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Wenn der Patient mit dem Tablet chattet

Pflegerin Sophie Kienöl sagt, wie sie und ihre Kollegen die Pandemie meistern. Und warum das Lächeln, mit dem Schwestern sonst ins Zimmer des Klienten treten, fehlt.

Sophie Kienöl ist verantwortliche Intensivpflegekraft bei advita in der alten Post am Görlitzer Bahnhof.
Sophie Kienöl ist verantwortliche Intensivpflegekraft bei advita in der alten Post am Görlitzer Bahnhof. © André Schulze

Beim Pflegedienst advita werden auch Menschen betreut, die außerhalb einer Klinik beatmet werden müssen. Vier Klienten sind es derzeit, einer konnte vor Kurzem in ein Leben ohne Beatmung zurückkehren. Sophie Kienöl ist 24 und bei advita die verantwortliche Intensivpflegekraft. Was jetzt anders ist, erzählt sie hier.

"Eigentlich ist gar nicht so viel anders, was die Versorgung der Menschen betrifft. Wir sind rund um die Uhr für sie in ihrem Haus oder in ihrer Wohnung da, zwei Pflegekräfte für jeweils zwölf Stunden am Tag. Wir arbeiten jetzt grundsätzlich mit Mundschutz. Das ist für die Klienten ungewöhnlich. Denn das Lächeln, mit dem die Schwester sonst ins Zimmer des Klienten tritt, ist nicht zu sehen.

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Unsere Klienten benötigen eine Beatmung, weil sie an der Lunge erkrankt sind. Manche haben eine Trachealkanüle. Ohne unsere intensive Betreuung müssten sie in ein Krankenhaus. So aber können sie in ihrem gewohnten Umfeld bleiben. Natürlich sind sie verunsichert. Denn Logopäden, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten kommen jetzt nur selten zum Hausbesuch zu den Klienten.

Pandemie ist für uns alle eine Herausforderung

Zu dieser Verunsicherung trägt bei, dass Angehörige wegen der Kontaktsperren nicht zu Besuch kommen können. Deswegen haben wir uns etwas einfallen lassen und sind mit einem Tablet unterwegs. Die Klienten können darüber mit ihren Angehörigen im Videochat Kontakt aufnehmen. Dafür sind alle dankbar.

Für uns alle ist die Pandemie eine Herausforderung. Aber wir meistern sie. Bislang ist noch keine Mitarbeiterin ausgefallen, alle haben es hinbekommen, trotz Schul- und Kita-Schließungen. Ich denke, dass die derzeitige Situation uns als Team noch mehr zusammengeschweißt hat. Jeder achtet mehr auf sich und andere, es gibt mehr Kommunikation untereinander. Trotzdem freuen wir uns darauf, wenn wir wieder engeren Kontakt mit allen haben können und Corona nicht mehr das Hauptthema ist.

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