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Leben und Stil

Stößt das Internet an seine Grenzen?

Immer mehr arbeiten von zu Hause aus – auch viele Schüler. Manche Dienste wie Lernsax sind überlastet. Was Netzbetreiber und Anbieter jetzt unternehmen.

Über den Knoten des Betreibers DE-CIX in Frankfurt am Main läuft ein Großteil des deutschen Datenverkehrs.
Über den Knoten des Betreibers DE-CIX in Frankfurt am Main läuft ein Großteil des deutschen Datenverkehrs. © DE-CIX

Unterricht daheim am PC: Das Internet macht’s möglich. Viele Schulen in Sachsen nutzen dafür das Online-Netzwerk Lernsax. Doch schon Anfang der Woche stieß das System immer wieder an seine Grenzen. Am Mittwoch erklärte der Betreiber, das Landesamt für Schule und Bildung (Lasub), die Plattform laufe „nahe oder auch schon ein Stück über dem Limit“.

Bis zu 650.000 Sessions gleichzeitig hätten dazu geführt, dass Nutzer erst nach mehreren Stunden eine Freischaltbestätigung vom System erhielten. „Auch beim Seitenaufbau und bei rechenintensiven Vorgängen sehen wir zunehmend Verzögerungen“, erklärte Jens Drummer vom Lasub auf Nachfrage der SZ. Viele Lehrer haben sich in der Zwischenzeit beholfen und Aufgaben für die nächste Woche per Mail an ihre Schüler weitergeleitet.

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Mittlerweile ist aber Besserung in Sicht. Kultusminister Christian Piwarz (CDU) verkündete am Donnerstag, dass die Kapazitäten am Wochenende noch einmal erhöht werden. Dafür werde die Plattform voraussichtlich am Freitag und über das Wochenende zeitweise nicht erreichbar sein. Bei Opal, dem anderen Online-Lernmanagement-System, das an sächsischen Schulen verwendet wird, habe es keine Beschwerden wegen derartiger Probleme gegeben, so Drummer.

Verstärkten Datenverkehr verzeichnen derzeit auch jene Online-Dienste, die für das wachsende Heer der Heimarbeiter wichtig oder gar unverzichtbar sind. Dazu zählen Kommunikationslösungen wie Slack, Zoom oder Microsoft Teams, aber auch Projektplanungssoftware wie Trello, Hive oder Asana. So klagten beispielsweise am Montag viele europäische Nutzer der Microsoft-Plattform Teams über Server-Störungen und Schwierigkeiten beim Einloggen. Der Softwarekonzern bestätigte die Probleme, verriet aber nicht, ob sie mit verstärkt genutzten Homeoffice-Plätzen zu tun haben.

Die Internet-Servicebetreiber rechnen mit einem weiter steigenden Datenverkehr in den nächsten Tagen. Um die Situation zu überwachen und schnell reagieren zu können, habe Vodafone ein spezielles Team zusammengestellt, erklärte Sprecher Alexander Leinhos. Dessen Mitglieder arbeiten im Schichtdienst in vier besonders geschützten Betriebscentern. Die Deutsche Telekom habe schon im Januar eigene Notfall- und Pandemie-Pläne aktiviert, sagte ein Unternehmenssprecher.

Auch Betreiber großer Internetknoten beobachten die Entwicklungen genau. Welch hohe Datendurchsätze jetzt schon zu verzeichnen sind, zeigt eine Mitteilung des Betreibers Deutsche Commercial Internet Exchange (DE-CIX). Über dessen Knoten in Frankfurt läuft ein Großteil des deutschen Datenverkehrs. Demnach registrierte DE-CIX am Abend des 10. März einen Rekordwert von 9,1 Terabit pro Sekunde. Das entspricht der gleichzeitigen Übertragung von über zwei Millionen Videos in HD-Qualität. Die maximale Kapazität des Knotens liegt dagegen bei 54,1 Terabit pro Sekunde. Im Übrigen sehen die Experten nicht die Homeoffice-Arbeiter als Hauptverursacher dieser einmaligen Lastspitze. Vielmehr habe die Veröffentlichung des Ego-Shooters. „Call of Duty: Warzone“ am 10. März für enorme Download-Mengen gesorgt.

Hohe Nachfrage bei Filmportalen

Eine physische Grenze für die Datenrate am DE-CIX gebe es praktisch nicht, erklärt dessen Technikchef Dr. Thomas King auf Nachfrage der SZ. „Die Kapazitäten können schrittweise ausgebaut werden.“ Das passiert auch. Schließlich muss schon in Nicht-Krisenzeiten ein jährliches Datenratenwachstum von etwa 20 Prozent bewerkstelligt werden. Und dennoch sei stets noch genügend Reserve vorhanden, so King. „Selbst wenn alle Firmen Europas ausschließlich Homeoffice betreiben würden und nebenher noch die Fußball-EM übertragen wird, kann der DE-CIX die notwendigen Bandbreiten für reibungslose Zusammenschaltung verschiedener Netzwerke bereitstellen.“ Für die nächsten Tage und Wochen rechnen die DE-CIX-Betreiber mit einem weiteren Anstieg des Datendurchsatzes von rund 20 Prozent am Knoten in Frankfurt.

In der Tat scheinen sich viele Menschen in Corona-Quarantäne die Zeit mit Onlinespielen oder auf Netflix und anderen Videoportalen zu vertreiben. Die hohe Nachfrage verändert auch das Angebot: Das Hollywood-Studio Universal Pictures hat bekanntgegeben, neue Spielfilme parallel zum Kinostart online verfügbar zu machen. Diesen Service lässt sich der Filmverleih gut bezahlen: In den Vereinigten Staaten soll die 48-Stunden-Leihe 20 Dollar kosten – ein Vielfaches des üblichen Preises. Ob und wann dieser Service auch in Europa verfügbar sein wird, ist noch unklar.

Sechs Tipps für weniger Datenverbrauch:

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  • 1. Wer zwischen Streaming auf dem Tablet oder am PC und konventionellem TV (via Kabel oder Satellit) wählen kann sollte lieber Fernsehen nutzen.

  • 2. Größere Datentransfers außerhalb der Stoßzeiten durchführen – am besten zwischen 14 und 16 sowie 20 und 8 Uhr.

  • 3. Voreingestellte Auflösung von Streamingdiensten ändern (z. B. bei Netflix: über das Profil-Icon im Konto im Drop-Down-Menü auf „Konto“ klicken und unter „Wiedergabeeinstellungen“ Datenverbrauch pro Gerät auf „Mittel“ oder „Niedrig“ stellen.

  • 4. Auto-Play-Funktion von Streamingdiensten oder bei Youtube abschalten.

  • 5. Kommunikationstools wie Slack, Microsoft Teams oder Skype ohne ständige Videoverbindung nutzen.

  • 6. E-Mail-Programme so einstellen, dass Anhänge nur bei Bedarf heruntergeladen werden. (rnw/dpa)

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