merken
PLUS Riesa

"Das war der Wahnsinn"

Durch Corona ändern sich ständig die Regeln - für Reisen, Veranstaltungen, Karten. In der Riesa-Information bemerkt man das besonders.

In Riesa den Durchblick zu behalten, fällt Heike Kandel leicht. Aber mit den bundesweit unterschiedlichen Regeln durch Corona hat die Leiterin der Riesa-Information durchaus Schwierigkeiten.
In Riesa den Durchblick zu behalten, fällt Heike Kandel leicht. Aber mit den bundesweit unterschiedlichen Regeln durch Corona hat die Leiterin der Riesa-Information durchaus Schwierigkeiten. © Sebastian Schultz

Riesa. Die Corona-Krise bringt zahlreiche Herausforderungen mit sich. Und immer wieder neue Regeln. Besonders die Riesa-Information bekommt das zu spüren.

Frau Kandel, sind Ihnen die ersten Radwegtouristen schon wieder untergekommen?

Anzeige
Wundermittel Bewegung
Wundermittel Bewegung

Zu langes Sitzen erhöht das Risiko für Bluthochdruck. Bewegen und dabei sparen. Um mehr zu erfahren klicken Sie hier:

Wir haben schon seit Längerem Anfragen. Anfangs mussten wir die Interessenten ausbremsen, etwa Radfahrer und Wohnmobilfahrer. Damals durften die zwar schon aus Nordrhein-Westfalen raus, aber noch nicht nach Sachsen rein. Jetzt haben wir Radtouristik-Anfragen, Fragen nach geöffneten Hotels und die Rückmeldung, dass am vergangenen Wochenende schon alle sieben Wohnmobil-Plätze unten am Elbufer belegt waren. Die vermitteln wir dann ans Bootshaus oder nach Göhlis.

Merkt man bei der Elberadweg-Nachfrage, dass in Sachsen zwar schon länger Übernachtungen für Touristen möglich sind, aber in Sachsen-Anhalt erst seit dieser Woche?

Die ganzen unterschiedlichen Regeln sind schwer zu überblicken. Auch in Brandenburg waren touristische Übernachtungen bis vor wenigen Tagen untersagt. Wir haben in den vergangenen 14 Tagen viele Anfragen von Leuten gehabt, die wissen wollten, ob sie überhaupt an ihr Wunschziel reisen dürfen.

Wohin denn etwa?

Beispielsweise hatten wir Interessenten, die jedes Jahr in Thüringen Urlaub machen. Da haben wir im Internet recherchiert, wie die aktuellen Reise-Bestimmungen aussehen. Und tatsächlich: Am geplanten Wochenende durfte die Frau nach Thüringen fahren. Sie hatte sich Sorgen gemacht, weil sie davon gehört hatte, dass dort Autonummern aufgeschrieben werden und man Strafe zahlen muss. Genauso fragen uns Riesaer, ob Angehörige aus anderen Bundesländern zu Familienfeiern hierher kommen dürfen. Nach Sachsen reinkommen, ist mittlerweile problemlos. Aber dürfen die aus dem jeweiligen Bundesland auch raus? Da sollte man sich noch mal kundig machen.

Und wie steht es um die heimischen Übernachtungs-Anbieter?

Der Wettiner Hof macht jetzt wieder auf, die Pension Zentrum hatte durchgehend auf, das Bootshaus ist wieder dabei, das Mercure sowieso, der Goldene Löwe war auch schon früh am Start. Wir können wieder gut vermitteln! Und für Geschäftsreisende konnten wir auch während des Lockdowns Möglichkeiten finden, etwa für einen Dialysearzt, der dienstlich her kam, aber eine Ferienwohnung mit Küche suchte. Das hat auch gut geklappt. In der letzten Zeit hatten wir sehr, sehr viele Spezialfälle.

So muss es wohl nicht das ganze Jahr gehen, oder?

Ach, wir freuen uns über jeden, der anruft! (lacht) Viele andere Tourist-Informationen haben ja geschlossen, wir als Riesa-Information sind aber nicht nur für Touristen, sondern auch für die Riesaer selbst da. Deshalb haben wir die ganze Zeit den Telefon-Dienst aufrecht erhalten, auch wenn die Tür zu bleiben musste.

Am Anfang dürften es wohl sehr viele Fragen nach Karten-Rückgaben gewesen sein, oder?

Ja, anfangs waren wir zu viert ununterbrochen mit Telefonieren beschäftigt, das war der Wahnsinn. Die Absage des Roland-Kaiser-Konzerts etwa stand schon in der Zeitung, war aber noch nicht offiziell bestätigt. Wir müssen uns aber auf rechtlich bindende Informationen verlassen, erst dann können wir Auskunft geben. Manchmal ändern sich die Regeln auch sehr schnell, erst zuletzt gab es binnen Stunden widersprüchliche Meldungen zu Regelungen in Thüringen. Bei so etwas klingeln sich bei uns die Telefone heiß.

