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Schwarz Reisen zieht sich aus Niesky zurück

Das Busunternehmen verkauft seine Reisen jetzt am Betriebssitz bei Hähnichen. Das ist nur eine Konsequenz aus der Corona-Krise.

Geschäftsführer Patrick Schultze und Mitarbeiterin Martina Stiller im neu gestalteten Büro von Schwarz Reisen in "Tankeshausen" bei Hähnichen.
Geschäftsführer Patrick Schultze und Mitarbeiterin Martina Stiller im neu gestalteten Büro von Schwarz Reisen in "Tankeshausen" bei Hähnichen. © André Schulze

Wer am Montag in das Reisebüro von Schwarz Reisen wollte, stand in der Ödernitzer Straße vor verschlossener Tür. Es gibt dieses Büro in Niesky nicht mehr. Aber ganz verschwunden ist das Reisebüro für die Kunden nicht. "Wir sind nur umgezogen", sagt Geschäftsführer Patrick Schultze.    

In "Tankeshausen" befindet sich jetzt das Reisebüro. Das ist das von Firmengründer Harald Schwarz so benannte Betriebsgelände des ehemaligen Armee-Tanklagers zwischen B 115 und Hähnichen. Im Verwaltungsgebäude wurde ein Büro hergerichtet in dem Mitarbeiterin Martina Stiller die unternehmenseigenen Reisen vermitteln und die Kunden betreuen. 

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Busse bleiben in der Garage

Patrick Schultze sagt, dass die Entscheidung nicht leicht gefallen ist, aber betriebswirtschaftlich gesehen notwendig war." Es ist eine Konsequenz daraus, wieder aus der Corona-Krise zu kommen", so Schultze. Denn Mitte März war Schluss mit allen Reiseaktivitäten. Die Busse blieben im Depot, die Stornierungen prasselten auf das Reisebüro ein.  Eine harte Zeit für die beiden Mitarbeiterinnen. Denn keine Reise konnte mehr verkauft werden. "Wir waren froh über den Auftrag für eine Klassenfahrt mit zwei Bussen nach England. Einen Tag bevor es losgehen sollte, kam die Absage - wegen Corona", nennt Schultze nur ein Beispiel aus den vielen Stornierungen.  

Inzwischen scheint das Tal aber überwunden zu sein. Reisebüro-Mitarbeiterin Martina Stiller sagt, dass die Leute wieder Lust auf das Reisen bekommen, zumal Deutschland und Europa ihnen wieder offen stehen. "Vergleichbar zu den Zeiten vor Corona ist das aber bei Weitem noch nicht", ergänzt sie. Denn nicht wenige Kunden sind verunsichert, weil immer wieder Herde der Ausbreitung des Virus festgestellt werden. Hinzu kommen die einzuhaltenden Hygienemaßnahmen. Sie schrecken manchen ab, zu verreisen. 

"Nach Wochen des Stillstandes, fahren wir jetzt langsam wieder hoch", schildert der Unternehmer die jetzige Situation. Von den drei stillgelegten Reisebussen ist jetzt wieder einer zugelassen.  Patrick Schultze geht davon aus, Ende August, Anfang September wieder die ersten Reisen durchzuführen, wenn es keine coronabedingten Rückschläge gibt. 

Kurzarbeit hat nicht alles abgefangen

Es ist die schwerste Krise in den 32 Jahren von Schwarz Reisen. Darüber sind sich Inhaber und Belegschaft einig. Nicht alle Ausfälle können über Kurzarbeit kompensiert werden. "Wir mussten auch Personal entlassen", sagt Schultze. Das familiengeführte Busunternehmen war in den vergangenen Jahren auf 33 Mitarbeiter angewachsen. Jetzt zählt es noch 24 Beschäftigte. Die ganze Hoffnung ruht jetzt darauf, dass es wieder aufwärts geht, nicht nur mit den Reisen, sondern auch im Personalbestand.

Zwei Rettungsanker hat Patrick Schultze, die ihm das Manövrieren durch die Covit19-Krise etwas leichter machen. Die zu Pfingsten mit einem roten Doppelstockbus gestartete Görliwood-Entdecker-Tour wird sehr gut angenommen. "Und da jetzt wieder mehr Touristen nach Görlitz kommen, wird dieses Angebot für uns noch lohnender", so Schultze. Die Idee einer Filmtour durch die Neißestadt stammt von Unternehmer und Veranstalter Stefan Menzel, der sich das Hähnichener Busunternehmen dazuholte.

Seit Pfingsten rollt der Görliwood-Entdecker-Bus durch die Neißestadt. Klaus Zura (links) lenkt den Bus, den sein Chef von Schwarz Reisen, Patrick Schultze, und Unternehmer Steffen Menzel mit Touristen zu den Drehorten fahren lassen.
Seit Pfingsten rollt der Görliwood-Entdecker-Bus durch die Neißestadt. Klaus Zura (links) lenkt den Bus, den sein Chef von Schwarz Reisen, Patrick Schultze, und Unternehmer Steffen Menzel mit Touristen zu den Drehorten fahren lassen. © Nikolai Schmidt

Linienverkehr ohne Klassenfahrten

Der zweite Anker ist der Linienverkehr. Busse von Schwarz Reisen fahren im öffentlichen Personennahverkehr, der mit dem Schülerverkehr im Landkreis gekoppelt ist. Mit dem Stop für alle Busfahrten in den ersten Corona-Wochen bewegte sich auch auf dem Betriebshof bei Schwarz Reisen nichts, aber seit ein paar Wochen rollen die Schulbusse und jetzt auch die Reisebusse wieder. Neun Busse mit dem Schwarz-Schriftzug sind im Linienverkehr unterwegs.  

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Was weiterhin fehlen wird, sind die Klassenfahrten. Diese sind erst einmal bis Jahresende ausgesetzt. Auch diese Touren sind ein fester Posten bei Schwarz, der auf längere Zeit wegfällt. Deshalb sucht das Unternehmen nach neuen Nischen und Märkten, um alle Busse wieder auf die Straße zu bekommen. Derzeit läuft die Bewerbung bei der Deutschen Bahn, um in den Schienenersatzverkehr mit einzusteigen. Hierbei arbeitet die Bahn mit festen Vertragspartnern zusammen. Patrick Schwarz will einer von diesen werden.   

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