merken
PLUS Radeberg

"Ob Grippe oder Corona spielt erst mal keine Rolle"

Rettungskräfte des Landkreises Bautzen sind bei Einsätzen gefährdet, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Vor allem, wenn es schnell gehen muss - was oft der Fall ist.

Rettungssanitäter sind besonders gefährdet, sich mit dem Coronavirus anzustecken.
Rettungssanitäter sind besonders gefährdet, sich mit dem Coronavirus anzustecken. © Symbolfoto: Nicolas Armer/dpa

Radeberg/Landkreis Bautzen. Szenen wie diese kennt Tino Eichelberger aus eigener Erfahrung. Ein Auto im Straßengraben. Aus dem eingedrückten Wagen muss der verletzte Fahrer geborgen werden. Rettungssanitäter kriechen ins Wageninnere. Je nach Grad der Verletzung muss möglicherweise die Wirbelsäule stabilisiert werden, bekommt der Verletzte gar eine Infusion. 

Denken in diesen Tagen die zu Einsätzen gerufenen Rettungssanitäter im Landkreis auch an die Gefahr, sich mit dem Coronavirus zu infizieren? Schließlich muss es ja, wenn man zu Unfallstellen gerufen wird, immer sehr schnell gehen. "Wir haben einen klaren Ablaufplan bei unseren Einsätzen", erklärt Tino Eichelberger, der Rettungsdienstleiter des Bautzener DRK-Kreisverbands. Und ob Grippewelle oder Covid-19, "bei Unfällen spielt das alles erst mal keine Rolle", so Eichelberger weiter. Oberste Priorität sei es, Menschen in Not zu helfen, sie aus lebensbedrohlichen Situationen zu bergen. 

Anzeige
Roboter lernen das Streicheln
Roboter lernen das Streicheln

Eine neue Art des Internets ermöglicht künftig, dass wir Neues ganz anders lernen als bisher. Wie das geht, wird am Exzellenzcluster CeTI erprobt.

Und ja, die Rettungssanitäter seien in dieser Corona-Krisenzeit schon gut gerüstet. Denn: "Jeder hat eine persönliche Schutzkleidung", so der Rettungsdienstleiter weiter. Dazu gehören neben Einweghandschuhen und einem Mundschutz auch eine entsprechende Schutzkleidung. Doch wenn in diesen Tagen Rettungskräfte zu Unfällen raus müssen, wissen sie natürlich nicht, auf wen sie da treffen. Zittern verunglückte Menschen nun vor Angst, vor Kälte? Oder weil sie traumatisiert sind? Ist es Fieber, das sie zittern lässt, ein hustendes Unfallopfer möglicherweise mit dem Virus infiziert? Es sind meist andere Dinge, die bei Einsätzen mit Verletzten im Fokus der Rettungskräfte stehen. 

Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog.

Im Bautzener Landkreis, das erfährt man im Landratsamt, habe sich von den im Rettungsdienst tätigen Mitarbeitern, derzeit sind es 440, und von den 106 Notärzten bisher noch niemand mit dem Coronavirus infiziert. Dennoch: Rettungskräfte sind gegen Covid-19 nicht gefeit. Ein Restrisiko bleibt halt immer. Und klar ist auch, dass das Visier am Einsatzhelm keinen ausreichenden Schutz gegen den aggressiven Erreger bietet. 

So sind die Rettungs- und Krankentransportwagen aller Hilfsorganisationen im Landkreis – und gleiches gilt auch für die Fahrzeuge der privaten Anbieter – mit Mundschutz, Schutzkittel, Schutzbrille und Einmalhandschuhen ausgerüstet. Mit einer Schutzkleidung, die sich nach den Vorgaben des Robert-Koch-Institutes richten.

Etliche Patienten der hiesigen Rettungskräfte gehören zur Risikogruppe. Eichelberger: "Wenn wir zu Kranken aus Pflege- oder Altenheimen gerufen werden, erkundigen wir uns vorher immer, ob es irgendwelche Vorerkrankungen gibt." Das sei nun in dieser Zeit wichtiger denn je. Gehört der Betreffende zu einer Risikopatientengruppe – Immungeschwächte, Chemo- und Dialysepatienten – werden zusätzlich weitere Schutzmaßnahmen von den Rettungskräften ergriffen, so das Landratsamt.

Während derzeit viele Menschen daheim im sicheren Homeoffice sitzen, müssen die Einsatzkräfte des Landkreises Tag für Tag zu Einsätzen raus und wissen dabei nicht, ob diejenigen, die sie retten, vielleicht infiziert sind. Da freute man sich, so ein Mitarbeiter des Radeberger DRK-Rettungsdienstes, der seinen Namen nicht veröffentlicht sehen möchte, wenn man das Engagement der Retter in der Bevölkerung ein wenig mehr wertschätzte. Weil man bei dieser Arbeit nun mal oft in engem Kontakt mit anderen Menschen stehe.

Es ist aber eine Arbeit, für die sich die Rettungskräfte, auch die im Landkreis Bautzen tätigen, aufopfern. Etwas, was gerade jetzt einen bemerkenswerten Stellenwert bekommt. "Wir sind dazu da, Menschen zu helfen", sagt Tino Eichelberger vom Bautzener DRK-Kreisverband kurz und knapp. Vor allem und gerade jetzt in dieser Corona-Zeit.

Nachrichten und Hintergründe zum Coronavirus bekommen Sie von uns auch per Email. Hier können Sie sich für unseren Newsletter zum Coronavirus anmelden.

Mehr Nachrichten aus Radeberg und dem Rödertal lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Radeberg