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Corona: Pirna sagt Stadtfest ab

Die große Freiluft-Sause, geplant vom 19. bis 21. Juni, wird es in diesem Jahr nicht geben. Für Kritiker kommt diese Entscheidung viel zu früh.

Stadtfest in Pirna: Die Absage ist unverschämt, inakzeptabel und unfair.
Stadtfest in Pirna: Die Absage ist unverschämt, inakzeptabel und unfair. © Marko Förster

Die Gerüchte hielten sich schon die ganze Woche, nun haben sich die bislang vagen Vermutungen bestätigt: In Pirna fällt die erste große Freiluft-Sause der Corona-Pandemie zum Opfer. Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos) sowie die Kultur- und Tourismusgesellschaft Pirna (KTP) als Veranstalter haben das Stadtfest, geplant vom 19. bis 21. Juni, abgesagt.

Wie die Stadt auf Nachfrage von Sächsische.de mitteilt, habe man sich nach intensiver Diskussion mit dem Veranstalter letztlich für diesen Schritt entschieden. Seit Beginn der Corona-Krise sei diese Option jeden Tag wahrscheinlicher geworden. "Es wäre fahrlässig gewesen, dieses Szenario nicht mit zu betrachten", sagt Stadtsprecher Thomas Gockel. Nach den vorliegenden wissenschaftlichen Studien zum weiteren Verlauf der Pandemie gehe die Stadt davon aus, dass ein unbekümmertes Feiern in zwei Monaten noch nicht möglich sein werde. Daher wäre es ebenso fahrlässig, so Gockel, jetzt falsche Hoffnungen zu machen und Dinge in Aussicht zu stellen, die jeden Tag unwahrscheinlicher würden.

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Obwohl es sich um eine Freiluft-Fete handelt, befürchtet die Stadt, dass sich die Menschen auch dabei anstecken könnten. Nach Aussage des Rathauses sei es gerade beim Stadtfest Tradition, dass man durchaus dicht an dicht beieinander sitze und in Feierlaune auf den gebotenen Sicherheitsabstand verzichte. Dieser Sicherheitsabstand sei auch nicht bei den Konzerten auf dem Obermarkt zu gewährleisten.

Keine leichter Schritt

Pirna, so beteuert das Rathaus, bedauere diese Entscheidung sehr. "Es ist uns nicht leicht gefallen, diesen Schritt zu gehen. Dieser kulturelle Höhepunkt gehört einfach zum kulturellen Leben unserer Stadt dazu", sagt Hanke. Auf der anderen Seite fehle den Veranstaltern jedoch jegliche Vorstellungskraft, wie sich bereits im Juni zahlreiche Menschen unter anderem auf dem Markt treffen können, ohne Angst vor Ansteckungen zu haben. Dem diesjährigen Fest sei aufgrund der grassierenden Unsicherheit bereits jetzt jegliche Leichtigkeit verloren gegangen. "Umso wichtiger ist es uns, Klarheit zu schaffen", sagt Hanke. 

Sobald sich die Situation normalisiert hat, sollen auch wieder Veranstaltungen stattfinden. Die Vorbereitungen dazu laufen bereits im Hintergrund. "Die Pirnaer haben gerade nach zwei Hochwassern gezeigt, dass sie auch spontan feiern können, wenn es die Situation wieder zulässt", sagt KTP-Geschäftsführer Christian Schmidt-Doll.  Er sei sich sicher, dass es gelingen werde, nach überstandener Krise eine ausgelassene Sause mit vielen Partnern auf die Beine zu stellen, ohne dabei Angst zu haben, dass sich jemand anstecke. Was genau und wann das sein soll, lässt Schmidt-Doll jedoch offen.

Einfallslos und unprofessionell

An der einsamen Entscheidung von Hanke und der KTP gibt es heftige Kritik. "Ich habe vehement dagegen gesteuert, auch darauf gedrängt, erst einmal abzuwarten, weil es ein falsches Zeichen an die Händler und Gastronomen unserer Stadt zum jetzigen Zeitpunkt ist", sagt Ralf Böhmer, Fraktionschef der Freien Wähler im Stadtrat. Wenn überhaupt, könne auch zu einem späteren Zeitpunkt gehandelt werden. Auf den Zug der Hysterie aufzuspringen, sei nicht nur einfallslos, sondern auch äußerst unprofessionell. Laut Böhmer sei nicht einmal der Ältestenrat in diese Entscheidung involviert gewesen.

Auch beim Kreissportbund (KSB), der zum Stadtfest die Sportmeile auf den Elbwiesen veranstaltet, ist das Unverständnis groß. "Die Entscheidung ist unverschämt, inakzeptabel und unfair", sagt KSB-Chef Dietmar Wagner. Der Zeitpunkt für eine Absage sei viel zu früh, auch könne die Stadt nicht so einfach - zumal ohne jegliche Absprache - über eine KSB-Veranstaltung bestimmen. Im Notfall hätte man das Stadtfest auch noch Ende April problemlos canceln können. 

Laut Böhmer will der Ältestenrat sein Veto gegen die Entscheidung einlegen.

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