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Kommt der Test nach der Landung?

Wer aus einem Risikogebiet nach Deutschland zurückkommt, soll untersucht werden. Doch es gibt Einwände.

Künftig könnten Reisende aus Risikogebieten bei der Einreise einem Corona-Test unterzogen werden.
Künftig könnten Reisende aus Risikogebieten bei der Einreise einem Corona-Test unterzogen werden. © dpa/Boris Roessler

Von Felix Hackenbruch und Felix Wadewitz

Nicht nur die Bilder von wilden Partys ohne Abstand und Maske am Ballermann auf Mallorca und dem Goldstrand in Bulgarien haben viele deutsche Politiker aufgeschreckt. Nun gibt es auch noch erste Fälle von infizierten Rückkehrern. So wurde am Donnerstag etwa der Fall einer vierköpfigen Familie aus Cottbus bekannt, die nach ihrem Urlaub auf Mallorca positiv auf Corona getestet wurde. Bekannt geworden war der Fall erst durch einen positiven Routinetest eines Arbeitgebers. Zuvor hatte es in Cottbus mehr als drei Monate keinen bestätigten Corona-Fall gegeben. Die Angst vor einer zweiten Welle geht um. „Deutschland kann sich kein zweites Ischgl leisten“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Theurer. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben sich deshalb am Mittwochabend in der Gesundheitsministerkonferenz (GMK), unter dem Vorsitz Berlins, grundsätzlich darauf verständigt, dass Reisende aus Risikogebieten im Ausland künftig unmittelbar nach ihrer Rückkehr in Deutschland auf das Coronavirus getestet werden sollen.

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Welche Urlaubsrückkehrer sollen getestet werden?

Einen formalen Beschluss gibt es bislang nicht. Am Freitag soll eine Entscheidung getroffen werden. Weltweit stuft das Robert Koch-Institut (RKI) derzeit den größten Teil der Staaten als Corona-Risikogebiet ein. Das betrifft zum Beispiel die USA, Russland oder Brasilien. Keine Quarantäne-Pflicht gilt dagegen für Einreisende aus fast allen EU-Staaten – Ausnahme ist Luxemburg – und einigen anderen europäischen Ländern wie der Schweiz. Reisende aus Mallorca oder aus Bulgarien würden also nicht getestet werden.

Warum tun sich die Länder so schwer mit Entscheidungen?

Der Konsens ist da, doch um die Details wird in der Gesundheitsministerkonferenz noch gerungen. Hintergrund ist offenbar die Frage, wer für die Tests finanziell aufkommt. Länder wie Hessen, das mit Frankfurt/Main Deutschlands größten Flughafen verantwortet, fürchten enorme Kosten. Berlin hat angekündigt, die Kosten für die Tests zu übernehmen. Gesundheitsexperten haben dagegen eine gemeinsame Finanzierung durch Bund, Länder und Krankenkassen angeregt. Zudem sind viele technische Fragen unklar, zum Beispiel, wie mit Auto-, Bahn- und Schiffsreisenden umgegangen wird. „Bei Reiserückkehrern aus Risikogebieten geht es nicht nur um den Flugverkehr“, sagte der Sprecher des Brandenburger Gesundheitsministeriums. Außerdem wird in der Konferenz noch darüber diskutiert, ob die verpflichtenden Tests nur für Rückkehrer aus sogenannten Risikogebieten eingeführt werden oder auch für Reisende aus lokalen Corona-Hotspots. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach begrüßte die Ankündigung, flächendeckend an Flughäfen zu testen, forderte aber eine Ausweitung der Tests für alle Flugpassagiere.

Wer soll die Corona-Tests durchführen?

Fest steht, dass die Tests nicht von Flughafenmitarbeitern durchgeführt werden dürfen. „Sollten die Gesundheitsbehörden einen – wie auch immer gearteten – Schnelltest anordnen, müsste dieser von den Behörden durchgeführt werden“, erklärte die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen. In Berlin sollen Mitarbeiter der Charité die Abstriche machen. Zur Unterstützung sind unter anderem studentische Hilfskräfte im Gespräch. In anderen Bundesländern könnten die Gesundheitsämter verantwortlich sein – die Gesundheitsministerkonferenz will dazu eine einheitliche Handhabung verabschieden.

Welche Einwände und Bedenken gibt es gegen das Konzept?

