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Kamenz

Rückschlag für das Hochzeitsschloss

Die neuen Schlossherren in Oberlichtenau wollten im Frühjahr durchstarten. Doch statt erster Gäste kam Corona. Wie sie die Krise überstehen wollen.

Der Oberlichtenauer Schlossherr Andreas von Hünefeld ist jetzt oft mit dem Multicar unterwegs, um die Anlangen um den Barockbau in Ordnung zu bringen. Wegen Corona finden im Schloss weder Hochzeiten noch andere Veranstaltungen statt.
Der Oberlichtenauer Schlossherr Andreas von Hünefeld ist jetzt oft mit dem Multicar unterwegs, um die Anlangen um den Barockbau in Ordnung zu bringen. Wegen Corona finden im Schloss weder Hochzeiten noch andere Veranstaltungen statt. © Matthias Schumann

Oberlichtenau. Schlossherr Andreas von Hünefeld fährt mit seinem Multicar vor den Barockbau in Oberlichtenau. Der Kleintransporter ist die neueste Anschaffung. Alle anderen nötigen Investitionen müssen ruhen. Genauso wie das Schloss im Ruhemodus ist. Das geht vielen so. Aber Familie Hünefeld trifft es einmal mehr. Denn für sie kam der Stopp noch vor ihrem Start.

Nach dem Kauf im vorigen Herbst gab es bisher viele Pläne für das Schloss in Oberlichtenau. Jetzt sollte es losgehen. Doch statt der ersten Gäste kam Corona. Die neuen Schlossbesitzer Daniela und Andreas von Hünefeld haben im Frühjahr mit dem Start in die Hochzeitssaison gerechnet. Die große Tafel mit weißen Tischdecken und Leuchtern neben dem Gartensaal wartet auf das erste Brautpaar. Das sollte schon Anfang des Monats hier in fröhlicher Runde im barocken Ambiente feiern. 

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Anschaffungen vertagt

Alle drei April-Hochzeiten sind abgesagt. Für Mai bereits zwei. „Heute kam die Stornierung für einen 40. Hochzeitstag, und weitere werden folgen“, ist sich der neue Schlossherr sicher. Denn für die Paare und Jubilare hänge viel dran. Gäste kommen aus allen Himmelsrichtungen. Hotelzimmer sind reserviert, Stornogebühren drohen möglicherweise, aber es gibt keine Planungssicherheit mehr für die kommenden Monate. Er verstehe, dass die Leute in Panik geraten und alles absagen.

Der Veranstaltungs- und Gastronomiebetrieb ruht, aber viele  Kosten und Verpflichtungen bleiben. So läuft alles auf Sparflamme. Fürs Erste habe er die Anschaffung neuer Tische vertagt. Bauliche Investitionen müssen verschoben werden. Am dringendsten wäre das Dach. Aber bevor das in Betracht komme, müssen Einnahmen fließen.

Die große Tafel im Barocksaal des Schlosses steht für Gesellschaften wie Geburtstage und Jubliäen bereit.
Die große Tafel im Barocksaal des Schlosses steht für Gesellschaften wie Geburtstage und Jubliäen bereit. © Matthias Schumann

Auch die große Ü30-Schlossparty im Juni ist abgesagt. Floh- und Kreativmärkte sind gestrichen. Außerdem waren vier Saal- und zwei Parkkonzerte geplant. Bis Ende August fällt alles aus. Das Benefizkonzert innerhalb des Kammermusikfests Oberlausitz mit Sektempfang wurde erst einmal auf den 17. September verlegt, fällt also nicht ganz weg.

Andreas von Hünefeld bleibt aber auch mit dem Termin vorsichtig. Keiner könne sagen, ob das Veranstaltungsverbot tatsächlich am 31. August endet oder ob es verlängert wird. Oder ob es andere Einschränkungen gibt, zum Beispiel bei der Gästezahl. Auch die etwa 15 noch anstehenden standesamtlichen Hochzeiten in den kommenden Wochen, also ohne ganz große Party, stehen auf der Kippe. Die erste Gemeinschaftsaktion mit dem neuen Schloss-Förderverein im Park musste ebenfalls ausfallen.

Schlossherr harkt Laub

Immerhin ist die Küche fertig, mit Edelstahlmöbeln und neuer Technik. Das letzte Regal habe er jetzt montiert und die Räume frisch gestrichen. Der Schlossbesitzer auf dem Malergerüst? „Kein Problem, ich habe schließlich ursprünglich einen Bauberuf gelernt“, sagt er. Das zahlt sich jetzt aus.

Das Virus verschafft dem Schlossbesitzer viel Zeit, selber Hand anzulegen und das Schloss für die Zeit nach Corona herauszuputzen. So spare er wiederum Geld: „Ich habe jetzt zehn Tage lang Laub geharkt.“ Die beachtlichen Haufen sind überall auf dem riesigen Areal zu sehen. Jetzt kommt der Multicar für den Abtransport zum Einsatz.  Dann warten die über 50 Doppelfenster - die Dachgauben nicht mitgezählt - aufs Putzen. Die sind riesig, mit gefühlt unzähligen Sprossen. Eine Stunde brauche er, bis eines wieder blitzt. Ein Viertel habe er geschafft.

Mit Schnitzereien verziert ist ein Fund vom Dachboden des Schlosses. Es sind Fensterfüllungen aus dem Barocksaal, die jetzt den Gartensaal schmücken..
Mit Schnitzereien verziert ist ein Fund vom Dachboden des Schlosses. Es sind Fensterfüllungen aus dem Barocksaal, die jetzt den Gartensaal schmücken.. © Matthias Schumann

Andreas von Hünefeld führt in den Gartensaal. Der hat frische Farbe bekommen und mehr. So war jetzt Zeit, den Dachboden genauer zu inspizieren. Dabei tauchten vier historische Fensterfüllungen auf aus der Zeit um 1890. Sie stammen von der Empore im Barocksaal. Die Füllungen aus Holz sind zwar etwas verzogen, aber reich mit Schnitzereien von Musikinstrumenten verziert. Sie schmücken nun den Gartensaal.

Nebenan ist gerade ein Freund zugange und frischt das Parkett auf. Das werde der Buffet-Raum für künftige Gesellschaften, erklärt  Andreas von Hünefeld. Er hat hat dafür zwei ehemalige Schlafzimmer zusammengelegt.

Kaffeetrinken im Gartensaal

Das alles würde der Baron natürlich auch gern bald den Gästen präsentieren und zumindest möglichst bald den Café-Betrieb beginnen. Ursprünglich sollte jeden ersten Sonntag im Monat bis Oktober geöffnet sein. Nun ist geplant, jedes Wochenende zu öffnen: „Wir legen los mit Kaffee und Kuchen, sobald irgend möglich - vor dem Schloss und im Gartensaal.“

Das Hochzeitsjahr hat Andreas von Hünefeld so gut wie aufgegeben. „Es ist ein schwerer Rückschlag für unsere Pläne als Hochzeitsschloss.“ Denn Ende August sei die beste Zeit zum Heiraten vorbei. Aber sein Schlossprojekt wolle er keinesfalls aufgeben. Daran denke er gar nicht. Durchhalten ist die Parole - und ein Jahr später durchstarten.

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