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"Das Heim unter Quarantäne zu stellen, ist unmöglich"

Im Alten- und Pflegeheim Radeberg sind nach einem Corona-Ausbruch zwei Menschen gestorben. Laut OB Lemm gelten höchste Hygienevorschriften.

Das Alten- und Pflegeheim in Radeberg hat sich zu einem Schwerpunkt der Corona-Pandemie im Landkreis entwickelt. 39 Personen wurden hier positiv getestet, zwei sind gestorben.
Das Alten- und Pflegeheim in Radeberg hat sich zu einem Schwerpunkt der Corona-Pandemie im Landkreis entwickelt. 39 Personen wurden hier positiv getestet, zwei sind gestorben. © Marion Doering

Radeberg. Bei dem am Montag verstorbenen Bewohner des städtischen Alten- und Pflegeheims Radeberg handelt es sich um einen 91 Jahre alten Mann. Das teilt Oberbürgermeister Gerhard Lemm (SPD) mit. Er sprach allen Hinterbliebenen sein Beileid aus. Der Senior war positiv auf den Coronavirus getestet worden und musste einige Tage zuvor in ein Krankenhaus gebracht werden. Dort verstarb er. Ob die Infizierung mit dem neuartigen Coronavirus Ursache für den Tod war, ist unklar. Es ist der zweite Todesfall, der im Alten- und Pflegeheim im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie zu verzeichnen ist. 

Am Ostersonnabend war eine 102-jährige Bewohnerin gestorben. Auch bei ihr war der Virus festgestellt worden. Bei ihr ist ebenfalls unklar, ob die Infektion Todesursache war. Weitere Corona-Fälle sind mit Stand Mittwochmittag nicht aufgetreten, teilt der OB mit. 

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Damit bleibt es bei 39 Infizierten. 31 davon sind Bewohner, acht davon Mitarbeiter. In dem Alten- und Pflegeheim waren am Donnerstag vor Ostern erste Fälle einer Corona-Infektion entdeckt worden. Das Virus wurde bei zwei Bewohnern und eine Mitarbeiterin nachgewiesen. Dann stieg die Zahl sprunghaft an. 

"Bei der überwiegenden Zahl der positiv Getesteten sind glücklicherweise nur leichte Symptome zu bemerken", so Lemm. "Das ist natürlich eine Momentaufnahme, die Situation kann sich schnell ändern, was wir nicht hoffen." Nach seinen Angaben werden bei auffälligen Symptomen Ärzte hinzugezogen, die dann über die Behandlung entscheiden und gegebenenfalls den Patienten in ein Krankenhaus überweisen. „Die Entscheidung, in welche Klinik die Erkrankten kommen, trifft eine zentrale Stelle am Dresdner Uniklinikum. In der Regel werden sie in der Nähe des Wohnorts behandelt.“

Nach dem erneuten Todesfall sind keine zusätzlichen Vorkehrungen im Heim geplant. "Wir haben bereits seit einigen Tagen die denkbar höchsten Vorschriften bei der Hygiene eingeführt. Ein strenges Besuchsverbot wurde schon Mitte März ausgesprochen. Diese Maßnahmen werden aufrechterhalten. Wir stehen dazu in engem Kontakt mit dem Gesundheitsamt", sagt der Oberbürgermeister. 

Auch sei es nicht möglich, das gesamte Pflegeheim unter Quarantäne zu stellen. "Dann dürften ja auch Pfleger das Haus nicht mehr verlassen. Schon genügend Schlafplätze für sie zu schaffen, wäre schwierig." Die acht Pfleger, die positiv auf das Virus getestet wurden, sind in häuslicher Quarantäne. Für die anderen Pfleger, bei denen der Erreger nicht festgestellt wurde, die aber Kontakt mit Infizierten haben, wurde ein sogenannter "hygienischer Korridor" angeordnet. "Das heißt, sie können im Altenheim ihrer Arbeit nachgehen, zuhause stehen sie aber unter Quarantäne. Das ist eine Maßnahme, die vom Gesundheitsamt so angeordnet wurde." Im Gesundheitsamt wird nach Angaben des Landratsamtes  jetzt ein "Pflegeheim-Team" gegründet. Die Mitarbeiter sollen die Betreuung und den Schutz der Heimbewohner verbessern.

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Ein Teil der Verwaltung arbeitet inzwischen vom Homeoffice aus. Für die Bewohner wurden die Computerplätze eingerichtet, an denen sie über Skype, also per Bild und Ton, mit ihren Angehörigen kommunizieren können. Jetzt soll ein Testlauf stattfinden. Bei der Beschaffung von Schutzkleidung wie Einmalhandschuhe, Kittel und auch Desinfektionsmittel zeichnet sich laut dem OB eine Entspannung ab. "Wir haben etwas Material bekommen, damit reichen wir über die nächsten Tage. Es ist allerdings nicht so, dass wir ein Polster haben wie sonst, mit dem wir über die nächsten 14 Tage kommen würden."

Inzwischen hat in Radeberg eine Corona-Ambulanz eröffnet. Dort wurden unter anderen Mitarbeiter des Alten- und Pflegeheims getestet. Die Ambulanz ist für Personen gedacht, die Symptome einer Infektion aufweisen. Die Tests nehmen niedergelassene Ärzte vor. Dort werden ausschließlich Menschen getestet, die von ihrem Hausarzt überwiesen wurden. Die sogenannten Anlaufpraxen werden durch die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) betrieben. In Abhängigkeit der Entwicklung der Corona-Pandemie sollen weitere Standorte hinzukommen. In Bautzen und Hoyerswerda werden entsprechende Ambulanzen bereits betrieben.

Im Landkreis Bautzen  ist  die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen auf 304 gestiegen (Stand Mittwochnachmittag). Das sind sieben mehr als am Vortag. Sechs weitere Personen sind wieder gesund. Insgesamt sind damit bislang 150 Corona-Infizierte im Landkreis Bautzen genesen. Die Zahl der aktuell angeordneten Quarantänen steigt leicht auf 537. Insgesamt konnten bislang 1357 Quarantänen aufgehoben werden. Aktuell werden 13 positiv getestete Personen in einer Klinik behandelt. Bei zwei dieser Patienten ist ein schwerer Krankheitsverlauf festzustellen. Bislang sind fünf Patienten im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie im Landkreis Bautzen verstorben.    

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