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Radeberg

Corona: Pflegeheim bittet Bundeswehr um Hilfe

Zahlreiche Mitarbeiter sind erkrankt, zwei weitere Bewohner starben. Jetzt helfen Soldaten in der Einrichtung in Radeberg.

Mehrere Mitarbeiter des städtischen Alten und Pflegeheims Radeberg sind erkrankt. Jetzt hat die Stadt um Amtshilfe gebeten.
Mehrere Mitarbeiter des städtischen Alten und Pflegeheims Radeberg sind erkrankt. Jetzt hat die Stadt um Amtshilfe gebeten. © Marion Doering

Radeberg. Im städtischen Alten- und Pflegeheim Radeberg hat sich die Lage weiter zugespitzt. Etliche Pfleger sind offenbar an die Grenze ihrer Kräfte angelangt. Nach Angaben des Radeberger Oberbürgermeisters Gerhard Lemm (SPD) haben sich mehrere Mitarbeiter krank gemeldet. „So sind in einem Wohnbereich von den 20 Mitarbeitern 13 ausgefallen. Das ist eine schwierige Situation. Wir müssen ja die Versorgung der Bewohner aufrechterhalten“, sagte er.

Seit Bekanntwerden der Infektionen kurz vor Ostern stehen die Mitarbeiter unter einem enormen Druck. Bei acht von ihnen wurde der Virus nachgewiesen, die befinden sich in Quarantäne. Für andere Pfleger, bei denen der Erreger nicht festgestellt wurde, die aber Kontakt mit Infizierten haben, wurde ein sogenannter „hygienischer Korridor“ angeordnet. Sie gehen im Altenheim ihrer Arbeit nach, stehen zuhause aber unter Quarantäne, eine besonders belastende Situation.

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Wegen der angespannten Personalsituation hat der OB um Amtshilfe bei der Bundeswehr gebeten. „Ich habe mich direkt an das Landeskommando Sachsen gewandt. Zwischen staatlichen Stellen ist ja eine solche Amtshilfe möglich. Meine Anfrage wurde kurzfristig positiv entschieden.“ Sechs Soldaten arbeiten seit kurzem im Pflegeheim. Vier in der Frühschicht, zwei in der Spätschicht. „Sie erledigen Arbeiten ohne direkten Kontakt mit den Bewohnern. Also sie helfen beispielsweise in der Wäscherei aus oder verteilen die Mahlzeiten in die Stationen, wobei die Übergabe an die Bewohner natürlich nur die Pflegekräfte übernehmen.“ Nach Informationen des OB haben sich die Soldaten bereits gut eingearbeitet. 

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Auch Mitarbeiter des Epilepsiezentrums Kleinwachau werden die Pfleger in Radeberg unterstützen. „Ich hatte beim Geschäftsführer Martin Wallmann angefragt. Einige seine Mitarbeiter haben ja beispielsweise wegen der Schließung der Werkstätten oder dem eingeschränkten Betrieb in Kita und Förderschule derzeit weniger zu tun. Drei haben sich bereiterklärt im Pflegeheim zu arbeiten. Die genauen Abstimmungen laufen derzeit“, sagt Lemm. Das Gleiche gilt für eine Medizinstudentin im sechsten Semester. Die Stadt hatte über die Vermittlungshomepage „match4healthcare“ angefragt. Die Studentin hat sich zurückgemeldet. Sie wird demnächst anfangen. Zusätzlich wird ein Mitglied des Vereins „Radeberg hilft“, die Pfleger unterstützen. „Das ist übrigens ein junger Mann, der als Asylbewerber zu uns gekommen ist. Er unterstützt jetzt uns wiederum.“

Um die genaue Zahl an Infizierten zu ermitteln, sollen im Heim Mitarbeiter und Bewohner erneut getestet werden. „Die neuen Testreihen finden ab Dienstag statt. Sie sind notwendig, um herauszubekommen, ob bei negativ getesteten Personen nicht doch die Krankheit ausgebrochen ist“, sagt der OB. Die Proben werden im Heim durch Mitarbeiter des Landratsamtes genommen. Pfleger werden gegebenenfalls in die neu eröffnete Corona-Ambulanz in Radberg überwiesen. Der OB rechnet mit ersten Ergebnissen am Mittwoch oder Donnerstag. „Eventuell sehen wir wieder steigende Infiziertenzahlen.“

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Im Radeberger Pflegeheim waren am Wochenende zwei Bewohner gestorben. Beide waren zuvor positiv auf den Corona-Virus getestet worden. Nach Angaben des OB handelt es sich um zwei Männer im Alter von 81 beziehungsweise 88 Jahren. „Ich möchte den Angehörigen und Freunden der Verstorbenen an dieser Stelle mein tiefstes Beileid aussprechen“, sagte Landrat Michael Harig (CDU). Auch OB Lemm versicherte den Angehörigen seine Anteilnahme. Außerdem bedankt er sich beim Personal: „Die Mitarbeiter zeigen viel Engagement und Verantwortungsbewusstsein“, sagte er. Damit sind insgesamt vier Menschen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie in dem Heim gestorben. Es ist die am schwersten betroffene Einrichtung im Landkreis Bautzen. Im Kreis sind insgesamt sieben Menschen verstorben.

Im Radeberger Alten- und Pflegeheim waren vor Ostern erste Fälle einer Corona-Infektion entdeckt worden. Das Virus wurde zunächst bei zwei Bewohnern und einer Mitarbeiterin nachgewiesen. Am Karfreitag stieg die Zahl der Fälle sprunghaft an. 20 Personen waren positiv auf Covid-19 getestet worden, 18 Bewohner und zwei Mitarbeiter. Am Ostersonnabend spitzte sich die Situation weiter zu. Eine eine erste Bewohnerin des Heims, die mit dem Coronavirus infiziert war, verstarb. Sie war 102 Jahre alt. Insgesamt wurde der Virus bisher bei 39 Personen, 31 Bewohnern und acht Mitarbeitern festgestellt. Landkreisweit gibt es 326 bestätigte Corona-Infektionen (Stand Montag 15 Uhr), teilt das Landratsamt mit. Drei weitere Personen sind wieder gesund. Insgesamt sind bislang 190 Corona-Infizierte im Landkreis Bautzen genesen. Die Zahl der aktuell angeordneten Quarantänen steigt leicht auf 421. Insgesamt konnten bislang 1533 Quarantänen aufgehoben werden. Aktuell werden zehn positiv getestete Personen in einer Klinik behandelt. Es ist derzeit in keinem Fall ein schwerer Verlauf zu verzeichnen.

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