merken
PLUS

Döbeln

Pinsel schwingen in der Krise

Mancher nutzt die Zwangspause zum Renovieren. Die Baumärkte haben noch offen. Der RHG-Vorstand sieht das mit gemischten Gefühlen.

Im Old Town Pub Döbeln wird während der Corona-Pause renoviert. Nicole Morgenstern, Claudia Junge, Denise Klette (von links) schwingen den Pinsel.
Im Old Town Pub Döbeln wird während der Corona-Pause renoviert. Nicole Morgenstern, Claudia Junge, Denise Klette (von links) schwingen den Pinsel. © Dietmar Thomas

Döbeln. Denise Klette und Nicole Morgenstern hocken auf dem Boden und streichen die Dielen mit breiten Pinseln braun an. „Wir haben die letzten Kanister Fußbodenfarbe im Baumarkt erwischt“, sagt Denise Klette, Chefin des Old Town Pub an der Theaterstraße, Die Mannschaft der beliebten Gaststätte nutzt die Corona-Zwangspause, um einige Arbeiten zu erledigen, für die sonst keine Zeit ist. „Wir richten vor. Vorn wird nur der Fußboden gestrichen. Hinten in der Rockkantine wird alles neu“, erzählt die 32-Jährige. Nach dem Motto „Selbst ist die Frau“ hatten sie vorher auch die Dielung abgeschliffen.

Denise Klette hat die Mannschaft – insgesamt acht Festangestellte – in Kurzarbeit geschickt. Der Arbeitseinsatz ist freiwillig. „Was sollen wir denn die ganze Zeit zu Hause machen“, sagt Nicole Morgenstern. Stück für Stück soll das Lokal vorgerichtet werden. Nur keinen Stress. Erst einmal ist bis 20. April geschlossen. „Wenn es eine Ausgangssperre gibt, dann wird es schlecht“, so die Chefin.

Anzeige
Gemeinsam allem gewachsen

Die Sparkassen-Versicherung Sachsen ist auch in dieser außergewöhnlichen Situation für ihre Kunden da.

Der Old Town Pub hatte am Dienstag geschlossen. Eigentlich dürften Gaststätten noch öffnen. Aber nur bis 18 Uhr. „Wir haben keinen Mittagstisch und öffnen um 17Uhr. Für uns lohnt sich das nicht“, sagt Denise Klette. Für die Gastronomin ist das eine schwierige Situation. Zinslose Kredite als Hilfe zur Überbrückung bringen sie nicht weiter. „Kredite habe ich noch seit dem letzten Hochwasser“, sagt sie. Da war die Gaststätte schwer beschädigt worden. Vor zehn Jahren hatte die 32-Jährige den Pub übernommen – der Jahrestag, der 2.April, fällt nun genau in die Schließzeit. „Wir haben das Hochwasser 2013 mitgemacht und jetzt das. Viel schlimmer geht es nicht.“

Auch Kay Leupold will mit seiner Mannschaft ab der kommenden Woche die Zwangspause nutzen und renovieren. Der Chef des Fitnessstudios Feminin- und Masculinbodies an der Bäckerstraße hat sich in diesen Tagen im Baumarkt mit den nötigen Utensilien und Farbe eingedeckt. „Wir werden eine Grundreinigung vornehmen und die Wände streichen, die es nötig haben“, sagt er. 

„Wenn wir dann wieder aufmachen, werden wir die ganze Kraft in das Neukundengeschäft legen können.“ Bisher gebe es aufgrund der Corona-Krise zwar noch nicht viele Kündigungen. Wegen der Inaktivität kommen aber auch keine neuen Kunden dazu, um die natürliche Fluktuation auszugleichen. „Das bricht uns völlig weg.“ Erst einmal ist die Schließung bis 20. April vorgesehen. In Leupolds Studios arbeiten fünf Mitarbeiter. „Einen Monat hält man das mal durch. Aber man hat ja auch nicht so viele Rücklagen“, sagt er.

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<< 

Die Kundschaft der Fitnessstudios ist besonders gesundheitsbewusst. „Am letzten Tag waren die Studios voll“, sagt Kay Leupold. Damit die Kundschaft auch in der Korona-Krise aktiv bleibt und eine Gegenleistung für ihre Mitgliedschaft bekommt, stellt ihnen Leupold ein Hometrainingsprogramm auf einem Portal im Internet zur Verfügung, damit sie zu Hause Trainingseinheiten absolvieren können.

Auf die Idee, die Arbeits-Zwangspause produktiv zu nutzen, sind offenbar viele gekommen. In den vergangenen Tagen sei die Nachfrage in den Baumärkten gestiegen, sagt Torsten Hamann, Vorstand der RHG, die Baumärkte unter anderem in Döbeln, Leisnig und Waldheim betreibt. Allerdings sei das Frühjahr immer die Hauptumsatzzeit. Die Kunden decken sich mit Farbe, Gartenbedarf und Pflanzen ein, um die viele Freizeit sinnvoll zu nutzen.

Hamann sieht das mit gemischten Gefühlen. „Wir sind weit davon entfernt, zu jubeln, dass wir nicht schließen müssen. Wir wollen unseren Versorgungsauftrag gern erfüllen, Aber es ist nicht festzustellen, dass die Kunden in der Krise sehr aufpassen. Das ist kritisch für die Kunden selbst und für die Mitarbeiter.“ Die RHG setzt in ihren 14 Markten in Mittel- und Nordsachen und im Erzgebirge Sicherheitsmaßnahmen um. „Das oberste Ziel ist der Schutz unserer Mitarbeiter. Bei den Kunden gibt es eine Menge Aufklärungsbedarf“, sagt Hamann. 

Die Kassen werden mit Spritzschutz versehen und die Kunden durch Aushänge auf die Hygieneregeln hingewiesen. Mit Markierungen sollen sie zum Einhalten von Mindestabständen gebracht werden. Die Mitarbeiter werden mit Handschuhen und Desinfektionsmitteln ausgerüstet. „Unsere Leute sind die Helden in dieser Krise genau so wie die Mitarbeiter in den Krankenhäusern, den Einkaufsmärkten und alle anderen“, so Hamann.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.