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Gaststätten: Viel Aufwand für (fast) nichts

Im Rödertal sind Restaurants und Kneipen wieder geöffnet. Doch der große Andrang bleibt aus. Mancher Gastronom lässt seinen Betrieb vorerst geschlossen.

Torsten Göpner hat sein Erbgericht in Wachau seit einigen Tagen wieder geöffnet. Es könnte allerdings besser laufen, sagt er.
Torsten Göpner hat sein Erbgericht in Wachau seit einigen Tagen wieder geöffnet. Es könnte allerdings besser laufen, sagt er. © René Meinig

Radeberg. Der Wachauer Torsten Göpner war gespannt. Wie würde die Wiedereröffnung seines Gasthofes „Erbgericht“ bei den Gästen ankommen? Als er erfuhr, dass in Sachsen ab Mitte Mai wieder gastronomische Betriebe öffnen dürfen, hatte er sich gefreut. Es war aber dann doch mehr eine verhaltene Freude angesichts der strengen behördlichen Auflagen, die zu erfüllen waren. 

Bei den ersten Gästen, die er jüngst bewirtete, fiel ihm eines sogleich auf. Etliche waren beim Betreten seiner Gaststätte „verunsichert“. Kein Wunder: Wie verhalten in einem platzmäßig reduzierten Gastraum, in dem der Mindestabstand zwischen den Tischen sowie zwischen eintretenden oder zur Toilette laufenden Gästen gewahrt werden muss. Und: Wohin mit dem Mundschutz? Sein Fazit seit der Wiedereröffnung: „Könnte besser laufen.“

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In „Müllers Gasthof“ im Radeberger Ortsteil Großerkmannsdorf hatte es, wie es Inhaber Thomas Müller beschreibt, am ersten Wiedereröffnungs-Wochenende „ein großes Aufatmen gegeben“. Bei den Gästen, beim Personal. Das erste Mahl im Stammlokal. Allerdings kann Müller seinen Gasthof derzeit nur zur Hälfte nutzen. Die Speisekarte habe man reduziert. Insgesamt empfand Müller den Auftakt als „verhalten“. Aber damit sei ja zu rechnen gewesen, meint er. Ein Teil seiner fünf Mitarbeiter sei noch in Kurzarbeit. 

Was Müller ebenfalls aufgefallen ist: dass „bei vielen Gästen die Lockerheit fehlt, mit der man sonst essen geht“. Schade sei das. Ebenso die Tatsache, dass er durch die mehr als zweimonatige Schließung beträchtliche Verluste hatte. Seine Hoffnung: dass sich das gastronomische Leben doch, bitte schön, recht bald wieder normalisieren möge.

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Davon geht ein Radeberger Kneipenwirt, der seinen Namen nicht veröffentlicht sehen will, jedoch nicht aus: „Vielleicht werden wir im Frühjahr des nächsten Jahres wieder einen gastronomischen Betrieb ohne jegliche Auflagen haben. Vorher bestimmt nicht.“ Dabei ist die Situation für etliche gastronomische Betriebe schon jetzt existenzbedrohend. 

Nach Einschätzung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga rechnen die Betriebe, bezogen auf das Gesamtjahr, mit einem Umsatzrückgang von mindestens 55 Prozent. Rund 70.000 Betriebe, sowohl in Gastronomie als auch in der Hotellerie, sind gegenwärtig von der Insolvenz bedroht. Etwa jedes fünfte Restaurant erzielte laut Dehoga bisher weniger als zehn Prozent der Normalumsätze. Eine katastrophale Lage, in der sich die Branche seit fast drei Monaten befindet.

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„Wir machen diesen ganzen Zirkus nicht mit“, erfährt man im Großerkmanndorfer „Am Goldbach“, einer Pension mit Restaurantbetrieb. Die Pension habe man zwar geöffnet, aber das Restaurant bleibe vorerst geschlossen. Dieses werde man erst öffnen, „wenn es sich wirtschaftlich lohnt“. Wer in diesen Tagen sein Restaurant, seine Kneipe öffnet, weiß nicht, ob und wie viele Gäste kommen. Aber auf jeden Fall weiß man, dass die Kosten bei einer Wiedereröffnung in die Höhe schnellen: für Personal, Strom, Waren. 

Martin Schwager, Inhaber der Ottendorfer „Waldgaststätte“, erzählt, dass man die vergangenen Wochen für Renovierungsarbeiten am Haus genutzt habe. Da man auch eine eigene Kegelbahn habe, konzentriere man sich auf die Bewirtung der Kegler. Ansonsten, so Schwager weiter, „schauen wir entspannt nach vorne.“ 

Im Ottendorfer Gasthaus „Zum goldenen Ring“ geht es erst am 10. Juni mit dem Bewirtungsbetrieb los. „Wir haben bereits jetzt zahlreiche Vorbestellungen“, erfährt man von einer Mitarbeiterin. Das stimme einen zuversichtlich für die nächsten Wochen. Mag sein. Wer in dieser Corona-Zeit seinen gastronomischen Betrieb wieder öffnet, für den geht es vorerst nur darum, möglichst wenig Minus zu machen und auf bessere Zeiten zu hoffen. Denn eine Gaststätte unter den derzeitigen Bedingungen zu führen, das mache auf Dauer, bekennt Wachaus Erbgerichts-Inhaber Torsten Göpner, „keinen Spaß“.

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