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Weinend mit der Mutti im Heim geskypt

Trotz Besuchsverbot können Angehörige ihre Eltern im Seniorenpflegepark "Zur Linde" in Zittau sehen - am Bildschirm. Noch mehr erfahren sie täglich per E-Mail.

Das Team vom Senioren-Pflegepark "Zur Linde" in Zittau schickte diese Botschaft an die Angehören ihrer Hausbewohner. Kerstin Ehrentraut antwortete mit einem Dankes-Gruß und schickte es zurück.
Das Team vom Senioren-Pflegepark "Zur Linde" in Zittau schickte diese Botschaft an die Angehören ihrer Hausbewohner. Kerstin Ehrentraut antwortete mit einem Dankes-Gruß und schickte es zurück. © privat

Kerstin Ehrentraut weiß ihre Mutti in guten Händen. Die 89-Jährige ist im Seniorenpflegepark "Zur Linde" in Zittau. "Dort wird unglaublich gute Arbeit geleistet", berichtet sie. Obwohl sie ihre Mutti schon lange im Pflegeheim nicht mehr besuchen kann, weiß sie trotzdem jeden Tag, wie es ihr geht. "Wir bekommen täglich von Geschäftsführerin Heike Krause eine E-Mail", sagt sie.

Im Seniorenpflegepark ist seit Donnerstag sogar das Skypen - ein Videoanruf über das Internet - mit Oma, Opa oder den Eltern möglich. "Der Test mit zwei Familien hat geklappt. Aber es war sehr emotional und erschütternd", sagt Heike Krause.

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"Mutti, ich kann dich nicht besuchen"

Unter Tränen hat eine Tochter auf diese Art ihre Mutti im "Pflegepark" gesehen und mit ihr gesprochen. "Mutti, ich kann dich nicht besuchen", hat sie gesagt, weil sie natürlich von ihr vermisst wird. "Warum kannst du nicht kommen? Bist du krank", hat die an Demenz leidende Frau immer wieder gefragt.

Die Hausbewohnerin versteht es nicht. Aber sie hat sich gefreut, ihre Tochter gesehen zu haben. Und ihre Familie konnte sehen, dass es ihr gut geht. Das Skypen zwischen den Angehörigen mit ihren Großeltern und Eltern wird im Senioren-Pflegepark jetzt ausgebaut. 

Mehrere Laptops stehen dafür bereit. Und für diejenigen, die technisch dazu nicht in der Lage sind, hat die Geschäftsführerin eine Lösung gefunden. "Die können zu mir ins Büro kommen und von hier aus mit ihren Angehörigen bei uns skypen", erzählt sie.

Das geht. Denn dafür müssen sie nicht in das Pflegeheim. Heike Krauses Büro ist in einem separaten Gebäude. Weil aber nicht alle auf einmal skypen können, schickt sie weiterhin täglich Mails an die Verwandten ihrer Hausbewohner.  

Die Mails sind sehr ausführlich. Heike Kraus schreibt den Angehörigen seit dem 24. März, wie es den Bewohnern im Haus geht, was sie an dem Tag gemacht haben. Auch am Sonntag macht sie da keine Ausnahme. Das kommt bei Bewohnern und Angehörigen sehr gut an.

Sie antworten. Die Geschäftsführerin hat einen Ordner angelegt, der für alle Bewohner, die dazu gesundheitlich in der Lage sind, und den Mitarbeitern einsehbar ist. Immer wieder wird darin geblättert. Das ist auch für die Mitarbeiter gut, weil sie in den Mails oft lesen können, wie sehr ihre Arbeit geschätzt wird. Das man ihnen dankt. 

"Die Leute wissen, was anderswo in Pflegeeinrichtungen passiert ist und wir können ihre Sorge und Hilflosigkeit verstehen", meint Heike Krause .

Aufatmen: Quarantäne gut überstanden

Schon eine Woche, bevor der Zutritt zu Seniorenheimen generell für Besucher verboten wurde, mussten hier zwei Bewohner in Quarantäne gesetzt und der Zutritt zum Haus für Gäste untersagt werden. "Eine Familie war aus dem Urlaub gekommen und hatte, ohne sich bei uns zu melden, ihre Angehörige besucht", schildert die Geschäftsführerin.

Wenig später ging es der besuchten Bewohnerin nicht gut. In dieser Woche kam nun die Entwarnung vom Amt. Die Quarantäne für die zwei Frauen im Zimmer mit dem Verdachtsfall wurde aufgehoben. Beiden geht es gesundheitlich wieder gut.

Immer nach Dienstende setzt sich Heike Krause an den Computer und schreibt und schreibt. Ihre Mails sind wie ein Newsletter für die Angehörigen der Heimbewohner. "Die Stubenhocker sitzen im Foyer und erhalten dort ihre Unterhaltung durch unsere Beschäftigungstherapeuten", schreibt sie. Oder: "Liebe Angehörige! Ich habe es nicht glauben wollen, aber unsere Eva war heut früh pünktlich zum Dienst erschienen." Die Pflegerin Eva ist sehr beliebt im Haus. Die Tschechin durfte anfangs nicht über die Grenze.

Heike Krause bedankt sich per Mail bei den Angehörigen, die mit selbst genähtem Mundschutz die Mitarbeiter versorgten. "Die sind ganz aus dem Häuschen, dass sie jetzt mit Herzchen, Eulen, Frösche und Co um die Nase herum pflegen können", schreibt sie und verabschiedet sich bis morgen. 

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