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Altenheime: Endlich wieder miteinander sprechen

Der Besuch in Pflegeheimen ist wegen der Corona-Krise noch immer untersagt. Doch die Ausnahmen nehmen zu, wie Görlitz zeigt.

Gundula Lätsch (rechts) besuchte ihre Mutter Luzie Pietschmann (vorn) im DRK-Altenheim. Mit dabei war Carmen Gahsche. Sie ist Betreuungskraft beim DRK.
Gundula Lätsch (rechts) besuchte ihre Mutter Luzie Pietschmann (vorn) im DRK-Altenheim. Mit dabei war Carmen Gahsche. Sie ist Betreuungskraft beim DRK. ©  Foto: Nikolai Schmidt

Gundula Lätsch ist glücklich, dass sie ihre Mutter Luzie Pietschmann  persönlich sehen kann, auch wenn Umarmungen derzeit noch nicht und Gespräche nur durch die Plexiglasscheibe möglich sind. Die Mutter lebt im DRK-Altenheim in Görlitz-Königshufen. Wegen der Corona-Krise gab es wochenlanges Kontaktverbot, unter dem besonders ältere Menschen in Heimen sehr litten. 

Strikte Regelungen

Doch nun gibt es Lockerungen. Unter bestimmten Voraussetzungen sind Besuche möglich und dürfen Angehörige ihre Lieben in Alten- und Pflegeheimen wieder sehen. Dazu gehören die Einhaltung hygienischer Regeln und die Registrierung der Besucher. Meist darf ein Bewohner eine Person empfangen. Alle Besuchstermine sind mit den Heimen zu vereinbaren, auch Zeitvorgaben gibt es. 

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Beim DRK in Görlitz beispielsweise können für die Zeit zwischen 10 und 16 Uhr Besuche vereinbart werden. Im Halbstundentakt begegnen sich Bewohner und Besucher in einem extra ausgewiesenen Bereich in der Nähe des Einganges zum Altenheim - mit Abstand und hinter einer Plexiglasscheibe. Besuche auf dem Zimmer sind tabu. Lediglich bei Heimbewohnern, die bettlägerig sind, werden Ausnahmen gemacht. Dann ist aber Mund-Nasen-Schutz Pflicht. 

Vorerst auf dem Außengelände

Diese Pflicht besteht auch im Zentralhospital in Görlitz. Es ist eine Pflegeeinrichtung von insgesamt fünf, die die Arbeiterwohlfahrt Oberlausitz (AWO) betreibt. „Die Grundregeln sind alle gleich, aber die Heimleitungen setzen sie einrichtungsspezifisch um“, erklärt Franziska Redmann. Sie ist die Sprecherin der AWO. Auch hier ist das Treffen nur für eine Person mit einem Bewohner nach Anmeldung im Außenbereich möglich. Maximal je fünf Besucher und Bewohner dürfen sich gleichzeitig auf dem Gelände an der Krölstraße befinden – mit Abstand natürlich, betont Frau Redmann. Für nicht so mobile Bewohner richtete die AWO einen speziellen Raum ein, in dem es allerdings eine Abtrennung durch Plexiglas gibt. 

Einsichten sind auf allen Seiten nötig

Erst seit dieser Woche dürfen Besucher ihren Angehörigen wieder im Seniorenheim des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) am Grenzweg in Görlitz-Rauschwalde treffen. Zuvor gab es die Begegnungen nur draußen in einem Pavillon. Jetzt steht die Cafeteria zur Verfügung. Aber auch hier sind eine Terminvereinbarung und Mund-Nasen-Schutz erforderlich. Nur bei Geburtstagen dürfen zwei Gäste kommen, ansonsten nur einer, erklärt Heimleiterin Cornelia Brussig. Sie hofft, dass es Verständnis gibt, wenn nicht alle Befindlichkeiten bei jedem Einzelnen berücksichtigt werden können. „Einsichten sind auf allen Seiten nötig“, sagt sie und ist froh, dass sich die Diskussionen im Rahmen halten. „Es ist keine einfache Situation, weder für die Bewohner noch für die Angehörigen und auch nicht für das Personal“, sagt sie.

Das sehen offenbar einige Angehörige von Bewohnern im Zentralhospital anders. „Die meisten Angehörigen sind kooperativ“, sagt Heimleiterin Jana Nickolmann. Aber es gebe eben auch etliche Gäste, die die Besuchsregeln missachten. „Das artet manchmal in wenig manierliche Diskussionen aus“, erklärt sie. Es sei ein schwieriger Spagat, die coronabedingten Regeln und die persönlichen Freiheiten in Einklang zu bringen. „Der Respekt voreinander sollte aber gewahrt bleiben“, fordert Frau Nickolmann. 

Kathrin Nachtigall, Leiterin des Pflegestifts Rauschwalde, ist sehr froh, dass sich alle Angehörigen der Bewohner verständnisvoll für die Maßnahmen zeigen. "Wir vertrauen  darauf, dass sie besonders bei demenzkranken Bewohnern mithelfen, die Regeln einzuhalten", erklärt die Leiterin. 

Viel mehr Arbeit für das Personal

Wie andere Heimleiter auch verweist sie darauf, dass der Besuch von Angehörigen für Heimleitung und Personal eine ganze Menge an zusätzlichem Aufwand und Arbeit bedeutet: Terminvereinbarung, den Bewohner zum Treffpunkt bringen, die Einhaltung der Regeln kontrollieren, registrieren und vieles mehr. Im Pflegestift wird zudem täglich bei den Bewohnern kontrolliert, ob möglicherweise Symptome vorhanden sind, die auf eine Infektion deuten. "Das heißt unter anderem täglich Fieber messen", erklärt Frau Nachtigall. 

Noch immer Ängste vor einer Infektion

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Auf eine andere Sorge weist Doreen Lorenz hin. Sie ist Sprecherin der Diakonie St. Martin in Rothenburg. Offenbar habe niemand im Blick, was Besuche für Pflegeheime, das Pflegepersonal und die Bewohner bedeuten. „Was, wenn eine neue Corona-Infektion in einem Heim ausbricht?“ fragt sie. „Wir haben alle gesehen, wie anfällig gerade ältere und kranke Menschen sind und wie schnell sich das Virus verbreiten kann, wenn Menschen eng zusammenleben.“ Die zusätzliche psychische Belastung durch die Angst einer möglichen Infektion bleibe in den Heimen hoch, erklärt sie. 

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