Wie reagieren die Leute?

Die meisten sind sehr vernünftig. Wir haben mit mehr Ärger gerechnet! Die meisten sind froh, dass ihre Termine verlegt und nicht abgesagt werden. Aber gerade bei Großveranstaltungen ist es derzeit schwierig. Wir wissen nicht, wie sich die Regeln noch verändern. Um Karten zurückzunehmen, brauchen wir aber immer erst eine rechtssichere Absage, auch wenn die manchmal erst ein oder zwei Tage vor dem eigentlichen Termin kommt. Da ist es verständlich, dass die Leute unsicher werden. Kulanzregelungen gibt es immer nur im absoluten Ausnahmefall, mit einem großen bürokratischen Aufwand.

Als Laie denke ich mir: Karte zurück, Geld zurück - das klingt doch ganz einfach ...

So einfach ist es aber nicht, auch jetzt mit den Gutscheinen. Es muss zunächst technisch ermöglicht werden. Ticketvermittler wie Eventim fragen jetzt die jeweiligen Veranstalter ab, ob sie sich an der Gutscheinregelung beteiligen möchten, dann muss das vertraglich geregelt werden, dann kommt noch die technische Umsetzung. So was klappt nicht in drei, vier Tagen. Ich hoffe, dass wir nächste Woche die ersten Gutscheine herausgeben können. Wer statt eines Gutscheins sein Geld zurück will, muss sich an den Veranstalter wenden. Bei uns läuft das nur durch.

Wirtschaftliche Folgen hat das auch für die Riesaer Bettenanbieter. Wie steht es um die?

Die hoffen darauf, dass künftig die Zimmer voll werden, um die Mindereinnahmen aus der Corona-Zeit ausgleichen zu können. So will die Pension Zentrum etwa im Juni drei zusätzliche Zimmer öffnen. Sie hoffen auf eine höhere Auslastung, weil nun wohl mehr Leute in Deutschland Urlaub werden machen. Zwei Monate zu, ohne Verdienst, das geht überall an die Substanz! Das trifft fast alle Branchen.

Ab Juni sollen ja auch wieder Busreisen möglich werden.

Ja, da haben wir ein Auge drauf, weil von den Regelungen auch unsere Stadtbahn betroffen ist. Deshalb mussten wir sehr viele gebuchte Sonderfahrten absagen, weil mit den Abstandsregelungen keine 30 Leute mehr rein passen, sondern nur noch ein Bruchteil. Auch wenn Busreisen jetzt wieder erlaubt werden, haben wir schon Absagen bis in den Sommer hinein: Die Busse müssen langfristig gebucht werden. Seniorenreisen etwa werden oft bei Seniorentreffen beworben. Die sind aber jetzt untersagt, also gibt es keine Werbung, Unsicherheit bei den Teilnehmerzahlen, Absagen. Deshalb haben wir auch bei Kloster- und Nudelcenter-Führungen schon viele Absagen für die nächsten zwei Monate von Gruppen, die per Bus kommen wollten.

Rechnen Sie dieses Jahr überhaupt noch mit einen Normalbetrieb?

Bis Ende August werden Abstandsregeln und Mundschutz-Pflicht sowieso gelten. Und Busreisen müssen sich rechnen - wenn nur ein Drittel der Plätze besetzt sein darf, wird das kaum funktionieren. Wir müssen schauen, was kommt - weil sich immer wieder was an den Regeln ändert.

Stimmt Sie auch was positiv?

Ja! Wir haben in den vergangenen zwei Wochen sehr viele Riesaer hier gehabt, die sich nach Radkarten erkundigt haben, weil sie die Umgebung erkunden wollen. Der Riesaer hat ja auch eine schöne Region ringsum mit der Lommatzscher Pflege, dem Elbe-Röder-Dreieck und  dem Elberadweg. Wir erarbeiten gerade neue Karten zu Radtouren mit Hinweisen und Fotos zu Sehenswürdigkeiten. Ob Feuerwehrmuseum Zeithain oder Schlosskapelle Tiefenau: Wir haben hier viel zu bieten! Bei einer Tour durch die Koselitzer Teiche sagte uns ein Teilnehmer, dass er bislang immer bis Moritzburg gefahren ist, um ordentliche Teiche zu sehen. Dabei liegen die doch hier vor der Haustür - und sind nicht so überlaufen.

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.

Mehr zum Thema Riesa