merken
PLUS Pirna

"Die Situation ist dramatisch"

Der Geschäftsführer vom Kinopalast Pirna klagt über einen erheblichen Besucherrückgang. Das liegt auch an den Hygienemaßnahmen.

Michael Pawlowski ist der Chef vom Kinopalast Pirna. Er macht sich Sorgen um die Zukunft der Kinobranche.
Michael Pawlowski ist der Chef vom Kinopalast Pirna. Er macht sich Sorgen um die Zukunft der Kinobranche. ©  privat

Der deutsche Kinomittelstand sieht sich in seiner Existenz bedroht. In einem offenen Brief an Kulturstaatsministerin Monika Grütters fordern die Filmtheater deshalb kurzfristig weitere Hilfen und einen Kinogipfel. Betroffen ist ebenso der Kinopalast Pirna. SZ sprach über die Problematik mit Michael Pawlowski, Mitgesellschafter der „filmpalast Gruppe“, zu der auch der Kinopalast Pirna gehört.

Herr Pawlowski, wie schlimm ist die Situation in Pirna?

Autohaus Dresden
Eines der besten Autohäuser in Deutschland
Eines der besten Autohäuser in Deutschland

Dresden braucht starke und innovative Unternehmen, wie das Autohaus Dresden. Der Opelhändler ist seit über 25 Jahren tief mit der Region verwurzelt.

Dramatisch. Seit dem Lockdown im März und der nur zögerlichen Wiedereröffnung im Mai haben wir über 60 Prozent Besucher weniger. Für das Kino in Pirna sind das in Zahlen ausgedrückt 22.000 bis 23.000 Personen. Unser Ertragsergebnis ist um 200 Prozent eingebrochen, das bedeutet ein Minus von über 100.000 Euro. 

Welche konkreten Hygieneregeln gelten derzeit in dem Pirnaer Kino?

Die Besucher müssen einen Abstand von 1,5 Meter einhalten. Somit können wir  lediglich  25 Prozent der normalen Platzkapazität zur Verfügung stellen. Außerdem bieten wir Desinfektionsspray an, Abstandsmarkierungen sind aufgeklebt und es gilt Mund-Nasenschutz-Pflicht  vom Foyer bis zum Platz. Wir organisieren die Läufe so, dass sich Herein- und Herauskommende möglichst nicht begegnen. 

Haben Sie Verständnis für diese Regeln?

Nein, denn Studien belegen, dass die Aerosol-Belastung in den Kinosälen wegen der sprachlosen Situation entsprechend gering sind. 

Wie lauten Ihre konkreten Forderungen, damit es den Kinos wieder besser geht? 

Die Abstandsregelung müssen gelockert werden, damit wieder mehr Besucher kommen können. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise gelten solche Lockerungen. Meines Wissens ist es dort nachweislich nicht zu Infektions-Ansteckungen in den Kinos gekommen. 

Wenn also mehr Karten verkauft werden dürfen,  würden wieder auch mehr Besucher in die Kinos kommen? Die Nachfrage ist da? 

Ja, davon gehe ich aus. Dazu gehört aber auch, dass die Kinos wieder mit aktueller und frischer Filmware versorgt werden müssen. In unseren tschechischen Kinos konnten wir beispielsweise beobachten, dass mit dem Start von zwei tschechischen ,Blockbustern' die Besucherzahl um das vier- bis fünffache angestiegen ist. 

Was ist das Problem? 

In Deutschland werden zahlreiche Filmproduktionen mit staatlichen Mitteln gefördert. Diese Filme liegen fertig in den Schubladen, werden aber nicht gezeigt, da die Verleihunternehmen befürchten, aufgrund der Platzeinschränkungen kämen nur wenige Besucher. Das ist dann nicht wirtschaftlich. Insofern beißt sich die Katze in den Schwanz und die Kinobesitzer befinden sich in einem Teufelskreis.   Zudem appelliert der Deutsche Kinomittelstand an die Bundesregierung, das Auswertungsfenster für internationale Produktionen gesetzlich zu regeln. Deutsche, staatlich geförderte Kinoproduktionen dürfen gemäß geltendem Recht erst nach sechs Monaten auf Streamingportalen gezeigt werden. Große US-Studios wie Universal haben diesen Zeitraum in den USA inzwischen auf nur 17 Tage reduziert, was zu einer Wettbewerbsverzerrung führt. Wir müssen eine solche Entwicklung hier bei uns verhindern.

Da wichtige Veranstaltungen wie der HDF-Kongress in Baden-Baden, die internationale Kinomesse in Barcelona und auch die Filmmesse in Köln ausfallen mussten, fordern wir  Kinounternehmer die Kulturstaatsministerin auf, einen Kinogipfel einzuberufen. Dort könnte man gemeinsam Überlegungen entwickeln, wie man der dramatischen Situation der mittelständischen Filmtheaterunternehmen begegnen könne. Im Klartext: Wir bringen jeden Tag Geld aus der privaten Schatulle mit, um die Kinos zu öffnen und brauchen folglich mehr Hilfe vom Staat. Der Ertragsausfall muss kompensiert werden. Die Überbrückungsmittel vom Staat sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. 

Sie zeichnen ein düsteres Bild. Auf welche Höhepunkte können sich die Kinobesucher in Pirna dennoch freuen?

Ab dem 26. August läuft nun der erste große Film in der Corona-Zeit: Tenet. Es handelt sich um einen Thriller mit John David Washington. Tenet ist der elfte Spielfilm des Regisseurs Christopher Nolan und wird als episches Action-Abenteuer beschrieben, das in der Welt der Spionage spielt. Und dann hoffen wir natürlich, dass wir im November den neuen James-Bond-Steifen "Keine Zeit zu sterben" zeigen können. 

Mehr Nachrichten aus Pirna lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen. 

Mehr zum Thema Pirna