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Gymnasium bleibt tagelang geschlossen

Bei einer Schülerin des Christlichen Gymnasiums in Riesa wird das neuartige Corona-Virus diagnostiziert. Die Leitung reagiert schnell.

Am Christlichen Gymnasium in Riesa hat sich am Mittwochvormittag ein Coronafall bestätigt. Es war der erste im Kreis Meißen - und der erste an einer Schule in Sachsen.
Am Christlichen Gymnasium in Riesa hat sich am Mittwochvormittag ein Coronafall bestätigt. Es war der erste im Kreis Meißen - und der erste an einer Schule in Sachsen. © Sebastian Schultz

Riesa. Es ist kurz nach 10.30 Uhr, als die Schulleitung des Christlichen Gymnasiums per Kurznachricht die Eltern auffordert, ihre Kinder aus der Schule abzuholen. "Wir haben soeben erfahren, dass eine Schülerin unserer Schule positiv auf das Corona-Virus getestet wurde", teilt die Geschäftsführerin des Trägervereins Diana Ulbricht darin mit. 

Derzeit ermittle das Gesundheitsamt weitere Kontaktpersonen, um die Vorgehensweise festzulegen. Weil das noch dauern könne, habe die Schulleitung entschieden: kein Unterricht bis Freitag. Bis 15 Uhr, so heißt es in der Nachricht am Mittwochvormittag, sollten die Eltern ihre Kinder aus der Schule abholen.

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So lange dauert es letztendlich nicht. Schon gegen 11.30 Uhr sind kaum noch Schüler in Riesas einzigem freien Gymnasium. Die Mädchen und Jungen kommen aus der ganzen Region bis hinter Großenhain. Um so größer ist die Sorge, dass sich das Coronavirus flächenmäßig weit verbreiten kann, falls sich der Verdacht bestätigen sollte.

Viele Eltern können ihre Kinder nicht selbst nach Hause bringen. Dann mussten die Großeltern ran. "Meine Tochter arbeitet in Wilsdruff und hat uns gebeten, unseren Enkel mit dem Auto abzuholen", erzählt ein Opa. "Hoffentlich ist an dem Verdacht nichts dran." Aber jetzt kommt der Enkel erstmal zu Oma und Opa und verbringt bei ihnen die nächsten Tage. 

Keine konkreten Informationen zum zweiten Fall

Die Entscheidung, die Schule zu schließen, hatte der Trägerverein zunächst selbst getroffen, erklärt Diana Ulbricht. "Wir wurden am Morgen vom Gesundheitsamt informiert", sagt sie kurz und knapp. Sie bat zunächst um Verständnis, sich nicht näher zu äußern. Derzeit liege die Priorität bei den Eltern und Schülern, die besorgt durchklingeln und vor ihrem Büro Schlange stehen. 

Das Landesamt für Schule und Bildung hat die sächsischen Schulen schon vor einigen Tagen auf das Thema Corona vorbereitet. Erst am Freitag habe es das jüngste Update gegeben, so Sprecher Roman Schulz. Neben allgemeinen Hinweisen zu Handhygiene und Niesetikette gehe es vor allem um den Umgang mit begründeten Verdachtsfällen, etwa, wenn Schüler oder Lehrer aus Risikogebieten zurückkommen und sich krank fühlen. Eine Empfehlung zu Schulschließungen gibt das Amt hingegen nicht, betont Schulz. "Dafür sind die Gesundheitsämter zuständig."

Auch die Stadtverwaltung Riesa hält sich am Mittwoch zunächst bedeckt. Erst gegen 17 Uhr veröffentlicht das Rathaus eine Mitteilung von Oberbürgermeister Marco Müller. „Wir werden uns hier vor Ort zusätzlich zu den übergeordneten Behörden einen sachgerechten Überblick über die Fakten verschaffen, um gegebenenfalls geeignete Maßnahmen zu ergreifen“, so Oberbürgermeister Marco Müller (CDU). Grundsätzlich sei das Gesundheitsamt des Landkreises Meißen die zuständige Behörde. „Mit ihr stehe ich im engen Informationsaustausch“.

