote Kreuz geht nach eigenen Angaben derweil von einer zweiten Corona-Infektionswelle aus. Diese werde wahrscheinlich schwächer ausfallen, hieß es. Nicole Porzig vom DRK Landesverband Sachsen: "Wir bereiten uns aktuell auf lokale Hotspots, Untersuchungsstrecken und räumlich begrenzte Quarantänezonen vor." Das Rote Kreuz fordert eine Verzahnung von Sanitäts- und Rettungsdienst unter einer Führungsstruktur. "Wenn eine Gesellschaft krisenfest aufgestellt sein will, darf es keine künstliche Trennung zwischen Berufsrettern und den Freiwilligen im Zivil- und Katastrophenschutz geben", heißt es von der Organsiation. Etwa 90 Prozent des Bevölkerungsschutzes stehe auf ehrenamtlichen Füßen.

Der Bevölkerungsschutz müsse auch auf nicht staatlichen Beinen fest verankert sein. "Es ist nicht auszuschließen, dass Führungsstrukturen einer Kommune oder andere staatliche Strukturen ausfallen", heißt es vom DRK.

Reisebüro kämpft ums Überleben

Ausfall, davon kann Christiane Makosch ein Lied singen.  Die Inhaberin des Görlitzer Reisebüros "Alternativ Reisen" kämpft ums  Überleben. "Zweite Welle? Gab es denn schon eine erste?" fragt sie sich.  Der Schaden, den sie wegen Corona mit ihrem Unternehmen eingefahren hat, geht in die Hundertausende.  

Vor zwei Jahren hat Christiane Makosch das Geschäft an der Hospitalstraße übernommen, seitdem ausgebaut. Und nun? Die Umsätze sind in den Keller gegangen. Die Corona-Angst reist offensichtlich mit. "Spanien funktioniert noch, außerdem Griechenland", schildert  Christiane Makosch.  Völlig weggefallen sind so bisher beliebte Urlaubsziele wie die Türkei oder Ägypten. 

Wie es mit ihrem Geschäft weitergeht, Christiane Makosch weiß es derzeit noch nicht.  "Bis Ende des Jahres halte ich vielleicht noch durch", sagt sie.  Im Moment, sagt Christiane Makosch, lebt sie von ihrem Ersparten. "Lange kann ich das wirklich nicht mehr durchhalten", schildert sie. 

Aus Sicht des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer hat die allseits befürchtete zweite Corona-Infektionswelle derweil längst begonnen.  Der "Rheinischen Post" sagte der CDU-Politiker: "Wir haben jeden Tag neue Infektionsherde, aus denen sehr hohe Zahlen werden könnten." Die Aufgabe bestehe darin, mit den Gesundheitsämtern diese Welle jeden Tag neu zu brechen. "Das klappt erstaunlich gut", sagte er.

Unterschiedliche Meinungen der Experten

 Experten sind unterschiedlicher Meinung zu dem Thema. "Deutschlandweit sind die Zahlen zuletzt gestiegen", sagt der Statistiker Thomas Hotz . Hotz forscht an der TU Ilmenau.  Er betont, die steigenden Zahlen scheinen zumeist auf lokale Ausbrüche zurückzugehen, die beherrschbar seien. "Die Gesundheitsämter haben die Situation gut im Griff", meint er; eine sogenannte zweite Welle gebe es derzeit nicht. Der Epidemiologie-Professor Rafael Mikolajczyk von der Uni Halle sieht bislang keinen Grund zur Panik, da es sich offenkundig bei den Virus-Ausbrüchen  um lokale Geschehnisse handele.

Thomas Neumann ist Apotheker in Görlitz. Er sieht die Corona-Skeptiker eher kritisch.  "Die gesamte Tragweite des Geschehens ist bei manchen Leuten vielleicht noch nicht im Bewusstsein angekommen", sagt er. 

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Auch Landrat Bernd Lange weist darauf hin, dass sich die Lage noch nicht entspannt oder sogar normalisiert habe. Gerade bei den steigenden Temperaturen sollten die Menschen weiterhin die Regeln beachten und größere Ansammlungen meiden, sagt er. 

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