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So bewerten die Sachsen die Corona-Zeit

Haben die Menschen Angst um ihre Jobs? Wie geht es den Sachsen finanziell? Wie haben sie bisher Corona erlebt? Eine große repräsentative Umfragenreihe zeigt es.

Die Zeit des Lockdowns ist in Sachsen längst überstanden. Corona aber noch nicht vorbei. Immer noch weisen wie hier in Dresden Plakate darauf hin. Wie die Menschen mit der Pandemie leben, findet Sächsische.de mit Umfragen heraus.
Die Zeit des Lockdowns ist in Sachsen längst überstanden. Corona aber noch nicht vorbei. Immer noch weisen wie hier in Dresden Plakate darauf hin. Wie die Menschen mit der Pandemie leben, findet Sächsische.de mit Umfragen heraus. © Ronald Bonß

Es ist auf den Tag genau vier Monate her, da erreichte das Coronavirus Sachsen. Am 2. März kehrte ein Mann aus Dippoldiswalde von einer Busreise aus Italien zurück. Der 69-Jährige gilt als der erste bekannte Infizierte im Freistaat. Bis heute summiert sich die Zahl der bestätigten Fälle auf 5.450. Für 222 Menschen nahm die Ansteckung einen tödlichen Verlauf. 

Düstere Zahlen, den man aber auch erfreuliche gegenüberstellen kann. So gelten von den Erkrankten inzwischen über 5.000 als wieder genesen. Auch im Vergleich zu anderen Bundesländern ist Sachsen bisher glimpflich davon gekommen. Aktuell ist das Land weit von einer Situation wie im Lockdown-Kreis Gütersloh in Nordrhein-Westfahlens entfernt (Alle wichtigen aktuellen Corona-Grafiken). Und in der Liste der Infektionsfälle insgesamt steht Sachsen genau in der Mitte auf Platz acht. 

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Schönrechnen sollte man sich die Corona-Zeit dennoch nicht. Zu tiefgreifend sind die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen der Pandemie. Wie haben die Menschen im Freistaat die vergangenen vier Monate seit der Ansteckung von Patient 0 erlebt? Was hat sich verändert? In sechs repräsentativen Umfragen tauchen sächsische.de und die Meinungsforscher von Civey in die Gefühlswelt der Menschen in Sachsen ein. 

Wie viele kennen einen Infizierten?

Zu Beginn der Pandemie war die Angst groß, sich mit dem Virus zu infizieren. Auf Fußwegen, in Geschäften, Bussen und Bahnen - einfach überall sah man in jeder Person plötzlich einen potenziell Erkrankten. Das Ansteckungsrisiko lauerte gefühlt an jeder Ecke. Doch die Zahl der Infektionen legt nahe: In Sachsen war die Gefahr wohl eher gering. Statistisch gesehen hatte bisher etwa jeder 800. der rund vier Millionen Sachsen Corona. Deshalb überrascht das Ergebnis bei der Frage danach, ob man einen Infizierten kenne, wenig. Nur 24 Prozent sagen "Ja", mit 75,3 Prozent die Mehrheit "Nein".    

Was beeinträchtigt am meisten?

Dass der vorsichtige Kurs und die ergriffenen Maßnahmen der Landesregierung richtig sind, sehen auch die Bürger so. Vor allem in den Hochmonaten März und April sprach die Mehrheit der Sachsen in einer Civey-Umfrage Schwarz-Rot-Grün ihr Vertrauen in der Krisenarbeit aus. Erst mit dem Rückgang der Infektionszahlen sank die Akzeptanz für die Regeln. Welche Regeln und Einschränkungen tun am meisten weh? Das wollte Sächsische.de in einer seit April laufenden Umfrage herausfinden. 

Ergebnis: Das Meiden sozialer Kontakte geben die meisten der Befragten (34,2 Prozent) als die gravierendste Einschränkung an, gefolgt vom Wegfall der Betreuung in Schulen und Kitas (18,6 Prozent). Die Schließung von Geschäften und Restaurants (13,6 Prozent) sowie Reisebeschränkungen (13,5 Prozent) liegen fast gleichauf. 

Interessant ist, dass nur 2,9 Prozent die Kurzarbeit als größte Einschränkung empfinden. Dabei gab es mehr als eine halbe Millionen Menschen in Sachsen, die phasenweise davon betroffen waren.  

Haben die Leute Angst um ihre Jobs?

