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Löbau

Schönbacher Politikerin in Quarantäne

Eine Kollegin von FDP-Kreis-Chefin Christine Schlagehan wurde positiv auf Corona getestet. Weitere Mitarbeiter eines Staatsbetrieb in Bautzen bleiben zu Hause.

Christine Schlagehan ist in Corona-Quarantäne. Normalerweise ist sie viel unterwegs und kandidierte schon für Landtag oder auch den Löbauer OB-Posten.
Christine Schlagehan ist in Corona-Quarantäne. Normalerweise ist sie viel unterwegs und kandidierte schon für Landtag oder auch den Löbauer OB-Posten. © Rafael Sampedro (Archiv)

Christine Schlagehan bleibt nichts weiter übrig, als zu warten. "Am Sonnabend soll das Testergebnis da sein", sagt die Mutter von zwei Schulkindern und einer erwachsenen Tochter am Telefon. Die FDP-Kreisvorsitzende befindet sich jetzt in Quarantäne wegen des neuen Coronavirus. Darüber hatte sie auf ihrer Facebook-Seite informiert. Am Donnerstagmorgen wurde der Test bei ihr gemacht: Nasen- und Rachenabstrich – durchgeführt vom Amt in ihren eigenen vier Wänden. Nicht schmerzhaft. Aber die Ungewissheit, ob sie sich infiziert hat, ist nun groß. "Ich gehöre als Diabetikerin mit zu den Risikopatienten", sagt die Schönbacherin.

 Bisher sei sie fast symptomfrei. Etwas Husten zwar und seit dem Wochenende eine Art "kleiner Infekt." Ansonsten gehe es ihr gut. Zweimal täglich soll sie nun ihre Körpertemperatur messen und eine Art „Tagebuch“ über mögliche Symptome führen, angeben, mit wem sie Kontakt hatte und welche Aktivitäten sie durchführte.

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"Eine Kollegin, die in Österreich im Urlaub war, ist positiv auf das Coronavirus getestet worden", erklärt die Schönbacherin die Hintergründe. Deshalb habe sie sich auch eigenständig bei den Behörden gemeldet, um zu hinterfragen, ob sie einen Corona-Test bekommt. Noch bis gestern Mittag war sie in Bautzen auf Arbeit beim Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) gewesen. Christine Schlagehan arbeitet zwar im Kreis Bautzen - wohnt aber im Kreis Görlitz. Darum machte auch das Gesundheitsamt Görlitz den Test. Damit zählt sie nun zu den aktuell 85 Verdachtsfällen im Kreisgebiet. 15 Infizierte sind das mit Stand vom 19. März gewesen. Auf einer Pressekonferenz hatte Amtsärztin Annegret Schynol die neuen Zahlen genannt.

Bautzener Staatsbetrieb von Quarantänefällen betroffen

Dass es in seinem Hause eine Infizierte und sechs daraus resultierende Verdachtsfälle gibt, bestätigt auch Jaroslaw Golaschewski, der Niederlassungsleiter des SIB auf Nachfrage. Die Kollegin, bei der das Virus ausgebrochen ist, habe sich nach ihrem Skiurlaub gemeldet, erklärt Golaschewski. Sie sei symptomfrei und wolle arbeiten kommen. Als die Frau nach einem halben Tag im Büro dann aber doch Krankheitsanzeichen zeigte, sei sie nach Hause geschickt und vorsorglich freigestellt worden, schildert der Niederlassungsleiter. "Bis sie einen Test machen konnte und das Ergebnis auch vorgelegen hat, ist insgesamt rund eine Woche vergangen", erklärt der Bautzner SIB-Chef weiter. Sich bereits ohne Symptome testen zu lassen, weil man aus einem Risikogebiet gekommen ist, sei ohnehin äußerst schwierig.

Das Gesundheitsamt habe nun für die betroffenen Kollegen eine 14-tägige Quarantäne angeordnet. Sie kommen nach SZ-Informationen unter anderem aus Hochkirch, Belgern, Steinigtwolmsdorf und Schönteichen. "Wenn es den Kollegen gut geht und es möglich ist, können sie aber per Homeoffice weiter arbeiten", sagt Jaroslaw Golaschewski. Die Aufregung in der Behörde ist erst einmal groß – und die Ansteckungsgefahr in einem Gebäude mit gemeinsam genutzten Büros, Teeküchen und Toiletten natürlich auch. Auf den vier Etagen in dem Gebäude sollen nach SZ-Informationen etwa 100 Menschen arbeiten.

Getrennte Mahlzeiten in der Familie

Christine Schlagehan hat keine Angst, wie sie sagt. Sorgen macht sie sich trotzdem: Ihre Kinder wurden nicht unter Quarantäne gestellt und auch nicht getestet. Das werde erst dann veranlasst, wenn ihr Test positiv ausfalle. Bis das Ergebnis kommt, dauert es aber noch zwei Tage. Auflage vom Gesundheitsamt ist unter anderem – so steht das auf dem Schreiben, was sie bei Facebook einstellte – dass sie möglichst eine zeitliche und räumliche Trennung innerhalb der Familie einhält. Keine gemeinsamen Mahlzeiten zum Beispiel. "Dabei hat man mit den eigenen Kindern in der Regel engen Kontakt", sagt sie.

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Den versucht sie nun – auch wenn das schwer fällt – zu verringern, lässt die Kinder trotzdem vorsichtshalber zu Hause, obwohl es dafür keine ausdrückliche Anordnung gegeben hätte. "Zum Glück haben wir hier einen eigenen Garten", sagt die 44-Jährige. Den Kontakt mit den über 60-jährigen Eltern und der Großmutter hatte sie bereits vor mehr als einer Woche eingeschränkt und auf Telefonate reduziert - als Vorsichtsmaßnahme, weil für ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen das Virus gefährlicher sei, als für Jüngere. Am Sonnabend, so hofft sie, hat sie Gewissheit über das Testergebnis.

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