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Corona-Krise: In Sorge um Nieskyer Händler

Wie mit Mietstundungen Stadt und Wohnungsbaugesellschaft helfen wollen. Das betrifft auch Bürger, deren Einkommen wegbricht.

Das Rathaus der Stadt Niesky ist für den Besucherverkehr geschlossen. Trotzdem sind die Mitarbeiter über Telefon und E-Mail erreichbar.
Das Rathaus der Stadt Niesky ist für den Besucherverkehr geschlossen. Trotzdem sind die Mitarbeiter über Telefon und E-Mail erreichbar. © André Schulze

Der Einzelhandel hat es so schon schwer in der Stadt Niesky. Nun verschärft die Corona-Krise noch die Situation. Besonders für die Händler, die ihr Geschäft schließen mussten. "Wir lassen keinen allein", versichert Jörg Kalbas als Geschäftsführer der Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft.

Das städtische Unternehmen vermietet rund 80 Gewerbeeinheiten in und um Niesky. "Wir haben vergangene Woche die ersten Angebote an betroffene Gewerbetreibende gemacht, um Mieten auszusetzen beziehungsweise zu stunden", sagt der GWG-Geschäftsführer.

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Wir wollen herausfinden, wie die Sachsen in der Krise einkaufen und wie wichtig lokale Hilfsprojekte wie #ddvlokalhilft bei der Unterstützung des Handels sind.

Vorrangig bei den Händlern ist jetzt akuter Handlungsbedarf. Denn ein geschlossener Laden bringt keine Einnahmen. Jörg Kalbas erklärt, dass jeder Fall individuell geprüft wird. Denn es gibt auch Geschäfte, besonders im Gesundheitsbereich, die offen bleiben dürfen und ihren Umsatz weiter haben werden.    

Wohnungsmieter fragen bisher kaum nach

Dass verstärkt private Mieter nach Mietnachlässen fragen, kann Jörg Kalbas derzeit nicht bestätigen. "Wir haben Einzelfälle, aber die gab es auch schon vor Corona." Kritisch wird es, wenn daraus ein Flächenbrand wird, weil viele Bürger von Verdienstausfällen betroffen sind.

Hinzu kommt, dass keiner sagen kann, wie lange Corona die Menschen noch fesselt. Jörg Kalbas versichert aber, dass in diesen Zeiten keiner aus seiner Wohnung oder seinen Gewerberäumen geschmissen wird, weil er die Miete nicht bezahlen kann. "Diese Angst können wir unseren Mietern nehmen. Denn wir haben ein Interesse daran, sie bei uns zu halten", so der Geschäftsführer. 

Damit ist die GWG als städtisches Unternehmen der Stadt Niesky schon einen Schritt voraus, was Hilfsangebote in Corona-Zeiten betrifft. Auch die Stadt überlegt, wie sie besonders den Einzelhändlern entgegenkommen kann. Dazu will sich die Verwaltung in den kommenden Tagen mit den Vermietern zusammensetzen, sagt Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann. Was die finanziellen Hilfen betrifft, so verweist sie auf die Angebote und Programme des Landes Sachsen und des Bundes. Denn eigene finanzielle Hilfen zu geben, sieht sich die Stadt außerstande. "Wir haben noch keinen genehmigten Haushalt für dieses Jahr und müssen sehen, wie wir die laufenden Kosten absichern", betont sie.   

Elternbeiträge werden erstattet

Denn zu den ungeplanten Ausgaben zählen derzeit die Rückerstattung der Beiträge für die Kinderbetreuung, erklärt Kämmerer Steffen Kluske. Wer sein Kind nicht in die Kita bringen darf, hat Anspruch, die Betreuungskosten vom Träger zurückzubekommen. Zwar hat das Land Sachsen den Kommunen zugesagt, diese Ausgaben zu begleichen, aber wann und in welcher Höhe, das ist noch nicht festgelegt. Das heißt, so der Kämmerer, dass die Stadt erst einmal in Vorkasse gehen muss.

Der zweite Unsicherheitsfaktor sind die Steuereinnahmen, konkret die Gewerbesteuer. Erst war die Stadt von Rückzahlungen in Millionenhöhe betroffen. Nun drohen geringere Einnahmen, wenn die Betriebe weniger produzieren beziehungsweise nur kleine oder gar keine Umsätze haben. Auf die Einzelhändler bezogen sagt die Oberbürgermeisterin, dass von ihnen kaum Gewerbesteuer kommt, weil sie die dafür notwendige Umsatzgröße nicht erreichen. 

Bisher um keine Hilfen gebeten

Die Stadt Niesky hat ebenfalls einen Krisenstab eingerichtet, der in Corona-Zeiten nicht nur die Arbeit der Verwaltung im Auge hat, sondern ebenso das städtische Leben. Auch wenn das Rathaus geschlossen ist, so sind die einzelnen Sachgebiete und Fachbereiche weiterhin mit Mitarbeitern besetzt. "Die Bürger sind aufgefordert, ihre Anliegen, Hinweise und Probleme per Telefon oder E-Mail an uns zu richten", sagt Barbara Giesel, Fachbereichsleiterin Technische Dienste.  

Davon wird rege Gebrauch gemacht. Aber was Hilfeleistungen und finanzielle Unterstützung durch die Stadt betrifft, dazu kamen noch keine Anfragen von Bürgern, sagt Barbara Giesel. In diesem Fall würde man sie an die staatlichen Stellen auf Landes- und Bundesebene verweisen. Dennoch will die Stadt nicht passiv bleiben. Oberbürgermeisterin Hoffmann hat schon Ideen, um beispielsweise mit Aktionen die örtlichen Händler zu unterstützen, verrät sie. "Damit wir wieder ein Stück Normalität in unsere Stadt holen." Welche Ideen das sind, darüber soll noch gesprochen und entschieden werden.   

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