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Corona-Ruhe im Dresdner Hauptbahnhof

Die Zahl der Fahrgäste ist werktags um 75 Prozent gesunken. Vielleicht hat gerade deshalb eines der Geschäfte ein besonderes Angebot.

So leer ist die Empfangshalle des Hauptbahnhofs normalerweise noch nicht einmal an Wochenenden.
So leer ist die Empfangshalle des Hauptbahnhofs normalerweise noch nicht einmal an Wochenenden. © Marion Doering

Dresden. Auf einmal hört Heiko Klaffenbach viel mehr. Das gefällt ihm gar nicht. Er steht am Geländer in der Hauptbahnhof-Halle, in der normalerweise die Züge von und nach Tschechien halten und sieht nach unten. Dorthin, wo die Regionalzüge einfahren, wo sich Reisende einen Imbiss kaufen, zur Auskunft gehen und Kinder eine Modellbahn unter Glas fahren lassen. Es ist leer. Und das ist das Problem. Es ist leer und es ist ruhig. Heiko Klaffenbach hört Tauben gurren. Das mag er nicht, jedenfalls nicht im Bahnhof. Die Ruhe und die Tauben.

Corona-Ruhe im Hauptbahnhof. Rund 64.000 Reisende und Einkaufskunden strömen an einem normalen Werktag durch den Bahnhof. Jetzt sind es noch etwa 16.000, schätzt Klaffenbach. Das ist weniger als an einem normalen Wochenend-Tag. Fast drei Viertel aller Züge fahren noch, sagt der Bahnhofsmanager, benötigt würden aber nur 25 Prozent des normalen Angebots.

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Wie zum Beweis fährt auf Gleis 8 der Regionalzug aus Zwickau ein und stoppt. Dann steigen die Fahrgäste aus. Es sind genau 13. "Normalerweise ist der Bahnsteig jetzt schwarz", beschreibt Klaffenbach den üblichen Trubel nach dem Halt eines solchen Zugs. Wenigstens 70 Fahrgäste kommen dann an, schätzt der Bahnhofsmanager. Jetzt ist es so ruhig, dass er schon wieder die Tauben hören kann.

Etwa 60 Prozent aller Geschäfte sind geschlossen. Zeitungen gibt es noch, Brötchen und Brot, Pizza und Schoko-Süßigkeiten, der Podemus-Laden und Lidl haben geöffnet. Auch die Apotheke. Dass trotzdem nur wenig Kunden kommen, belegen drei Zettel an der Tür. Darauf steht: Klopapier ist zu haben, Desinfektionsmittel und sogar Atemschutzmasken. Alle drei Güteklassen gibt es, sagt eine Verkäuferin auf Nachfrage, auch die besonders sicheren für medizinisches Personal. Fast alle anderen Geschäfte sind geschlossen. Die "Sitzgastronomie" ist komplett dicht. Sitzgastronomie - so nennt Klaffenbach die Imbissläden und Restaurants, in denen man sich zum Essen niederlassen kann. Marché gehört dazu, ebenso Burger King und der Asiaimbiss in der Nordhalle am Wiener Platz. Die meisten davon sind leer und dunkel. Niemand ist da.

Das volle Programm in der Bahnhofsapotheke: Hier gibts alles, was anderswo zum Teil erfolglos gesucht werden muss.
Das volle Programm in der Bahnhofsapotheke: Hier gibts alles, was anderswo zum Teil erfolglos gesucht werden muss. © Marion Doering

Leer ist es auch in der Empfangshalle, "unterm Strick", wie alte Dresdner sagen. Zwei Polizisten stehen dort, sie haben das Geschehen im Blick, weniger als ein Dutzend Reisende ziehen ihre Koffer Richtung Bahnsteig oder Ausgang. Sie gehen an einer Ausstellung mit Arbeiten der Schüler aus dem Gymnasium Bürgerwiese vorbei. Klaffenbach hatte sich dafür mehr Besucher erhofft. Corona hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Auch die Fotoausstellung im Reisezentrum sieht sich niemand an und die Ausstellung zur Wendegeschichte des Bahnhofs auf dem Balkon der Empfangshalle ist ganz geschlossen. 

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Gleich neben dem Balkon ist der Eingang zur DB-Lounge, in der normalerweise die Reisenden mit den teureren Tickets entspannen können. Auch sie hat nicht geöffnet. Dafür hängt ein Zettel am Eingang: "Lounge als Aufenhaltsraum für DB Mitarbeitende" steht darauf.  Um die Bahn-Angestellten zu schützen und für genügend Abstand zu sorgen, wurden die schick designten Warteräume zum Pausenplatz für die Kollegen von Heiko Klaffenbach umfunktioniert.

Im Dresdner Hauptbahnof ist es so ruhig, wie normalerweise noch nicht mal am Wochenende.
Im Dresdner Hauptbahnof ist es so ruhig, wie normalerweise noch nicht mal am Wochenende. © Marion Doering
Bahnhofsmanager Heiko Klaffenbach ist es zu ruhig.
Bahnhofsmanager Heiko Klaffenbach ist es zu ruhig. © Marion Doering
Er kann sogar die Tauben gurren hören, die sich gelegentlich im Bahnhof niederlassen.
Er kann sogar die Tauben gurren hören, die sich gelegentlich im Bahnhof niederlassen. © Marion Doering
Fernzüge enden in Dresden, Richtung Tschechien fährt schon lange nichts mehr.
Fernzüge enden in Dresden, Richtung Tschechien fährt schon lange nichts mehr. © Marion Doering

Auf die ist der Bahnhofsmanager zur Zeit besonders stolz. Gemeinsam mit reichlich 90 Mitarbeitern ist er für 200 Bahnhöfe und Haltepunkte zuständig. In 155 davon halten Personenzüge, 45 sind Stationen, in denen immerhin noch Güterzüge durchfahren. "Der Vandalismus nimmt zu", hat Klaffenbach beobachtet, seit die strengen Corona-Regeln gelten. Vitrinen werden häufiger zertrümmert, Glaswartehäuschen gehen zu Bruch. Andererseits ist Klaffenbach stolz auf Zahlen. 100 Prozent Einsatzbereitschaft hat er nach den Ostertagen von "seinen" Bahnhöfen gemeldet bekommen. Das heißt, alle Fahrstühle und Rolltreppen waren intakt. Das gabs vorher noch nie. Klaffenbach ist natürlich klar, dass auch das eine Corona-Folge ist. Es gibt noch eine. Eine, über die sich der Bahnhofsmanager sehr freut. "Wir bekommen so viel Lob, wie nie zuvor", sagt er. Die Gründe: Die Bahn fährt weiter zuverlässig, trotz Corona. Das ist wichtig für viele Pendler, ist sich Klaffenbach sicher. Und es ist zugleich ein Zeichen dafür, dass das Leben weitergeht. Während Corona und erst recht danach, wenn sich im Hauptbahnhof wieder täglich mehr als 60.000 Menschen tummeln. 

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