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Wer schützt die Retter vor Corona?

An Bord aller Krankenwagen im Kreis Görlitz befindet sich spezielle Schutzausrüstung. Doch ein Einsatz in Ebersbach wirft nun Fragen auf.

© Archiv/Rene Meinig

HIV, Hepatitis - und jetzt auch noch Corona. Die Besatzungen von Rettungswagen sind bei ihren Einsätzen zahlreichen Infektions-Risiken ausgesetzt. Und sie wissen nie, was sie am Einsatzort erwartet. Ein Rettungseinsatz von Anfang August wirft nun die Frage auf: Wie gut sind die Retter vor einer Corona-Infektion geschützt?

Der Alarm kam am 5. August. An jenem Mittwoch wurde die Besatzung der Rettungswache in Ebersbach zu einem Patienten gerufen. Die Sanitäter lieferten diesen ins Krankenhaus ein. Und etwa 13 Stunden nach Einlieferung des Patienten wurde der Rettungsdienst informiert: Die transportierte Person war positiv auf das Corona-Virus getestet worden - das bestätigt das Landratsamt auf SZ-Anfrage. Inzwischen war der Rettungswagen schon wieder mehrfach ausgerückt. Und: Die Rettungssanitäter hatten bei dem Einsatz keine besondere Schutzausrüstung angelegt - obwohl diese an Bord war.

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Kein generelles Anlegen der Schutzausrüstung

Die gute Nachricht: Die Besatzung des Rettungswagens wurde bei jenem Einsatz nicht infiziert. Dass die Retter allerdings bei ihren Einsätzen entsprechende Schutzausrüstungen tragen, ist eher die Ausnahme, denn die Regel. Das Görlitzer Landratsamt bestätigt auf SZ-Anfrage, dass eine solche Schutzausrüstung üblicherweise nur bei einem konkreten Corona-Verdacht angelegt werde - und es auch nach dem Einsatz vom 5. August bei dieser Praxis bleiben werde.

"Generell gilt, dass jeder Rettungsdienstmitarbeiter bei Eintreffen an der Einsatzstelle die möglichen Gefahren beurteilen und danach entsprechend seine Schutzausrüstung anlegen muss", heißt es dazu von der Behörde und weiter: "Bei Hinweis auf besondere Infektionsgefahren, beispielsweise Durchfall ist ein Schutzkittel und FFP2 zusätzlich zur  PSA zu tragen." Die Rettungswagen im Landkreis wurden wegen der Corona-Pandemie sogar aufgerüstet. "Für den Infektionsschutz haben die Rettungswagen und Notarzteinsatzfahrzeuge insgesamt jeweils sechs Infektionsschutzsets, bestehend aus Schutzanzug, Kittel, Schutzbrille, Mund-Nase-Schutz, FFP2 und FFP3-Maske, (...), auf den Fahrzeugen", informiert das Landratsamt. Wegen der Corona-Lage sei diese Ausrüstung von bisher drei Sets auf sechs Sets je Fahrzeug erweitert worden, "um mehr Möglichkeiten für eventuelle Folgeeinsätze oder andere Notwendigkeiten zu haben".

Zur Begriffserläuterung: PSA bedeutet Persönliche Schutz-Ausrüstung, FFP ist die englische Abkürzung für Filtering Face Piece. Ins Deutsche übersetzt bedeutet es Atemschutzmaske. Die Zahlen stehen für die Filterklasse, wobei 3 die sicherste ist.

Sanitäter bei Verdacht getestet

Heißt also: Eine generelle Pflicht, diese Schutzausrüstungs anzulegen, besteht nicht. Für den Fall der späteren Entdeckung einer Corona-Infektion bei einem transportierten Patienten ist vorgesehen: "Ergibt sich aus der Gefahrenbeurteilung bei Eintreffen an der Einsatzstelle keine Notwendigkeit des Vollschutzes (z.B. weil die bekannten Symptome nicht im Zusammenhang mit Corona stehen) und es stellt sich nach einem Einsatz heraus, dass die behandelte Person ein positives Testergebnis hat, werden die betroffenen Rettungsdienstmitarbeiter entsprechend der RKI-Empfehlungen als Kontaktperson getestet und bis zum Vorliegen des Testergebnisses aus dem Einsatz genommen", teilt das Landratsamt auf SZ-Anfrage hierzu mit.

Gleichwohl seien der Rettungsdienst und die Notärzte derzeit angehalten, konsequent mindestens Mund-Nasen-Schutz bei jedem Einsatz zu tragen. "Bei Tätigkeiten mit einer hohen Aerosolbildung, beispielsweise bei der maschinellen Beatmung eines Patienten, sollen mindestens FFP2-(besser FFP3)-Masken getragen werden", informiert die Behörde. Dies gelte unabhängig von einer eventuellen Corona-Infektion. Auch solle jeder Patient möglichst einen Mund-Nasen-Schutz bekommen, um eine Infektionsausbreitung zu vermeiden, da gerade während des Transportes der allgemein empfohlene Abstand von 1,5 Metern nicht gewährleistet werden könne.

Laut Behörde keine Gefahr für andere Patienten

Das Risiko, dass später transportierte Patienten sich in einem Rettungswagen infizieren könnten, sieht der Landkreis nicht. "Aufgrund der routinemäßigen Desinfektion nach jedem Einsatz und zusätzlich zum Schichtwechsel bestand keine Gefahr für die nachfolgenden Patienten", heißt es und weiter: "Nach der Meldung über die SARS-CoV-2-Infektion des Patienten wurde das Fahrzeug zusätzlich sicherheitshalber einer kompletten Desinfektion unterzogen."

Um Infektionsgefahren von einem Patienten zum anderen zu vermeiden, würden nach jedem Einsatz die Trage und die Kontaktflächen und die Medizintechnik desinfiziert und Einmallaken verwendet. Und was die Besatzung der Rettungswagen betrifft: "Durch das konsequente Tragen der persönlichen Schutzausrüstung durch die Mitarbeiter des Rettungsdienstes und der Notärzte kann zusammen mit einer regelmäßigen hygienischen Händedesinfektion die Infektionsgefahr weitgehend gebannt werden", teilt das Landratsamt mit. Die Gefahr einer Infektion bestehe im Rettungsdienst immer. Daher werde das Personal im Rettungsdienst regelmäßig einer arbeitsmedizinischen Vorsorge, einer Grundsatzuntersuchung unterzogen. "Zur Vermeidung von Nadelstichverletzungen (Infektion mit Hepatitis B, C und HIV) werden seit Jahren Kanülen mit einem speziellen Stichschutz verwendet", teilt die Behörde zu anderen Infektionsrisiken mit.

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