Mediziner und Flughafenbetreiber reagieren skeptisch auf die Ankündigung. „Fachlich ist das überhaupt nicht nachvollziehbar“, sagte der Berliner Amtsarzt Patrick Larscheid. „Diese Testung schafft es nicht, Sicherheit herzustellen.“ Larscheid verwies darauf, dass die angestrebten Tests eine Momentaufnahme seien. Theoretisch müssten die Menschen über Tage und Wochen mehrfach getestet werden. Die Betreffenden würden jedoch nach dem Test am Flughafen von der eigentlich vorgeschriebenen 14-tägigen häuslichen Quarantäne befreit, ohne dass es Sicherheit gebe. „Das ist ein schwerwiegendes Problem. Es ist nicht sicher, dass auf diese Weise das Zeitfenster der Infektion erfasst wird“, sagte er.

Wie steht es um die Ansteckungsgefahr beim Fliegen?

Die EU-Verkehrsminister haben sich nach Worten von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) auf einheitliche Standards beim Gesundheitsschutz im Luftverkehr verständigt. „Das schafft Sicherheit, Klarheit und Vertrauen“, sagte Scheuer am Donnerstag. So gebe es eine Verpflichtung zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ab dem 6. Lebensjahr, höhere Reinigungsintervalle, eine mehrsprachige Information der Passagiere sowie Abstandsgebote bei der Abfertigung – auch wenn dies zu längeren Wartezeiten führe. Scheuer sagte, damit sei ein deutscher Vorschlag angenommen worden.

Dem Arzt und SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach geht das nicht weit genug. „Ich verstehe nicht, warum die Fluggesellschaften ihre Passagiere nicht mit FFP2-Masken ausstatten“, sagte er. Inzwischen gebe es für die medizinischen Masken keine Lieferengpässe mehr und gerade, wenn in Flugzeugen der Mittelsitz besetzt werde, halte er FFP2-Masken für „sinnvoll“. Lauterbach kritisierte die Fluggesellschaft für ihre Untätigkeit: „Es war lange genug Zeit dafür.“

An welchen Flughäfen werden Kontrollen durchgeführt?

Am Flughafen Frankfurt/Main können sich Passagiere bereits seit Anfang Mai auf Covid-19 testen lassen, wenn sie das wollen. Das war zunächst mit rund 300 Euro recht teuer und erforderte einen Termin. Seit drei Wochen steht am größten deutschen Airport nun aber ein neues „Walk-In“-Schnelltestzentrum des Biotech-Anbieters Centogene, wo sich derzeit pro Stunde 300 Passagiere testen lassen können. Die Kosten liegen zwischen 59 Euro und 139 Euro, wenn es besonders schnell gehen muss. Da einige Länder einen negativen Testnachweis für die Einreise verlangen, sollen die Ergebnisse künftig auch mit dem Flugticket verknüpft werden können. Hinter dem Pilotprojekt, das sich vor allem an abfliegende Reisende richtet, steht auch die Lufthansa. Die Airline bietet an ihrem zweiten Drehkreuz in München ebenso Tests an. Auch am Flughafen Köln-Bonn gibt es eine Testmöglichkeit, in Düsseldorf und Hamburg noch nicht. Diese Selbstzahler-Tests sind freiwillig. Pflichttests müssten dagegen von den Gesundheitsbehörden organisiert werden.

Wie wird das im Ausland gemacht?

Der Flickenteppich an Einreisevorschriften in unterschiedlichen Ländern hält viele vom Reisen ab, obwohl viele Ziele inzwischen wieder angeflogen werden dürfen, beobachten die Fluglinien. Einige asiatische Länder wie Japan und Südkorea haben früh verpflichtende Tests nach der Landung für Reisende aus bestimmten Risikoregionen eingeführt und dafür die Reisebeschränkungen früher aufgehoben. In Griechenland können Urlauber nach dem Zufallsprinzip getestet werden. China wiederum verlangt zukünftig, dass Passagiere bereits vor dem Abflug einen negativen Corona-Test bei der Airline vorlegen. Bislang wurde in der Volksrepublik nach der Ankunft getestet.

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In den meisten Ländern sind Tests bislang nicht verpflichtend. Wer einen negativen Bescheid vorlegt, spart sich aber oft die Quarantäne. Die Uno-Luftfahrtorganisation ICAO rät ihren Mitgliedsstaaten zur Einführung von Schnelltests, sobald diese „verfügbar und zuverlässig“ seien. Die Empfehlung solle für eine weltweite Harmonisierung der Maßnahmen führen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert, dass die Kosten für Pflichttests von den Regierungen getragen werden und freiwillige Tests zum Selbstkostenpreis angeboten werden.

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