merken
PLUS

Döbeln

Pflegedienst bereit für den Plan B

Die Mitarbeiter der Altenpflege arbeiten an der vordersten Front. Was passiert, wenn sich die Corona-Krise ausweitet?

Schutzbrille, Maske, Handschuhe. Altenpfleger Sebastian Proksch hofft, derart ausgestattet nicht zu den Patienten gehen zu müssen, um sie zu pflegen und mit Einkäufen zu versorgen. Doch es könnte unumgänglich werden.
Schutzbrille, Maske, Handschuhe. Altenpfleger Sebastian Proksch hofft, derart ausgestattet nicht zu den Patienten gehen zu müssen, um sie zu pflegen und mit Einkäufen zu versorgen. Doch es könnte unumgänglich werden. © Dietmar Thomas

Döbeln. Sebastian Proksch hat fürs Foto die Schutzkleidung angelegt. Brille, Maske vor Mund und Nase, Handschuhe. „Man muss die Schleimhäute schützen. Es ist nicht zu verhindern, dass ich auch mal angeniest werde.“ Derzeit würde der 38-jährige Altenpfleger derart martialisch ausgestattet aber noch nicht zu den Frauen und Männern gehen, die er mit seinen Kolleginnen und Kollegen beim Pflegedienst „Pflege zu Hause“ betreut. 

„Wenn nötig, benutzen wir die Schutzkleidung nur nach Vorankündigung. Im Pandemiefall würde sich das nicht vermeiden lassen. Aber es ist wichtig, dass man die Patienten vorher informiert, dass man sie mit Schutzkleidung besucht.“ Proksch sieht die Pflegerinnen und Pfleger als eine „Konstanten der Ruhe“. „Wenn wir in Panik geraten, dann projiziert sich das sofort auf die Patienten.“

Erfüllen Sie sich Ihren Wohntraum

Eine Veränderung wäre doch gut, oder etwa nicht? Tipps zum Thema Einrichtung und Wohnen gibts in einer besonderen Themenwelt von sächsische.de. Ein Blick hinein lohnt sich!

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

Birgit Klingner und Kathrin Langhof, die Chefinnen des Pflegedienstes, haben ein waches Auge auf die Entwicklung der Fallzahlen in der Region. Und sie haben mit ihren mehr als 20 Mitarbeitern einen „Plan B“ entwickelt, falls die Zahlen extrem steigen würden. Denn das Klientel, das der Pflegedienst betreut, gehört zu den besonders Gefährdeten: alte Menschen und viele von ihnen mit schwacher Gesundheit und Abwehrkraft. 

Derzeit läuft die Pflege der Patienten zwar noch in den normalen Bahnen ab. Aber was passiert, wenn die Gefahr der Ansteckung weiter zunimmt? „Wir würden dann eine Art Eins-zu-eins-Betreuung organisieren. Ein Mitarbeiter betreut dann allein drei oder vier Patienten“, sagte Kathrin Langhof. Damit würde verhindert, dass sich die Krankheit in einem größeren Personenkreis verbreiten kann. „Das würden wir mal zwei oder drei Wochen durchhalten. Es ist einfach wichtig, die Patienten gesund durch diese Zeit zu bekommen.“

Die Angehörigen der Patienten müssten beim „Plan B“ teilweise oder ganz die Betreuung übernehmen. „Wir würden dann nur noch die Patienten pflegen, die keine Angehörige haben, die das übernehmen können“, sagte Kathrin Langhof. Schon jetzt gehen die Mitarbeiter bei Bedarf auch für die Patienten einkaufen.

Die Altenpfleger gehören, genau wie die Mitarbeiter in den Krankenhäusern und Arztpraxen, nicht zu dem Personenkreis, der zu Hause im „Homeoffice“ relativ geschützt arbeitet. Kathrin Langhof sieht die Leistungen dieser Berufsgruppe, die jetzt in der „vordersten Front“ steht, nicht angemessen gewürdigt. „Ich hoffe, dass wir nach dieser Krise mehr anerkannt werden. Es ist alles so selbstverständlich geworden“, sagte sie. Auf dem Tisch im Büro liegt ein Dankschreiben von Angehörigen einer Patientin. Das sei aber eine Ausnahme. „Wir bekommen selten ein Dankeschön“, so Kathrin Langhof.

Beim Pflegedienst von Birgit Klingner und Kathrin Langhof betreuen bis zu 25 Mitarbeiter etwa 125 ältere pflegebedürftige Menschen. Mit den meisten Schutzutensilien, Handschuhe, Desinfektionsmittel, hatte sich der Pflegedienst in ausreichenden Mengen bevorraten können. Nur beim Mundschutz gibt es einen Engpass. Aber da wird improvisiert. Die Firma, die die Arbeitsbekleidung liefert, näht den Mundschutz selbst. „Den können wir dann waschen und desinfizieren. Früher hatten wir so etwas bei Operationen“, sagte Kathrin Langhof, die ursprünglich aus dem Gesundheitswesen kommt.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.