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Radeberg: Ernst wartet auf die Touristen

Bierkutscher Ernst ist Radebergs Vorzeige-Stadtführer. Dass er aus dem Stadtbild verschwunden ist, hängt auch mit Corona zusammen.

Bierkutscher Ernst fehlen die Touristen.
Bierkutscher Ernst fehlen die Touristen. © Carmen Schumann (Archivfoto)

Radeberg. Die Kontakte zur Bierstadt, die hat er natürlich nach wie vor. Wenn er dort auch nicht mehr so häufig anzutreffen ist. Zuletzt war er Anfang Juli in Radeberg. Da hatte Michael Gregor an einer Sitzung des Radeberger Gewerbevereines teilgenommen. Danach ging es wieder nach Hause, nach Pirna.

Michael Gregor kennt in Radeberg jeder. Wie er auch etlichen Menschen in der Lausitz ein Begriff ist. Als Bierkutscher Ernst führt er Touristen durch die Stadt, veranstaltet Bierseminare, Kremserfahrten gehören auch zu seinem Stadtführungsprogramm. Auf die Frage, wie gegenwärtig sein Befinden ist, erfährt man von dem 66-Jährigen, dass „soweit alles gut“ sei. Heißt: In den vergangenen Monaten hatte er genug Zeit, um sich intensiv um sein Grundstück zu kümmern. Das „hat meiner Frau sehr gefallen“, sagt er. Überhaupt konnte er sich um Dinge kümmern können, die er sonst immer aufschieben musste. Weil er da als Stadtführer in Radeberg im Einsatz war.

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Bis Mitte März führte er Touristen durch die Stadt. Dann kam Corona, der Lockdown, dann war es auch vorbei mit seinen Rundgängen. Komisch sei das gewesen, von heute auf morgen keine Führungen mehr machen zu dürfen. Alles abgesagt. Das habe sich richtig schlecht angefühlt, blickt er zurück. Aber, im Gegensatz zu vielen in der Reiseführerbranche, habe er wenigstens keine existenziellen Sorgen gehabt. Denn „ich bin Rentner“. Die Umstellung sei aber enorm gewesen. Für ihn, der sein Stadtführer-Dasein als eine Berufung betrachtet, dessen Sightseeing-Touren die Besucherströme begeistern. 

Virtuelle Führungen? Nein!

Als es losging mit Corona, schaute er sich in seinem beruflichen Umfeld um. Da bekam er mit, wie manche seiner Kollegen von dieser Pandemie geschockt waren, verzweifelt nach Lösungen suchten. War übrigens auch die Zeit, in der etliche virtuelle Stadtführungen anboten. Um Touristen über Video oder Chat wenigstens das Gefühl zu geben, sie könnten sehenswerte Orte besuchen. Virtuelle Führung? An so was habe er nie gedacht, erzählt Gregor. Das sei auch nichts für ihn, er sei „ein konventioneller Mensch“. Nein, die digitale Welt liegt ihm nicht, er mag es lieber persönlich, den Kontakt zu anderen Menschen. Im Übrigen, darauf weist er hin, gehe bei so einer virtuellen Stadtführung ohnedies viel Wesentliches verloren. Etwa die spezielle Besucheratmosphäre. Und vom Esprit des Stadtführers bekommt man da auch nicht viel mit. 

Den zeigte der frühere Handelsvertreter bereits, als er 2003 erstmals in dieser Funktion Touristen durch das Klippensteiner Schloss führte. Zu dieser Tätigkeit war er seinerzeit per Zufall gekommen. Eine regionale Firma suchte einen Gästeführer, er meldete sich, bekam den Job. Eine seiner Führungen besuchte auch der damalige Braumeister der Radeberger Brauerei. Der war von seinem Auftreten angetan und erkundigte sich, ob er sich auch Führungen durch die Radeberger Exportbrauerei vorstellen könne. 

Konnte er. So wurde aus Michael Gregor der Bierkutscher Ernst. Mittlerweile gehört er - neben Originalen wie Pumphut oder Krabat - zu den touristischen Botschaftern der Region. Nun wartet Gregor darauf, dass er wieder Menschen durch die kleinen Gassen der Bierstadt führen kann. In der in diesem Sommer eine Menge Platz im Zentrum ist. Logisch, die Touristengruppen bleiben aus, das ist in vielen anderen bundesdeutschen Städten auch so.

Erste Buchungen für Ende September

Für den September gebe es erste Buchungen, freut er sich. Da wird er also wieder als Bierkutscher Ernst in Erscheinung treten. Nach mehr als fünfmonatiger Pause. Wird dann alles wie vorher sein? Gregor hofft es, sicher ist er sich aber nicht. Begrenzte Teilnehmerzahl, Mindestabstand, Maskenpflicht in Räumen, das übliche Corona-Sicherheitsprogramm dürfte die Atmosphäre bei diesen Rundgängen prägen. Michael Gregor verspricht auf jeden Fall für seine Führungen eine Menge Unterhaltung, mit dem gewohnten Bierkutschercharme. Könne auch gut sein, so der 66-jährige Ruheständler, das „ich nach dieser langen Pause vor der ersten Führung mehr Lampenfieber als sonst haben werde“. 

Aber er ist froh, froh darüber, dass er wieder das machen kann, was er mag. Denn auch bei aller Duldsamkeit, die er hat, seine Auftritte hat er in den vergangenen Monaten doch arg vermisst. Vermutlich vermissen auch viele Touristen ihn, den Bierkutscher Ernst aus Radeberg.

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