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Isolierstation für Corona-Mütter

Wie sich das Kamenzer Krankenhaus auf schwangere Frauen mit Covid-19 einstellt. Ein Kreißsaal mit Sicherheitsschleuse gehört dazu.

Die Geburtsklinik im Kamenzer Krankenhaus ist  auf Schwangere mit Corona-Infektion vorbereitet. Dafür stehen Chefarzt Alexander Wagner, Stationsschwester Daniela Nicolaus und ihr ganzes Team.
Die Geburtsklinik im Kamenzer Krankenhaus ist auf Schwangere mit Corona-Infektion vorbereitet. Dafür stehen Chefarzt Alexander Wagner, Stationsschwester Daniela Nicolaus und ihr ganzes Team. © René Plaul

Kamenz. An der Glastür warnt ein Schild: „Zutritt nur für Personal“. Dieser Isolierbereich der Geburtshilfe  ist jetzt im Kamenzer Krankenhaus für werdende Mütter reserviert, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben. „Grundsätzlich werden alle Covid-19 Patienten und Verdachtsfälle im Malteser Krankenhaus St. Johannes in einer speziellen von außen zugängliche Station mit bis zu 30 Betten getrennt vom übrigen Krankenhausbetrieb behandelt“,  erklärt  Sven Heise. Er ist Geschäftsführer der Malteser Sachsen-Brandenburg gGmbH. Für die Geburtshilfe habe die Klinik jedoch einen separaten Bereich mit vier Zimmern eingerichtet, um damit  die notwendige Nähe zum Kreißsaal und OP  herzustellen.

Derzeit werden drei schwer am Virus erkrankte Patienten  in der Klinik behandelt. Die befürchtete ganz große Krankheitswelle sei bisher nicht eingetreten, sagt Sven Heise. Dazu hätten die strengen Regeln beigetragen. „Deshalb dürfen wir dieses Virus nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wir nutzen die Zeit, um uns intensiv vorzubereiten.“  Die  Geburtenklinik muss sich  "darauf einstellen, dass auch werdende Mütter das Virus in sich tragen“, so Alexander Wagner, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe.  Dabei seien zwei Szenarien denkbar. Erstes: Eine Frau erkrankt während der Schwangerschaft an dem Virus. Leichte Infektionen sollten auch in dem Fall zunächst zu Hause betreut werden. 

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Der Isolierbereich stehe  zur Verfügung, wenn es medizinisch notwendig wird. Es sei sichergestellt, dass Patientinnen noch vor dem Betreten der Klinik einen Mundschutz erhalten und die Geburtsklinik sofort informiert wird. Das ist auch beim zweiten Szenario so: Bei einer Patientin mit Krankheitssymptomen setzen daheim die Wehen ein. Sie kommt zur Klinik und wird sofort in den Isolierbereich aufgenommen. Die Station sei sowohl für Verdachts- als auch bestätigte Fälle geschaffen worden. Die Überwachung der wichtigen Körperfunktionen ist dort sichergestellt. Auch Sauerstoff kann bei Bedarf gegeben werden.

Entbindung mit Atemschutz

Chefarzt Wagner ist froh, für schwangere Covid-19-Patientinnen einen eigenen Isolierbereich zu haben. Damit sei eine optimale Betreuung gesichert und eine räumlich getrennte Behandlung von gesunden Schwangeren garantiert. Zusätzlich steht für infizierte Patientinnen ein Kreißsaal mit Schleuse zur Verfügung. Dort könne das Krankenhauspersonal Schutzanzug, Brille, Atemschutz, Handschuhe sicher an- und ablegen. Bei der Entbindung müsse auch die Patientin eine Schutzmaske tragen, erklärt die leitende Stationsschwester Daniela Nicolaus. 

Außerdem stelle das Krankenhaus sicher, dass eine Hebamme ohne Personalwechsel die Frau bei der Entbindung betreut, um Kontakte zu minimieren. Das setze eine hohe Einsatzbereitschaft der Mitarbeiterinnen voraus, so Chefarzt Wagner, um alle Entbindungen absichern zu können. Priorität habe: „Es darf kein Erreger nach außen kommen.“

Bei einer Geburt unter Corona-Bedingungen stellen sich noch mehr Fragen. Der Facharzt ist sich nach bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen sicher, dass der Geburtsweg von der Infektion nicht beeinflusst ist. Deshalb habe die natürliche Geburt gegenüber dem Kaiserschnitt den Vorrang erhalten. Es gebe zudem keine Hinweise, dass das Virus übers Blut übertragen wird oder das ungeborene Kind bereits infiziert ist. Allerdings stünde die Wissenschaft noch am Anfang. Deshalb werde auch der Säugling vorsorglich von anderen Neugeborenen isoliert. Nach der Geburt werde Blut der Mutter und sogenanntes Nabelschnurblut getestet.

Stillen ist kein Problem

Auch beim Stillen sieht der Gynäkologe keine Probleme. Im Gegenteil: Atemschutz und Händehygiene vorausgesetzt, sollte unbedingt gestillt werden. Über die Muttermilch empfange das Kind wichtige Antikörper nicht nur gegen Corona, sagt Daniela Nicolaus, die zugleich examinierte Stillberaterin ist. Es gebe keinen Grund, Mutter und Kind zu trennen - von Notfällen abgesehen, wenn die Mutter zu schwer erkrankt sein sollte. Das sei auch ohne eigene Kinderklinik weder räumlich oder medizinisch ein Problem. „Wir haben einen Vertragskinderarzt, der innerhalb weniger Minuten bei Bedarf am Kinderbett steht“, versichert der Chefarzt. Noch sind die vier Spezial-Betten leer. Und letztlich hofft die Mannschaft der Geburtsklinik auch, dass diese vielleicht nie gebraucht werden. Wagner: „Aber wir sind vorbereitet.“

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