Aus dem Meißner Landratsamt ist am Mittwochmittag zunächst lediglich zu erfahren, dass es insgesamt zwei Fälle von Corona gebe. Ob neben der Achtklässlerin noch jemand aus der Schule positiv getestet wurde, ob die zweite betroffene Person aus der Familie stammt - oder überhaupt nicht aus derselben Infektionskette - dazu macht Sprecherin Kerstin Thöns zunächst keine Angaben. 

Hotline für Verdachtsfälle

Über die Informationspolitik, erst recht in den ersten Stunden nach der Meldung, ärgert sich eine Mutter, die auch in der SZ-Redaktion anruft. Sie nimmt Bezug auf die Nachricht, die das Gymnasium an die Eltern verschickt hatte. Darin steht auch, dass es wohl erst in zwei Tagen eine Handlungsanweisung für die Schule geben werde. "Das kann doch nicht sein", schimpft die Frau. Sie sei schockiert darüber, dass es so lang dauert, bis die Eltern Klarheit haben, wie es für sie und ihre Kinder weitergeht. 

Die erhoffte Klarheit gibt es schließlich am Mittwochnachmittag. "Die Schule bleibt bis einschließlich 23. März 2020 geschlossen", teilt eine Sprecherin mit. Das habe das Gesundheitsamt mittlerweile angeordnet. 

 "Ein Corona-Verdachtsfall hatte sich dort bestätigt. Alle Kontaktpersonen des Kindes sind ermittelt und erhalten einen entsprechenden Bescheid zur Quarantäne. Ziel ist es, die Infektionskette frühzeitig und umfassend zu unterbrechen.  Alle anderen Schülerinnen und Schüler werden gebeten, Kontakte zu minimieren und auf Symptome zu achten." Außerdem teilt das Amt mit, inzwischen sei eine Hotline für Verdachtsfälle eingerichtet worden.  

Derweil sprudelten im Lauf des Tages die Gerüchte. Zwei Patienten aus Elsterwerda würden in Riesa auf der Isolierstation behandelt, hieß es; ebenso, dass ein zweiter Corona-Fall an der Oberschule Am Sportzentrum gemeldet worden sei. Beides wurde als Falschmeldung dementiert. 

Dass der Schulausfall sich schwer auf die Lehrpläne auswirken wird, ist nach Angaben des Landesamtes für Schule und Bildung unwahrscheinlich. "Die Lehrpläne geben das her, da ist noch etwas Luft", sagt Sprecher Roman Schulz. Im Zweifel gehe die Gesundheit der Lehrer und Schüler vor. 

Oberbürgermeister warnt vor Panik

Aufgrund der aktuellen Sachlage besteht laut Stadtverwaltung Riesa derzeit jedoch keine Veranlassung, weitere Schulen oder Kindereinrichtungen der Stadt zu schließen.

"Dabei ist mir bewusst, dass wir derzeit eine dynamische Entwicklung zu verzeichnen haben", betont der Oberbürgermeister. "Wir werden die Situation täglich neu bewerten. Sollte sich die Faktenlage ändern und weitergehende Maßnahmen erforderlich machen, werden wir diese ergreifen. Die Sicherheit der Riesaer Bürger hat für mich oberste Priorität - ohne hierbei in Panik zu verfallen."

Er rufe alle Menschen in der Stadt zur Besonnenheit und angemessenem Verhalten auf: „Ich bitte alle darum, sich an die immer wieder kommunizierten Empfehlungen zum intensiven Händewaschen mit Seife, zur Vermeidung des nicht zwingend notwendigen Aufenthalts in Menschenansammlungen und zur allgemeinen Hygiene zu beachten und eigenverantwortlich umzusetzen.“

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Die Hotline für Verdachtsfälle im Landkreis Meißen ist montags, mittwochs und donnerstags 8-15 Uhr, dienstags 8-18 Uhr und freitags 8-12 Uhr besetzt.: 03521 7253435 oder Mail: [email protected]

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