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"Senioren leiden am meisten"

Das Zentrum für Begegnung, Beratung und Bildung in Pirna kümmert sich vorangig um ältere Menschen. Keine leichte Aufgabe in Zeiten von Corona.

Martina Dittrich ist Seniorenbegleiterin in Pirna.
Martina Dittrich ist Seniorenbegleiterin in Pirna. © Daniel Schäfer

Der Name sagt es schon. Eigentlich möchte  das Zentrum für Begegnung, Beratung und Bildung (ZBBB) in Pirna Kontakte schaffen und Menschen zusammenbringen. Zielgruppe sind vor allem ältere Personen. Doch das ist in Zeiten, in denen die Menschen Abstand halten sollen, besonders schwer. Auch die 18 ehren- und hauptamtlichen Seniorenbegleiterinnen des ZBBB merken das und können nur noch eingeschränkt für die Senioren da sein. SZ sprach über aktuelle Hilfsangebote mit Martina Dittrich. Sie ist seit April 2019 die Vorstandsvorsitzende des ZBBB.

Frau Dittrich, Kontaktsperre und Ausgangsbeschränkungen. Leiden jetzt besonders die älteren Menschen unter diesen Vorsichtsmaßnahmen, die der Eindämmung der Pandemie dienen?

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Ja, die Senioren leiden am meisten. Sie sind besonders schlimm betroffen. Ihnen fehlt die Ansprache, viele fühlen sich alleine und einsam. Sie können sich nicht mehr mit anderen im Café treffen oder gemeinsam kulturelle Veranstaltungen besuchen. Ich selber betreue eine 95-jährige Dame, die sehr kulturinteressiert ist. Ein Besuch in der Semperoper oder eines Konzertes ist nicht möglich. Aber viele Senioren haben auch Angst vor einer möglichen Ansteckung und verzichten deshalb von sich aus derzeit auf Besuche von ihren Seniorenbegleiterinnen und wählen somit selbstbestimmt die Isolation.

Welche persönlichen Rückmeldungen bekommen Sie von den Senioren?

Ich habe den Eindruck, dass die meisten die aktuellen Schutzmaßnahmen akzeptieren und auch befolgen, auch wenn ihnen das persönliche Gespräch von Angesicht zu Angesicht fehlt. So wie sie auch ein Händestreicheln oder eine liebevolle Umarmung vermissen. Schwieriger ist es bei älteren Menschen, die unter Demenz leiden. Ihnen die Situation zu erklären, ist nicht einfach. Sie verstehen die Einschränkungen nicht. Besonders für diejenigen, die eine Weglauf-Tendenz aufweisen, ist es schwer, da sie in ihrer Wohnung oder auch im Heim momentan nur sehr eingeschränkte Bewegungsfreiheit haben. 

Wie können die Seniorenbegleiterinnen denn jetzt überhaupt helfen?

Ich persönlich mache es so, dass ich jeden zweiten oder dritten Tag bei ,meiner' Seniorin anrufe, um zu fragen, wie es geht. Wir reden meistens über persönliche Themen wie Kinder und Familie, aber auch über ganz Alltägliches, wie zum Beispiel das Wetter. Ich höre manchmal eine versteckte Angst aus ihren Worten. Zwar ist das ZBBB in Pirna selber für Veranstaltungen geschlossen, aber die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter  sind derzeit über ein Sorgentelefon erreichbar. Diese Möglichkeit kann vor allem von Senioren, Angehörigen und Hilfsbedürftigen sowie von Menschen genutzt werden, die sich in diesen Tagen isoliert fühlen und doch viele Fragen haben.Das Angebot wird auch gut angenommen.

Ganz konkret: Können die Seniorenbegleiterinnen aktuell noch Einkäufe übernehmen, was ja auch mit zu den Hauptaufgaben zählt?

Ja, das machen wir. Allerdings nicht gemeinsam mit der zu betreuenden Person. In den meisten Fällen wird telefonisch erfragt, welche Lebensmittel oder Haushaltswaren  notwendig sind. Nach dem Einkauf wird die Ware dann an der Tür abgegeben. Wenn jemand sehr stark körperlich eingeschränkt ist, dann dürfen die Begleiterinnen auch die gewünschte Ware in die Wohnung bringen, um sie zu verstauen oder eine Mahlzeit daraus zuzubereiten. Das muss allerdings unter den strikten Hygieneschutzmaßnahmen erfolgen. Unsere Mitarbeiter nutzen in solchen Fällen Handschuhe und Mundschutz.

Wie sollten sich Nachbarn verhalten, wenn allein stehende ältere Menschen in der Nähe wohnen?

In vielen Fällen kümmert sich die Familie. Aber wer bemerkt, dass ein älterer Nachbar Hilfe benötigt, sollte nicht scheuen, diese anzubieten. Das kann beispielsweise das Heraustragen des Mülls sein oder auch das Angebot, ob man vom Supermarkt etwas mitbringen soll. Ebenfalls  ist hier natürlich das Einhalten des Mindestabstands wichtig.

Das Gespräch führte Mareike Huisinga. 

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