Weshalb Kurzarbeit trotz der relativ großen Menge an Personen, die durch Corona davon betroffen waren oder noch sind, nicht als gravierende Einschränkung empfunden wird, liegt möglicherweise an der gefühlten Jobsicherheit. Etwa drei von vier sächsischen Arbeitnehmern (74 Prozent) glauben nicht, dass die Pandemie ihnen den Job kosten wird. Nur 17,6 Prozent der Befragten sehen ihren Arbeitsplatz gefährdet, 8,4 Prozent sind sich nicht sicher. 

Die Zahlen beruhigen. Denn sie zeigen, dass die Sachsen nicht von der Angst erfüllt, ihren Job zu verlieren, morgens auf Arbeit fahren. Dennoch ist die Lage für Unternehmen und Selbstständige zum Teil prekär, wie ein Blick in die bisherige Corona-Bilanz der Sächsischen Aufbaubank (SAB) zeigt. Die Förderbank des Freistaats hat bis Ende Juni fast 104.000 Anträge für Corona-Hilfen mit einem Volumen von 1,42 Milliarden Euro bewilligt. Dazu zählen die Soforthilfen des Bundes wie die Gewährung der landeseigenen Darlehen aus dem Programm "Sachsen hilft sofort!". 

Genug ist das noch nicht, um die wirtschaftlichen Folgen abzufedern. Ein neues Konjunkturprogramm samt Hilfspaket ist in dieser Woche von der Staatsregierung beschlossen worden. Volumen: rund eine Milliarde Euro.

Wie geht es den Menschen finanziell?

Mit der Jobsituation einher geht auch die persönliche finanzielle Lage der Menschen. Und die scheint sich durch Corona bei den meisten Sachsen nicht gravierend verändert zu haben. Sie ist "etwa gleich" wie davor sagen 71 Prozent, 5,8 Prozent sehen sogar eine Verbesserung. Alarmierend ist die Zahl derer, deren Situation sich verschlechtert hat. Das trifft dieser Umfrage zufolge auf etwa ein Viertel (23,2 Prozent) der Bürger des Freistaats zu. 

Trotz Corona geht es den Sachsen finanziell überwiegend gut oder zumindest nicht schlechter als vorher. Das ist schon mal eine positive Nachricht, die sich auch in den Zahlen einer weiteren Umfrage widerspiegelt. Demnach hält es die Mehrheit nicht für notwendig, nach der Corona-Pandemie stärker auf Ausgaben für nicht-alltägliche Produkte zu achten. Fast die Hälfte der Sachsen (46,7 Prozent) sagt dazu "Nein". Jedoch auch ein nicht sehr viel kleinerer Teil (35,3 Prozent) sieht das anders und schaut nach Corona mehr aufs Geld. 

Welche Auswirkung hat Corona auf die Freizeit

Um Geld ausgeben zu können, muss man nicht unbedingt das Haus verlassen. Die  Pandemie zwingt überall auf der Welt Menschen dazu, viel Zeit in den eigenen vier Wänden zu verbringen. Postdienstleister spüren das und haben auch in Sachsen zeitweise wochenlang so viele Pakete zugestellt wie sonst nur in der Vorweihnachtszeit. Was - außer shoppen - haben die Sachsen in ihrer Freizeit während Corona gemacht? Die Zahlen dieser Umfrage mit der Möglichkeit zu Mehrfachantworten zeigen, sie haben sehr viel Unterhaltungsmedien konsumiert. 

Interessant hier: Es wurde häufiger zum Buch (25,5 Prozent) gegriffen als auf dem Handy gechattet und gesurft (20,4 Prozent), ferngesehen (19,3 Prozent) oder bei Netflix und Co gestreamt (14,5 Prozent). Aber auch andere Dinge, die in den Antworten nicht vorgegeben waren, lagen weit oben auf der Liste der bevorzugten Beschäftigung. 

Information zu den Umfragen mit Civey

In diesem Artikel wurden sechs Umfragen ausgewertet, die Sächsische.de in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsunternehmen Civey durchgeführt hat. An den Umfragen haben Tausende Menschen teilgenommen, aus den abgegeben Stimmen wurden repräsentative Stichproben gezogen. Die Stichproben entsprechen jeweils der Grundgesamtheit der sächsischen Wahlbevölkerung. Detailangaben zu Befragungszeitraum, Stichprobengröße und statistischem Fehler entnehmen Sie den jeweiligen Grafiken. Wie Umfragen mit Civey funktionieren, wird in diesem Artikel (mit Video) erklärt.

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